In & um München: Wanderung über den Hohen Peißenberg

Nachdem in der letzten Aprilwoche sich das Wetter nicht wirklich hatte entscheiden können, ob es jetzt noch Winter oder doch schon(?) Frühling sein sollte, schwenkte es rechtzeitig zum Wochenende dann schließlich kurzzeitig Richtung Frühling und so wurde der Maiausflug vorgezogen und auf den letzten Apriltag gelegt. 

Ausblick auf die Alpen

Mit Tobias von Weltschaukasten ging es los Richtung Pfaffenwinkl, einer oberbayerischen Bilderbuchregion zwischen Lech, Loisach, Alpen, Ammer- und Starnberger See. Benannt ist die Region nach der Vielzahl an Kirchen und Klöstern, die sich dort befinden – unter anderem das bereits einmal erwähnte Benediktbeuern.
Passend dazu war unser Ziel für diesen Tag der Hohe Peißenberg mit der darauf befindlichen Wallfahrtskirche. 

„Der alte Winter in seiner Schwäche…“ 

Ausgangspunkt unserer Wanderung war der Bahnhof Peißenberg (nicht zu verwechseln mit den Bahnhöfen Peißenberg Nord und Hohenpeißenberg!). Von dort ging es – dank guter Ausschilderung auch ohne Karte leicht zu finden – über den „Michelsweg“ aufwärts zur 1611 erbauten Kapelle St. Michael.

Der Ausblick öffnet sich bei dieser Wanderung immer in alle Richtungen: Nach Osten zurück Richtung Peißenberg, nach Norden Richtung Ammersee, bei dem man sogar Kloster Andechs auf dem Berg erkennen kann – und schließlich als wir oben ankommen natürlich nach Süden in Richtung der verschneiten Alpen.

Die hohen Berge in der Ferne sind nicht das Einzige, was auf dieser Tour von Schnee bedeckt ist. Auch auf dem Hohen Peißenberg selbst liegt noch immer der Schnee der vergangenen Woche. Auch wenn die Sonne natürlich eifrig dabei war, ihn wegzutauen und es sich die Löwenzähne nicht nehmen ließen, sich durch die löchrig gewordene Schneedecke hervorzukämpfen.

Mal wieder – wenn auch diesmal nicht an meinem eigenen Osterspaziergang – kam mir Goethes Frühlingsgedicht in den Sinn und in Anbetracht der „rauhen Berge“ in der Ferne schien es passender als je zuvor:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes (…)

Die Wallfahrtskirche auf dem Hohen Peißenberg

Der Hohe Peißenberg selbst ist 988m hoch und auf seiner langgezogenen Kuppe steht zum einen die bereits erwähnte Wallfahrtskirche (samt dem obligatorischen – sehr zu empfehlenden! – Wirtshaus, von dessen Terrasse man einen großartigen Blick hat) – zum anderen befindet sich hier ein Meteorologisches Observatorium, wo seit dem 1. Januar 1781 Wetteraufzeichnungen gemacht werden. Es handelt sich dabei offenbar um die älteste Bergwetterstation der Welt. So spannend dieses Faktum ist – ein besonderer Augenschmaus ist das Observatorium nicht.

Ganz anders die daneben gelegene Kirche (fand ich zumindest. Meinem Reisebloggerkollegen Tobias war sie dann wohl doch zu barock…).
Seit 1514 steht hier eine Kapelle, die auf Ansuchen der verstreut im Umkreis des Berges lebenden Bauern erbaut wurde. Seit dieser Zeit steht dort auch die geschnitzte Muttergottes, der man bald im Volksglauben wundersame Kräfte nachsagte. Die Wallfahrt nahm den Gang der meisten Nahwallfahrten des Spätmittelalters bzw. der Frühen Neuzeit: Sie blühte nach dem Ende der konfessionellen Konflikte, namentlich des 30jährigen Krieges, erst richtig auf und hatte im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt bis die Säkularisation 1803 ihr einen Schlag versetzt, von dem sie sich nicht mehr erholen sollte – auch wenn die Kirche durch die Einrichtung einer Pfarrei erhalten werden konnte.

Ein besonderes Ereignis, das für Wallfahrtsstätten dieser Art nicht unbedingt typisch ist, gab es allerdings doch: Im Jahr des Bauernkrieges 1525 sollen ein paar hundert Bauern der Umgebung sich auf dem Hohen Peißenberg versammelt haben, um dort Treue zum Katholizismus und zum bayerischen Herzog zu geloben. Die wittelsbachischen Herrscher zeigten sich dankbar, in dem sie der Kapelle und ihren Gläubigen gewogen blieben und im frühen 17. Jahrhundert die Erweiterung der Kirche tatkräftig unterstützten.
Wie die meisten Wallfahrtskirchen, so wurde auch diese irgendwann für die Menge an Besuchern einfach zu klein, so dass Herzog Maximilian I. 1615 Bauland schenkte, auf dem eine Kirche und ein Pfarrhaus angebaut werden konnten. Ebenfalls eine Eigenheit dieser Wallfahrtskirche: Die alte Gnadenkapelle wurde nicht abgerissen und neugebaut, sondern sollte unangetastet bleiben. Die größere Kirche wurde einfach nebenan gebaut. Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt die Gnadenkapelle dann die heutige Rokkokoausstattung.

Vom Peißenberg durch das Schwarzlaichmoor

Nach Besuch von Wirtshaus und Kirche – ganz klassisch gestärkt an Leib und Seele also – machen wir uns an den Abstieg.
Wir hatten entgegen unserer Gewohnheit keine Karte dabei und mussten feststellen, dass die Beschriftung der Wege bergab nicht ganz so gut war wie bergauf und marschierten nach Gefühl (was überraschend gut funktionierte) nach Hetten, einem Ortsteil von Hohenpeißenberg, den am Fuße des Hohen Peißenbergs ausgebreitet liegenden Ort.

Da das Wetter eindeutig zu schön war, um schon zum Bahnhof zu gehen, und wir ohne Karte nicht wirklich wussten, wie wir – außer direkt an der Straße – am besten nach Peiting gelangen konnten, beschlossen wir, noch eine Runde im Schwarzlaichmoor anzuschließen.
Dort bogen wir dann erst einmal falsch ab und der vermeintliche Spazierweg endete in unter unseren Füßen schmatzenden Feuchtwiesen.

Häufig übergeht man ja die zahlreichen Schilder, die von wohlmeindenden Menschen an Wanderwegen aufgestellt werden. In diesem Fall wäre dies aber wirklich bedauerlich gewesen, denn die Schilder hielten unter anderem die Geschichte der „Frau von Peiting“ bereit,  einer Moorleiche aus dem Spätmittelalter, die 1957 beim Torfabbau gefunden wurde. Rosalinde, wie sie auch genannt wird, gilt als sogar für Moorleichen bemerkenswert gut erhalten. Wer mehr darüber wissen möchte, dem kann ich den umfangreichen Wikipedia-Artikel ans Herz legen.

Nach dieser Moor-Runde machten wir uns dann doch wieder auf Richtung Bahnhof Hohenpeißenberg, um zurück nach München zu fahren.

Ohne Herumstapfen im Moor hat die Runde etwa 15km, ist aber leicht abkürzbar, wenn man vom Hohen Peißenberg direkt zum Bahnhof absteigt – und genauso leicht lässt sie sich verlängern, wenn man etwa nach Peiting weitergeht. Beginnen kann man eine Wanderung über den Hohen Peißenberg entweder direkt von Hohenpeißenberg, von Peißenberg oder von Peiting. In allen drei Orden fährt stündlich die Bayerische Regiobahn von/bis Weilheim, von wo aus der Anschlusszug nach München fährt. Von Augsburg aus fährt die BRB übrigens direkt durch.
Alles in allem eine wunderschöne Tour – und ich glaube, ich bin dort nicht zum letzten Mal gewandert!

Wer übrigens mehr über die Geschichte der Wallfahrt und der Wallfahrtskirche wissen möchte, die ich hier ja nur angerissen habe, der kann wie ich direkt in der Kirche das kleine Heftchen „Wallfahrtsstätte Hohenpeißenberg“ von Georg Jocher, 3. Aufl. 2015, erwerben.

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