Ballonfahrt am Nil: Der perfekte Start ins neue Jahr

In meinem Rückblicks- und Ausblicks-Artikel habe ich bereits erwähnt, dass eine Reise für 2018 noch ausstand: Eine Fahrt an den Nil. Obwohl ich im Allgemeinen kein großer Fan der Kreuzfahrt-Idee bin, stand eine Nilkreuzfahrt seit langem auf meiner Wunschliste. Und diesen Wunsch habe ich mir jetzt erfüllt.
Auch wenn sich einige meiner Vorurteile über Flusskreuzfahrten erfüllt haben (dazu irgendwann noch mehr), so habe ich die Woche doch sehr genossen. Silvester auf dem Nil – das hat schon was!
Genau genommen startete das neue Jahr in Luxor. Silvester feiere ich schon seit Jahren nicht mehr, sondern lege den Fokus auf Neujahr. So auch dieses Jahr, das mit einer Heißluftballonfahrt am Nil begann.

In Luxor und Theben West

Wir waren zwei Tage zuvor in Luxor angekommen und hatten unsere Kabinen bezogen. An Silvester besuchten wir den Karnak und den Luxor Tempel und ich deckte mich auf Empfehlung einer Freundin in einer wunderbaren ägyptologischen Buchhandlung („Aboudi Bookstore“ gegenüber des Luxor Tempels) mit Lesestoff ein.
Für den ersten Januar war ein Ausflug zum Totentempel der Hatschepsut und ins Tal der Könige geplant. Das alleine wäre schon ein würdiger Start ins Neue Jahr gewesen. Aber es gab die Möglichkeit eines fakultativen Ausflugs: Einer Ballonfahrt auf der westlichen Flussseite, bei Theben West, unweit des Hatschepsut-Tempels.

Blick auf den Hatschepsut-Tempel. Hinter den Bergen liegt das Tal der Könige

Nachdem ich vor einem Jahr im Kaiserwinkl auf den Geschmack des Ballonfahrens gekommen bin und den für deutsche Verhältnisse sehr günstigen Preis erfahren habe, war mir klar, dass ich eine Ballonfahrt machen wollte. Ich wundere mich immer noch, dass niemand sonst aus der Gruppe dazu Lust hatte.

Ballonfahrt am Nil 

So war ich die Einzige, die sich um 5 Uhr früh aus dem Bett quälte, am Schiff abgeholt und über den Fluss gesetzt wurde, um am Westufer zu den Ballons gebracht zu werden. Den Sonnenaufgang konnten wir leider nicht im Ballon erleben, aber immerhin mit einem Blick auf Luxor. Und ich muss sagen: Der erste Sonnenaufgang des Jahres konnte sich wirklich sehen lassen!

Das Fotografieren mit Fotokameras war auf dem Abfahrtsgelände leider verboten. Zwar erschloss sich mir die Logik nicht, warum das Fotografieren mit Handys dennoch erlaubt war, aber ich wollte Probleme vermeiden und ließ meine große Kamera in der Tasche, bis wir im Korb waren.
Während der Fahrt scherte sich dann allerdings niemand darum und so konnte ich ganz ungeniert die Aussicht fotografisch festhalten.

Die Fahrt dauerte insgesamt etwa 40min, war also eher kurz. Dennoch war es ein Erlebnis den Hatschepsut-Tempel aus der Luft zu sehen.
Besonders eindrucksvoll fand ich, wie deutlich aus der Luft zu erkennen war, welch Wunder der Nil und seine fruchtbaren Ufer in dieser Wüstenlandschaft doch waren. Eine klare Grenze trennte das fruchtbare vom unfruchtbaren Land. Es ist keine Überraschung, dass dieser Fluss in der Lebens- und Glaubenswelt der Menschen Ägyptens seit jeher eine solch große Rolle spielte.


Sicherheitslage in Ägypten

Ich bin am 28.12.18 in Kairo gelandet und zu meinem Hotel gebracht worden. Während des Abendessens in der Hotelbar sah ich auf einem Fernseher, dass wohl etwas vorgefallen war. Ich verstand allerdings nicht, was. Da ich im Hotel wlan hatte, schaute ich im Internet nach und war ziemlich geschockt, als ich las, dass in Gizeh ein Anschlag auf einen Touristenbus stattgefunden hatte. Gizeh stand für den nächsten Tag auf dem Programm. Mein erster Gedanke war „hoffentlich schaut meine Mutter keine Nachrichten!“. Diese Hoffnung war natürlich vergebens; ein paar Minuten später erhielt ich von ihr eine SMS. Der beruhigende Ton der SMS, die ich zurückschickte, entsprach nicht unbedingt meinen Gefühlen.
Ich gehöre nicht zu denjenigen, die Angst vor Anschlägen haben. Ich weiß natürlich, dass sie passieren können und lese auch die Sicherheitshinweise immer sehr genau, bevor ich mich für oder gegen ein Reiseziel entscheide. Wenn Freunde und Bekannte mich fragen, ob ich keine Angst hätte, dorthin zu fahren, kann ich wahrheitsgemäß mit „Nein“ antworten. Aber in dieser Nacht habe ich ziemlich schlecht geschlafen.

Ich versuchte, die aufkeimende Panik mit Rationalität zu bekämpfen: ich war jetzt immerhin weiter vom Ort des Geschehens entfernt, als damals beim Amoklauf in München. Statistisch gesehen hatte ich den gefährlichsten Teil der Reise mit der Taxifahrt durch Kairo bereits hinter mich gebracht. Und überhaupt war es sehr unwahrscheinlich, dass direkt nach einem Anschlag ein weiterer stattfinden würde. Zudem würden die Sicherheitsvorkehrungen sicher verschärft werden.

Meine rationalen Affirmationen wirkten offenbar, denn auch wenn ich am nächsten Morgen unausgeschlafen, mit Kopfschmerzen und Verspannungen erwachte, so war von meiner psychischen Anspannung des Vorabends nichts mehr übrig. Und sie kehrte während des ganzen Urlaubs nicht mehr zurück, auch wenn die Sicherheitslage natürlich auch Gesprächsthema unter uns Reisenden war und man sich immer bewusst war, dass etwas passieren kann.

Als ich am nächsten Tag im Bus saß und zum Hotel zurückgebracht wurde von den Ausflugen zu den Pyramiden von Gizeh und Sakkara, war auch mein Trotz zurückgekehrt. Denn, wie ich später sagte: Trotz ist auch eine Coping-Strategie. Und ich dachte mir nur: F*ckt euch, ihr sch… Terroristen. Von euch lasse ich mir meine Freude am Reisen nicht nehmen und auch nicht die Überzeugung, dass die meisten Menschen einfach nur in Frieden miteinander leben möchten. Die meisten Ägypter leiden schon allein wirtschaftlich massiv unter dem Einbruch des Tourismus aufgrund der Anschläge – ganz zu schweigen davon, dass die meisten Anschläge sich gegen Einheimische und nicht etwa gegen Touristen richten (Zahlen dazu gibt es hier). Noch im Bus schrieb ich einen Text, den ich im Hotel mit einem Bild von mir in Gizeh auf Facebook postete. Es war mir einfach ein Anliegen.

Yesterday I arrived in Cairo. When I had dinner in the hotel’s bar, I saw on the news that something had happened. But it was in arabic, so I didn’t understand it. I looked it up online and was shocked when I read that it was in Gizeh – the place I was going to visit the next day (today).
I‘ m usually not afraid of attacks, but I have to admit that I didn’t sleep well tonight.
I always knew it could happen to me, too. I always „prepare“ myself, as much as you can prepare yourself for something like that. But it’s still different when it’s as close as this.
This morning, after a long night with little sleep, I decided to brush it off. I had to. What could I do? Go home? No. I have to live my life to the fullest because it could be over in any second.
„Dear“ terrorists, I am not going to let you take away my joy of travel, I am not going to trade in my curiosity for other cultures, countries and people for the fear of them. I still believe we are all brothers and sisters and I’m convinced that most of us want the same: live in peace with each other.
I am not going to let you and your hate win. I am #stillNotAfraid

Ich füge diesen Teil an meinen ersten Ägypten-Artikel an, weil ich hier nicht so tun möchte, als sei in Ägypten alles eitel Sonnenschein. Man darf vor den Problemen des Landes, das man bereist, nicht die Augen verschließen – und mir war vor Antritt der Reise klar, dass es in Ägypten  berechtigte Sicherheitsbedenken gibt. Und ich habe mich wohlüberlegt dafür entschieden, die Reise anzutreten – und ich würde es wieder tun. Tatsächlich bin ich sehr sicher, dass ich wieder nach Ägypten reisen werde, denn das Land hat mich wirklich fasziniert.

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10 Gedanken zu “Ballonfahrt am Nil: Der perfekte Start ins neue Jahr

  1. ich muss sagen, ich bin da nicht so entspannt wie du. für mich kommt ägypten daher aktuell tatsächlich als reiseland nicht in frage, was schade ist, da ich die pyramiden von gizeh sehr gerne einmal sehen würde und mich als tauchanfänger natürlich auch das rote meer reizt. ich hoffe einfach, dass die lage irgendwann wieder entspannter wird und man mit weniger bedenken reisen kann. trotzdem verstehe ich was du meinst und ich bin froh, dass du gesund und wohlbehalten wieder zurückgekommen bist.

    • Ich kann das schon irgendwie nachvollziehen. Die Sicherheitsbedenken sind mir ja bewusst und auch bei mir im Hinterkopf da.
      Allerdings… ich kann machen, was ich will: Ich hab einfach keine Angst davor. Ich bin da tatsächlich ziemlich entspannt. (Meine Mutter weniger) Eigentlich hab ich das Gefühl, dass ich immer entspannter werde, je mehr ich reise.
      Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich dort war. Ägypten ist auf jeden Fall eine Reise wert (oder mehrere) und würde in Zukunft gerne noch einmal hinfahren.

  2. Hallo Ilona, ein spannender Reisebericht 🙂 erst die schöne Ballonfahrt und dann die beängstigende Nachricht mit den Terroristen und wie mutig du trotzdem deine Pläne durchgesetzt hast…. schön, dass du hinter Ägypten als Reiseland stehst! Ich arbeite mit einem Ägypter zusammen, er hat Jura studiert, jobbt als Webmaster, no worries at all…. er begeistert sich immer mehr für Deutschland, ich mich immer mehr für Ägypten, liebe Grüße Bettina

    • Na, ich muss sagen, mit „Mut“ direkt hatte das weniger zu tun. Wirklich eine andere Option als halt weitermachen, gab es ja nicht. Klar, ich hätte auch zum Flughafen fahren und heimfliegen können, aber wirklich realistisch wäre die Option nicht gewesen.
      Vielleicht kann er dich mal soweit begeistern, dass du auch nach Ägypten fährst. Spannend ist das Land allemal!

  3. Wow, die Bilder von der Ballonfahrt sind ja wirklich traumhaft. So was würde ich auch gerne machen. Noch dazu der erste Sonnenaufgang des Jahres – wunderschön. Da haben die anderen echt was verpasst. Ich finde die Magie der Sonnenaufgänge immer wahnsinnig inspirierend. Zu deinem zweiten Thema, das mir ehrlich gesagt etwas Gänsehaut bereitet hat: du hast dem Terror gut Stirn geboten. Allerdings gehts mir da auch so: mir wäre es vermutlich gerade zu gefährlich. dennoch: tolle Bilder, tolle Erlebnisse. Was will man mehr. LG, Biggi

    • Oh danke! 🙂 Gerade von Dir freut mich das Kompliment besonders, wo ihr doch soooo tolle Fotos macht!!
      Und ja, Sonnenauf- und -untergänge haben für mich auch immer etwas Magisches, Erhabenes. In Ägypten habe ich eine ganze Reihe sehr eindrucksvoller gesehen.

  4. Wow, was für Fotos! Ilona, das muss ja mega gewesen sein über Luxor zu schweben. Am Neujahrstag so etwas Erhabenes zu machen ist schon beeindruckend. Mir ging es damals zumindest so, als ich auf dem Ätna stand. Zwar nicht ganz oben wegen des Schnees, aber dennoch.
    Ich habe damals auch lange überlegt, ob ich nach Paris fliegen soll. Wir haben gebucht, dann war der Anschlag. Aber ich bin da auch sehr trotzig und die Statistiken in mir sagt, dass zwei Anschläge hintereinander sehr unwahrscheinlich sind. Tatsächlich haben wir uns dann sehr sicher gefühlt. Schön also, dass du den Terroristen den symbolischen Mittelfinger gezeigt hast! Lg Barbara

    • Ja, wie gesagt: Das war weniger Mut, als praktische Erwägung mit Trotz.
      und meine Überzeugung, dass wir eigentlich (fast) alle einfach in Frieden leben wollen, hat sich in Ägypten schon auch bestätigt. Noch nirgends ist mir so oft auf der Straße „Merry Christmas“ gewünscht worden (die Kopten feiern ja erst am 6. Januar). Und einen Artikel für die „Begegnungen“-Reihe hab ich auch noch geplant…

  5. Wie genial ist das denn bitteschön? Da ich früher sehr viele Bücher über das alte Ägypten und besonders Hatschepsut gelesen habe, steht solch eine Reise auch noch auf meiner Liste. Allerdings habe ich sie bisher wegen der Sicherheitsbedenken immer vor mir her geschoben. Danke auch für deine ehrlichen Worte dazu. LG Claudia

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