Der lange Weg zum Selbstportrait

Erinnert ihr euch an unser Triumphfoto vom Mont St. Michel?
Blauer Himmel mit Schäfchenwolken, Sonnenschein, wir mit gepackten Rädern perfekt vor dem Mont St. Michel posierend.

Mont St. Michel

Dieses Foto war das Ergebnis einer ganzen Reihe vergeblicher Versuche. Für die Blogparade von Yummy Travel habe ich die Entstehungsgeschichte mal nachgezeichnet. Jessicas Idee für diese Blogparade ist simpel: Einfach einmal zu zeigen, dass die tollen Fotos auf den Reiseblogs ein Ausschnitt eines großen Ganzen sind.
Ja, auf Reiseblogs sieht man vor allem tolle Bilder von glücklichen Menschen. Was man nicht sieht sind die vielen „Outtakes“. Tausend verschiedenen Einstellungen um eine besonders knifflige Belichtungssituation festzuhalten. 20 Versuche, um ein Motiv endlich so aufs Bild zu bannen, wie man das möchte.
Und all die Bilder von schlecht gelauten, verschwitzten oder müden Menschen – all die Seiten, die auch zum Reisen dazu gehören.

Zu allererst: Wir WOLLTEN unbedingt ein „Triumphfoto“ von uns vor dem Mont St. Michel. Von unserer ersten (geglückten!) Radtour entlang der Mosel gab es auch ein tolles Bild von uns beiden am Deutschen Eck in Koblenz. Soetwas schwebte uns nun auch von der Erfüllung unseres großen Reisetraumes vor. Nur natürlich noch viel toller und spektakulärer.

Der erste Blick auf den Mont St. Michel war schon großartig. Wir hatten ja gerade knapp 700km auf dem Fahrrad hinter uns gebracht und sahen das Ziel unserer Reise direkt vor uns. Also überlegten wir natürlich, ob wir gleich hier und jetzt ein Bild von uns mit dem Mont St. Michel schießen sollten.
Sabine posierte schon mal – aber der Klosterberg im Hintergrund war einfach noch viel zu klein. Es half nichts. Wir mussten das Bild machen, wenn wir näher dran waren.

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Den nächsten Versuch starteten wir direkt am Besucherzentrum des Mont St. Michel, auf dem Festland dem Felsen gleich gegenüber. Wir postierten die Kamera auf einem kleinen Erdwall, stellten den Selbstauslöser ein – und heraus kam folgendes große Wiesenstück, weil der Wind meine Kamera hintenüber ins Gras wehte. Nicht darauf zu sehen ist, wie ich mich vor Lachen bog und Sabine panisch schrie: „WARUM LACHST DU DA? DEINE KAMERA IST GERADE RUNTERGEFALLEN!“ (im Gegensatz zu ihr wusste ich aber, dass es hinter dem Erdwall gut mit Gras gepolstert war)

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Ein Mann beobachtete unsere vergeblichen Versuche, uns selbst vor dem Mont St. Michel abzulichten und fragte, ob er uns helfen könne. Ich drückte ihm die Kamera in die Hand und er machte ein Foto.
Ja, da war alles drauf: Wir, die Räder, der Mont St. Michel. Aber triumphal war das Bild nicht wirklich. Naja, besser als nix… Aber eigentlich hatten wir uns das anders vorgestellt.

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Unsere Räder nahmen wir nicht mit auf die Insel. Das lag vor allem an einem Missverständnis zwischen uns und der Dame im Besucherzentrum. Wir fragten, ob wir die Räder mitnehmen könnten. Sie antwortete: „Leider nur bis zur Brücke“. Wir fragte noch mal: „Wir können sie also nicht mit rüber auf die Insel nehmen?“ – nein, das sei leider nicht möglich.
Wie enttäuschend. Die letzten zwei Kilometer mussten wir also ohne Fahrräder zurücklegen. Wir packten unser Gepäck für eine Nacht um, schlossen unsere Räder ein und fuhren mit dem Busshuttle über die Brücke auf die Insel. DAS hatten wir uns aber wahrlich auch anders vorgestellt!
Aus dem Bus heraus sahen wir, dass über die Brücke ein Fuß- und Radweg führte und dort natürlich auch Fahrräder fuhren. Na toll… die Dame hatte nicht „bis zur Brücke“ sondern „bis über die Brücke“ gemeint. Und auf die Insel konnte man die Räder zwar mitnehmen, aber nicht mit ins Dorf selbst – da es dort viel zu eng und zu voll war für zwei vollbepackte Fahrräder. Wenn wir das gewusst hätten…
Nun waren wir aber schon mal da und wollten uns – doch noch etwas näher am Kloster – fotografieren lassen.

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Naja… der Himmel ist grau, wir sind völlig zerzaust und die Fahrräder, unsere Fortbewegungsmittel der letzten Wochen, waren nicht auf dem Bild. Morgen würden wir mit den Fahrrädern rüberfahren zum Mont St. Michel, nur, um dieses verdammte Bild noch einmal zu machen.

Und das taten wir.

Am nächsten Tag hatte das Wetter umgeschlagen. Die Hitzewelle, die fast den gesamten Sommer 2015 über anhalten sollte, hatte uns an genau diesem Tag erreicht. Die Sonne schien, der Himmel war blau, Schäfchenwolten zogen darüber hin. Nach einer Besichtigung verließen wir die Insel, fuhren mit dem Shuttle zurück, holten das in Schließfächern eingeschlossene Gepäck und unsere Fahrräder und radelten wieder über die Brücke zurück.
Dort angekommen sprach ich den nächstbesten Menschen mit DSLR um den Hals an und bat ihn, ein Foto von uns zu machen.
Und da war es nun: Das perfekte Triumphfoto! Der würdige fotografische Abschluss unserer Reise!

Mont St. Michel


Übrigens versuchten wir auch dieses Jahr, bei unserer Ostsee-Radtour, ein triumphales Selbstportrait zu schießen. Allerdings passte weder das Wetter noch der Ausblick dafür – aber das folgende passiert, wenn man den Selbstauslöser versehentlich auf 2 Sekunden statt auf 10 Sekunden stellt.

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5 Gedanken zu “Der lange Weg zum Selbstportrait

  1. HIhi, die Dokumentation von Triumph ist eben nicht so einfach. Das haben sicher auch die Römer erlebt. Ich stelle mir da weggewehte Lorbeerkränze, eingestürzte Triumphbögen, entkommene, hungrige Löwen, renitente Senatoren und, und …. vor 🙂

  2. hahaha oh wie gut ich das kenne. wir versuchen auf unseren reisen auch immer wieder bilder von uns festzuhalten, was mal besser, mal schlechter gelingt. bilder wie das letzte kenn ich auch zu gut – auch, dass man jemanden bittet, ein bild zu machen und das dann irgendwie relativ schrecklich aussieht. aber es gibt auch die positiven beispiele. das bild vorm grand canyon liebe ich zum beispiel, das hat auch einfach irgendein ami gemacht. oder das in yosemite, wo meine cam fast dran geglaubt hat, weil sie beinah vom felsen gerutscht wäre 😀

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