Sinfonie in rot und braun: Fünf Nächte im Wadi Rum, Jordanien

Seit ich im November 2014 einen Fuß auf den Erg Chebbi in Marokko gesetzt hatte, war es um mich geschehen. Seither wollte ich unbedingt wieder in die Wüste. Aber nicht – wie damals – für ein paar Stunden, für einen kurzen Abstecher. Nein, ich wollte mehrere Tage – und v.a. Nächte – in der Wüste bleiben. Ich wollte den atemberaubenden Sternenhimmel sehen, von dem man mir so viel erzählt hatte. Ich wollte einfach eintauchen in diese Leere der Wüste, diese üppige Leere, in der es zwar kein Getümmel, kein Gewusel und keine Reizüberflutung gibt, aber doch so viel unglaubliche landschaftliche Schönheit.

Im Jahr 2017 erfüllte ich mir diesen Wunsch auf einer Reise nach Jordanien. Ich unternahm mehrtägiges Kameltrekking im Wadi Rum, bei dem ich nicht nur das Kamel zu meinem neuen Lieblingstier erkor, sondern die unglaubliche Farbenpracht der Wüste in mich aufsog und mich bis heute in der Erinnerung an die Unzahl von Sternen verlieren kann.

Weiterlesen

Die Gabe Gottes: Das Kamel

Im Koran werden Gott zahlreiche Namen gegeben. Der erste ist Allah, das arabische Wort für „Gott“, die anderen sind beschreibende Bezeichnungen: der Wahrer der Sicherheit, der Kräftige, der Schöpfer, der unparteiisch Richtende …
99 sind es an der Zahl. Doch es gibt noch einen weiteren: den Hundertsten, den unaussprechbaren, der den Menschen unbekannt ist. Wohl ein Zeichen dafür, dass der Mensch das Wesen Gottes nie vollständig erkennen und begreifen kann.
Doch ein Wesen gibt es, das den Hundertsten Namen Allahs kennt: Das Kamel. Und es schweigt sich darüber nach wie vor aus. Deshalb trägt es den Kopf so stolz erhoben. Denn dieses Wissen hat es dem Menschen voraus.

Allein diese Legende zeigt, welche Bedeutung dem Kamel im arabischen Raum beigemessen wurde. Aber nicht nur dort, sondern genauso in den Wüsten Zentralasiens.
Das Kamel war der Reichtum der Nomaden, von großem Wert für das Überleben und in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen.

Weiterlesen