Geschichte und Bier in Mühlhausen: Auf Entdeckungstour in der Mitte Deutschlands

Werbung. In Kooperation mit der Welterberegion Wartburg Hainich und dem Brauhaus Zum Löwen in Mühlhausen/Thüringen. Näheres dazu am Ende des Artikels

Große, endlos scheinende Weizenfelder ziehen draußen vorbei. Ich sitze im Zug von Erfurt nach Mühlhausen. Ich wusste gar nicht, dass hier so viel Weizen angebaut wird, denke ich mir. Dann muss ich mir eingestehen, dass ich insgesamt nicht viel weiß über die Region, in der ich jetzt ein langes Wochenende verbringen werde.
Klar, im Süden, in Eisenach und auf der Wartburg, da war ich vor ein paar Jahren schon einmal. Auch von Mühlhausen hatte ich bereits gehört. Allerdings – Schande über mich – bemerkte ich, dass ich irgendwie Zeit meines Geschichtestudiums davon ausgegangen war, das Mühlhausen, das im Kontext des Bauernkrieges immer wieder genannt wird, sei das Mühlhausen im Elsass. Erhoben sich die Bauern nicht auch zuerst im Südwesten des Reiches? Das machte Sinn und wurde von mir nicht weiter hinterfragt. Nun aber fuhr ich in das echte Mühlhausen des Bauernkrieges, die Stadt, in der Thomas Müntzer versuchte, seine radikalreformatorischen Ideen durchzusetzen.
Ich war gespannt, was mich erwartete.

Touristischer Dornröschenschlaf – noch!

Als ich aus dem Bahnhof trat, sah Mühlhausen nicht aus wie das versprochene „Mittelalter pur“. Eigentlich sah es eher aus wie gelebter Post-Sozialismus. Leerstehende Häuser, die einmal prächtig waren, aber jetzt dringend eine Renovierung benötigten.

Leerstände gibt es nach wie vor in Mühlhausen.

Die Leerstände sind ein Problem, sagte auch Harald Schmidt, der als Müntzers Weggefährte Heinrich Pfeiffer verkleidet Touristen durch die Stadt führt. Während seiner Stadtführung zeigt er bewusst nicht nur die schönen Seiten Mühlhausens, sondern auch die nicht so schönen, die Probleme. Und eines dieser Probleme ist ein nicht seltenes: Der Wegzug der jungen Leute. Nennenswerte Industrie gibt es nicht in der Region, die Arbeitsplätze sind einfach woanders und so fürchtet man, das schöne Mühlhausen könnte eines Tages eine Seniorenstadt werden. Ein Schicksal das viele andere historische Städte mit Mühlhausen teilen würden, hätte man ihnen mit mit der Ansiedlung von Hochschulen unter die Arme gegriffen.

Dennoch: Man hat das Gefühl, es tut sich was, hier in Mühlhausen. „Der Tourismus ist eine echte Chance“, sagt auch Harald Schmidt. Im Jahr 1992/93 wurde das Brauerei-Hotel Zum Löwen, in dem ich absteige, gegründet. Seither wird es immer wieder erweitert, auch derzeit. Das Geschäft scheint zu laufen. Sogar die ein oder andere Gruppe steigt hier ab. Auch das Hotel, in dem ich in der zweiten Nacht blieb, das familiengeführte Rennstieg-Hotel Rettelbusch, sucht gerade per Aushang nach Mitarbeitern – aufgrund „der guten Auftragslage“.
Ja, der Tourismus scheint eine echte Chance zu sein. Auch das hat die Region mit anderen Kultur- und Naturregionen gemein. Aber noch ist die Region um den Hainich ein echter Geheimtipp – und das obwohl sich hier der geographische Mittelpunkt Deutschlands befindet.

Seit 1999 ist die Wartburg UNESCO-Weltkulturerbe. Der nördlich davon anschließende 1997 gegründete Nationalpark Hainich wurde 2011 in die Weltnaturerbe-Liste aufgenommen. Heute kümmert sich der Welterberegion Wartburg Hainich e.V. darum, die Region aus ihrem touristischen Dornröschenschlaf zu wecken.
Und das zu Recht.

Mühlhausen in Thüringen: Kleine Stadt mit großer Geschichte

Nachdem ich die Straßen um den Bahnhof verlassen und die Innenstadt von Mühlhausen erreicht habe, zeigt sich ein anderes Bild. Leerstände gibt es hier auch, aber diese Häuser werden z.T. gerade frisch herausgeputzt. Andere sind es längst… sie strahlen nach einer Renovierung wie neu. Mühlhausen hat viel alten Baubestand – Freunde von Fachwerk und mittelalterlichen Gässchen kommen hier voll auf ihre Kosten.

Von 1256 bis 1803 war Mühlhausen freie Reichsstadt, das heißt sie unterstand direkt dem Kaiser und hatte keinen anderen Herren als diesen über sich. Im Thüringer Raum war es nach Erfurt die zweitmächtigste Stadt, zu der auch große Bereiche außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes gehörten. Sechzig umliegende Dörfer gehörten zu dieser Stadt, die 1430 zusammen mit Erfurt und Nordhausen Mitglied der Hanse wurde.  Tuche und Leinen waren bevorzugte Handelsgüter . weshalb auch Waidanbau und  -verarbeitung eine große Rolle spielten – aber ebenso das Bier. Im Mittelalter gab es in der Stadt noch 17 Brauereien, deren Produkte bis an die Nord- und Ostsee verschifft wurden.
Heute gibt es im gesamten Hainich-Unstrut-Kreis nur noch eine Brauerei, die allerdings auch nicht historisch ist, sondern sich Anfang der 1990er Jahre in der ehemaligen Löwen-Apotheke ansiedelte: Das bereits genannte Brauhaus zum Löwen.

Aber nicht nur Brauereien gab es in der Stadt. Ebenso gab es zahlreiche Gerbereien. Von den etwa 50 lederverarbeitenden Manufakturen des 19. Jahrhunderts existiert allerdings nur noch eine einzige.

Kirchen in Mühlhausen

Von den ehemals 14 Kirchen haben sich dafür fast alle erhalten: Elf Kirchen gibt es nach wie vor in der Stadt. Die meisten davon prächtige gotische Gebäude. Und viele davon säkularisiert. Der Rückgang der Gläubigen zu DDR-Zeiten ließ die Frage aufkommen, wie die Gebäude weitergenutzt werden sollten. Man fand würdige Nutzungsmöglichkeiten, welche die Kirchen sicher auch für die Allgemeinheit retteten. So dient die Jakobikirche heute als Stadtbibliothek und die Marienkirche – immerhin zweitgrößte Kirche Thüringens nach dem Erfurter Dom! – beherbergt die Thomas Müntzer-Gedenkstätte so wie wechselnde Ausstellungen.

In der sogenannten Kornmarktkirche, der ehemaligen Klosterkirche der Franziskaner, befindet sich heute das Bauernkriegsmuseum. Seit 1975 wird die Kirche bereits museal genutzt. Seit einer Neukonzeption 2016 erfährt man hier viel Interessantes über die Frühreformation und den Thüringischen Bauernkrieg. Außerdem widmet sich ein Teil der Ausstellung „Luthers ungeliebte[n] Brüdern“ – anderen Reformatoren, die zum Teil weitaus radikalere Ideen hatten und deshalb von den Fürsten – und von Luther – kaum Unterstützung erhielten.

Die Divi-Blasii-Kirche am Untermarkt dient dagegen nach wie vor als Gotteshaus. Hier arbeitete der junge Johann Sebastian Bach von 1707 bis 1708 als Organist. Auch der Entwurf der heutigen Orgel geht auf ihn zurück. Eingeweiht wurde diese Orgel zwar erst 1959, doch sie gehört zu den wenigen Kirchenorgeln weltweit, bei der man Bachs Orgeldisposition umsetzte.

Die Stadtmauer

Ein absolutes Highlight von Mühlhausen ist die Stadtmauer. Um 1200 wurde sie erbaut. 2,7 Kilometer lang, mit sieben Toren und 38 Türmen umschloss sie den etwa 49 Hektar umfassenden Stadtkern von Mühlhausen. Von den Toren ist heute nur noch das Innere und Äußere Frauentor erhalten, das derzeit renoviert wird. Der Stadtmauerring mit Wehrgang selbst ist aber noch vorhanden. Auf etwa 370 m ist er museal gestaltet und kann begangen werden. Zahlreiche Türme, Rondelle und Pavillons (letztere aus späterer Zeit) haben sich erhalten. Vom Rabenturm, der sich neben dem Frauentor befindet, hat man zudem eine tolle Aussicht über die Stadt.
Den Rest der Stadtmauer kann man bei einem gemütlichen Spaziergang abgehen.

Der berühmte Mühlhauser Löwe befindet sich aber – anders als ich vermutete – nicht auf der Stadtmauer, sondern südlich der Innenstadt, bequem fußläufig zu erreichen.

Das Brauhaus zum Löwen in Mühlhausen

Für eine Nacht blieb ich direkt in Mühlhausen und übernachtete im Brauhaus zum Löwen* (Affiliatelink). Als Bierfreund, der ich bekanntlich bin, probiere ich gerne die lokalen Biere der von mir bereisten Regionen, v.a. wenn die Brauereien von einem Ankauf durch einen Großkonzern verschont blieben.
Das Brauhaus zum Löwen ist eine Gasthausbrauerei und braut v.a. für den Eigenbedarf. Lediglich am letzten Augustwochenende, zur Mühlhäuser Kirmes, der größten Stadtkirmes Deutschlands, geht das Bier „außer Haus“.

Nachdem ich den ganzen Tag bei heißem Sommerwetter durch Mühlhausen marschiert war, ließ ich den Abend gemütlich angehen. Ich saß an einem Tisch mit Blick auf die Kornmarktkirche, aß zu Abend, gönnte mir anschließend eine kleine Bierprobe und beobachtete die Leute.
Nun ist es ja immer so, dass man sich fragt, ob die Mitarbeiter eines Hauses zu mir, als Bloggerin, besonders freundlich sind, weil sie hoffen, dass ihr Haus lobend erwähnt wird. Während ich an diesem lauen Sommerabend hier saß und die guten Biere durchprobierte, hatte ich genug Muße, zu beobachten, wie sie mit anderen Gästen umgingen. Und es freute mich, festzustellen, dass sie jeden einzelnen Gast mit der selben Freundlichkeit bedienten wie mich.

Und – wie schon gesagt – auch das Bier war überraschend gut. Überraschend? Ja, überraschend. Als Bamberger (man nennt uns nicht umsonst wenig schmeichelhaft, aber treffend „Bier-Nazis“) gehe ich fast schon automatisch davon aus, dass das Bier woanders nicht so gut sein kann, wie zu Hause. Für gewöhnlich tut man gut daran, Industriebiere zu meiden und zu den Produkten handwerklich arbeitender Brauereien zu greifen. Dennoch gehe ich meist mit der Überzeugung nach Hause, dass daheim halt doch alles besser schmeckt.
In Mühlhausen wurde ich positiv überrascht. Denn das Bier kann sich wirklich sehen  (bzw. schmecken) lassen. Ich probierte sowohl das Pils, als auch das „Apotheker Dunkel“ (eine Hommage an die Vornutzung der Lokalität als Apotheke) und zum Schluss das Brombeerbier. Bei Letzterem war ich ja wirklich kritisch, musste dann aber feststellen, dass es sich dabei um ein wirklich süffiges Sommergetränk handelte, von dem ich mir dann doch gleich einen Liter mit nach Hause nahm.

Wer also wie ich gute Küche und v.a. gutes Bier zu schätzen weiß, kann im Brauhaus Zum Löwen nichts falsch machen.
Auch zum Übernachten kann ich das Hotel wirklich empfehlen. Ich schlief in der „Villa“, einem Nebengebäude. Das Zimmer war hell und sauber und das Frühstück wirklich gut, so dass ich meinen zweiten Tag in der Welterberegion Wartburg Hainich gut gestärkt beginnen konnte. Denn es galt noch viel zu entdecken!

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Etwa alle 30 Min kann man mit dem Zug von Erfurt nach Mühlhausen fahren. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde.
Erfurt liegt an der ICE-Strecke München-Stuttgart-Frankfurt-Leipzig-Berlin.
Sowie an der Strecke München-Nürnberg-Leipzig-Berlin und München-Nürnberg-Halle-Berlin-Hamburg.


Lesetipps:


Transparenzhinweis:

Für Samstag und Sonntag wurde ich vom Welterberegion Wartburg Hainich e.V. zu einer Pressereise eingeladen. Darüber wird es demnächst noch weitere Artikel geben – denn es gibt noch so einiges zu berichten.
Da ich die Anfahrt nicht nur für eine Übernachtung auf mich nehmen wollte, beschloss ich, privat eine Nacht in Mühlhausen dranzuhängen. Die Stadt kannte ich noch nicht, also gab es etwas Neues zu entdecken.
Als Bierfreundin war mir schnell klar, dass nur das Brauhaus zum Löwen in Frage kam und ich hatte bereits ein Zimmer gebucht, als das Hotel an mich herantrat und mich auf diese Übernachtung, ein Abendessen und die Biere einlud.
Auch der Stadtführer Harald Schmidt ließ mich am nächsten Tag spontan an einer seiner Stadtführungen teilnehmen.

Die wiedergegebene Meinung ist und bleibt aber die meine. Denn glaubt mir, wenn es eines gibt, wo meine Meinung bestimmt nicht käuflich ist, dann ist es das Thema Bier 😉

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