Venedig im Zwielicht: eine Aussichtsterrasse in der Lagunenstadt

Bei einem Mittagessen in Burano kamen wir mit zwei Venezianerinnen ins Gespräch.
„Ihr müsst auf die Terrasse des Fondaco. Die ist ganz neu gemacht – und man hat einen tollen Ausblick von dort“, erzählten sie uns, zückten ihr Handy und zeigten uns die Fotos, die sie erst kürzlich selbst von dort oben geschossen hatten. 
Das überzeugte und am nächsten Tag machten wir uns auf, um diesen Ausblick selbst zu genießen.

Ausblick Fondaco Markusdom Kuppeln

Besonders vom Glück verfolgt waren wir dabei allerdings nicht: Erst gab kurz zuvor eines meiner Objektive den Geist auf und dann zog es auch noch zu, just als wir die Terrasse besuchen wollten. Der strahlende Sonnenschein der letzten Tage wich einem eher mysteriösen Zwielicht – aber Venedig ist wohl die Stadt, der dies am wenigsten Abbruch tut. Und so ergaben sich ein paar besondere Lichtstimmungen.

Anders als wir gedacht hatten, gab es auf der Terrasse des in den letzten Jahren umgebauten Fondaco kein Café oder Restaurant. Nein, diese Terrasse scheint alleine dazu da zu sein, um den Ausblick zu genießen. Dies kann man zwar kostenlost tun, hat allerdings nur eine knappe Viertelstunde Zeit.
Zuvor muss man eine Besuchszeit ausmachen – je nachdem, wie groß der Ansturm ist, kann dies kurze Zeit später sein oder vielleicht sogar am nächsten Tag. Wir hatten einen Termin für denselben Nachmittag.

Das Wort „Fondaco“ hat einen arabischen Ursprung – deutlicher Hinweis auf Venedigs Handelsbeziehungen in den Osten – und bedeutet so viel wie „Warenhaus“. Der Fondaco dei Tedeschi war die Niederlassung der deutschen Händler.
Die Handelsbeziehungen zwischen dem Reich nördlich der Alpen und Venedig reichen weit zurück: Bereits im 13. Jahrhundert wurde die erste Handelsniederlassung an dieser Stelle errichtet. Im 16. Jahrhundert, nach einem Brand, erfolgte der Wiederaufbau.

Im Erdgeschoss gab es offene Arkaden, durch die Waren angeliefert bzw. verkauft werden konnten. Zum Canal Grande hin gab es einen eigenen Anleger.
Die deutschen Kaufleute mussten nicht nur an dieser Stelle ihren Handel betreiben und ihr Kontor einrichten, sondern dort auch leben. Die Aufnahme von fremden Kaufleuten durch Venezianer war verboten. Diese Idee – wie der Name aus dem Orient übernommen – diente v.a. der leichteren Einziehung von Steuern.

2008 wurde der Fondaco dei Tedeschi, der bis dahin als Hauptpostamt diente, von der Benetton Group erworben. Die geplanten Umbaumaßnahmen scheiterten am Widerstand der Bevölkerung.
Heute befindet sich hier ein nobles Kaufhaus der LVMH Gruppe, was der Tradition des Gebäudes durchaus entspricht.

Geöffnet ist der Fondaco täglich von 10 bis 21 Uhr. In dieser Zeit kann auch ein Termin für die Besichtigung der Aussichtsterrasse vereinbart werden.

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12 Gedanken zu “Venedig im Zwielicht: eine Aussichtsterrasse in der Lagunenstadt

  1. oh das ist toll. und das licht finde ich eigentlich sogar richtig besonders. bei „zwielicht“ muss ich allerdings vermutlich für den rest meines lebens an die russische fantasy-roman-reihe denken 🙂

  2. wow, das erste Foto ist richtig toll. Ich würde es mir sofort an die Wand hängen!
    Venedig schreckt mich leider wegen den ganzen Touristen ab – zum Glück war ich vor 20 Jahren schonmal dort.

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