Leichte Wanderung in Kleinhelfendorf: auf St. Emmerams Spuren

Der hl. Emmeram starb um Christi Willen zu Helfendorf den Martertod am 22. September 652.
Seine Mörder banden ihn auf eine Leiter und schnitten ihm alle Glieder von seinem Leibe, warfen selbe in ein nahestehendes Gesträuch, welche aber nachher zwei weiß gekleidete Reiter vom Landvolke zu denselben geführt mit Verehrung sammelten und mit sich nahmen. wohin? Das wird Gott wissen.Inschrift auf dem Bildstock in Kleinhelfendorf

An der alten Römerstraße Via Iulia, die von Augsburg nach Salzburg führte, lag Isinisca, das heutige Kleinhelfendorf. Hier wurde, der Legende nach im Jahr 652, n. Chr. St. Emmeram von Regensburg gefangen genommen und gefoltert. Heute befindet sich in dem kleinen Ort mit den 135 Einwohnern ein ganzes Gebäudeensemble, das an das Martyrium des Heiligen erinnert.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihen „Heilige Orte“ und „Heilige Quellen um München

Mehr über barocke Wallfahrten gibt es hier

Bei einer leichten Wanderung durch Wälder und über Felder zwischen Helfendorf und Aying habe ich den kleinen Wallfahrtsort besucht und den Tag gemütlich mit einem Bier in Aying ausklingen lassen.

St. Emmeram Kleinhelfendorf

Von Großhelfendorf nach Kleinhelfendorf: Blick auf die Kirchen zu Ehren des St. Emmeram

St. Emmeram von Regensburg

Emmeram war wohl ein Mönch aus Luxeuil im fränkischen Reich und Bischof von Poitier. Als Wanderbischof brach er auf in den Osten, um die heidnischen Awaren (im Bereich des heutigen Ungarn) zu missionieren.

Auf dem Weg dorthin wurde St. Emmeram vom bairischen Herzog Theodo I. aus dem Haus der Agilolfinger gebeten, am Herzoghof zu bleiben. Etwa drei Jahre lang hielt er sich am Regensburger Hof auf, widmete sich der Festigung des Christentums in Regensburg und dem Umland und unterhielt zu den Mitgliedern der herzoglichen Familie ein gutes und enges Verhältnis.

Das Martyrium des Heiligen Emmeram in Kleinhelfendorf

Um 652, so die Legende, plante St. Emmeram eine Pilgerreise nach Rom. Historiker datieren die folgenden Vorkommnisse irgendwann in den Zeitraum zwischen 680 und 700. Die Datierung ins Jahr 652 hat sich dennoch im Volksglauben bis heute gehalten.
Kurz vor seinem Aufbruch, vertraute sich ihm die Herzogstochter Uta an, dass sie ein heimliches Verhältnis unterhielt und ein uneheliches Kind erwartete.
Um sie zu schützen, schlug er ihr vor, nach seinem Aufbruch ihn als den Vater ihres Kindes anzugeben.
Er machte sich auf den Weg und Uta gestand am Regensburger Hof ihre Schwangerschaft. Erbost brach ihr Bruder Lantpert mit einigen Schergen auf, um den – wie er glaubte – flüchtigen Verführer einzuholen und zu bestrafen.
Bei Isinisca, dem heutigen Kleinhelfendorf, kreuzten sich zwei bedeutende römische Hauptstraßen. Hier, an einer Quelle rastend, ergriffen ihn die Regensburger und Lantpert befahl ihn zu martern.

Marterkapelle Kleinhelfendorf

Das Martyrium des Hl. Emmeram, dargestellt in der Marterkapelle in Kleinhelfendorf

Man band ihn auf eine Leiter und schnitt ihm sämtliche Glieder, die Nase und die Zunge ab, stach ihm die Augen aus und warfen seine Glieder ins Gestrüpp. Anschließend wurde er enthauptet.
Ausnahmsweise scheinen die mittelalterlichen Heiligenlegenden im Falle des St. Emmeram die Grausamkeit nicht übertrieben zu haben: Bei Untersuchungen des Leichnams, der in Regenburg beigesetzt wurde, zeigte sich, dass er  Spuren von schwerer Misshandlung aufwies: „Sämtliche Hand- und Fußknochen fehlten. Die Unterarmknochen zeigten jedoch Spuren von Schlägen mit scharfkantigen Gegenständen. Auch das Nasenbein war verletzt. Auf das Herausziehen und Herausschneiden der Zunge wiesen die dabei oft auftretenden Verletzungen des Vordergebisses und des Unterkieferastes hin.“ (Quelle). Nur für die Enthauptung gibt es offenbar keine Hinweise.

Wunder nach Emmerams Tod: Sämtliche Topoi der Hagiographie

St. Emmerams Legende ist an dieser Stelle aber nicht zu Ende, sondern jetzt erst häufen sich die Wunder. Sämtliche Topoi der Hagiographie werden in der Lebensbeschreibung, die Arbeo von Freising etwa 100 Jahre später niederschriebt, aufgefahren, um die Heiligkeit des Regensburger Bischofs zu beweisen.
Von seinem Leib ging ein Leuchten aus. Seine Reisebegleiter fanden ihn – trotz seiner Verstümmelungen – noch lebend und versuchten, ihn in die Herzogburg bei Aschheim zu bringen. Er starb jedoch in Feldkirchen, kurz vor Aschheim, wohin ihn ein ungeführtes Ochsengespann gebracht haben soll. In Aschheim wurde er begraben, nachdem am Herzoghof in Regensburg seine Unschuld bekannt geworden war. Nach seinem Begräbnis begann es zu regnen und es regnete 40 Tage lang, so dass das bis dahin unfruchtbare Land fruchtbar wurde und die Wasserfluten so anschwollen, dass man Emmerams Leichnam bei Oberföhring einschiffen konnte.
Das Schiff fuhr wiederum von allein die Isar hinab und schließlich stromaufwärts (!) auf der Donau bis nach Regensburg, wo er beigesetzt wurde, an Stelle der später gegründeten Fürstabtei St. Emmeram.
In Wirklichkeit erfolgte die Translation seiner Gebeine wohl erst um 800.

Grab des Heiligen Emmeram in Regensburg. – Quelle: Wikicommons. Lizenz: CC0 1.0

Jede dieser wundertätigen Begebenheiten für sich ist ein Stereotyp, das in Heiligen-  bzw. Wallfahrtslegenden Gang und Gäbe ist, um die Heiligkeit der Personen oder eines bestimmten Ortes zu betonen. Dass sie sich in der Vita des St. Emmeram so häufen, zeigt die Bedeutung dieses Heiligen, der sich zu einem der wichtigsten Heiligen Bayerns und des Reiches entwickeln sollte.

Wer mehr über die anderen Orte, die mit dem Martyrium des heiligen Emmeram verknüpft sind, erfahren möchte, findet hier mehr dazu.

Warum wurde St. Emmeram ermordet?

Weshalb wurde St. Emmeram denn nun wirklich ermordet?
In der Marterkapelle von Kleinhelfendorf wird eine Verbindung zum Heiligen Johannes Nepomuk hergestellt, der – der Legende nach – ebenfalls aufgrund des Beichtgeheimnisses ermordet worden war. In Wirklichkeit geht man davon aus, dass Johannes Nepomuk einer Intrige am böhmischen Hof zum Opfer fiel.
Genauso geht man heute davon aus, dass auch St. Emmeram Opfer einer Intrige am Regenburger Herzoghof wurde.

Wiederholt wurde hinter dem Martertod Emmerams ein politischer Mord gesehen. Die eindeutig fränkische Tendenz der bayerischen Christianisierung könnte dem Franken Emmeram in Zeiten zunehmender bayerischer Eigenständigkeit zum Verhängnis geworden sein. Die Bluttat würde demnach in der Angst des bayerischen Herzogtums vor fränkischer Vorherrschaft begründet liegen. Die vorläufige Bestattung Emmerams im herzoglichen Aschheim, die wenig später von Theodo angeordnete Translation nach Regensburg und die von Arbeo geschilderte Verbannung Lantperts lassen den Mord allerdings eher als Tat einer antifränkischen Hofpartei um den Herzogssohn erscheinen. Homepage des Erzbistums München-Freising

Kleinhelfendorf: Die Kirchen zu Ehren des St. Emmeram

Die Marterkapelle

Die Marterkapelle steht direkt an Stelle, an der St. Emmeram gefoltert worden sein soll. Mitten in der Kapelle liegt ein großer Findling, auf dem mit fast lebensgroßen Figuren das Martyrium des Heiligen dargestellt ist.
Auf diesem Stein soll die Folterung auch stattgefunden haben. Früher sagte man Kräutern, die auf diesem Stein getrocknet wurden, besondere Heilkräfte zu.

Es gab auf jeden Fall einen Vorgängerbau, denn im Jahr 1738 wird – wie bei so vielen kleinen Wallfahrtskapellen in dieser Zeit – berichtet, das Kirchlein sei baufällig und außerdem zu klein. Über den Vorgängerbau habe ich allerdings keine Informationen in der mir vorliegenden Literatur finden können. Ob schon relativ kurz nach dem Martyrium St. Emmerams die Verehrung an dieser Stelle einsetzte? Es wäre durchaus möglich.

Die alte Kapelle, die auf einem Votivbild in der Marterkapelle dargestellt ist, wurde 1740 abgebrochen. Die Weihe der neuen Kirche erfolgte am 16. September 1752 – man hatte schließlich mit Hochdruck daran gearbeitet, sie noch vor der 1100-Jahr-Feier des Todes des Heiligem Emmeram (am 22. September 1752) fertigzustellen.

Eine Prozession zieht von der Pfarrkirche St. Emmeram zur Marterkapelle. Darstellung auf einem Votivbild in der Marterkapelle Kleinhelfendorf

Interessant ist die Darstellung der Schergen, die Emmeram foltern: Bei der Figurengruppe auf dem Marterstein tragen sie die Uniformen der Panduren – der Soldaten, die das kaiserliche Grenzgebiet gegen die Osmanen verteidigten (meist Kroaten, Ungarn, Rumänen und Serben). Auf dem Altargemälde bediente man sich der bekannten Bildsprache aus frühchristlichen Märtyrerlegenden: Die Schergen, besonders Lantpert, sind hier als römische Soldaten dargestellt.

Der Bildstock

Direkt bei der Marterkapelle befindet sich ein Bildstock. Er soll an der Stelle errichtet worden sein, an dem die Gliedmaßen des Heiligen in die Büsche geworfen worden waren. Der Bildstock enthält eine Tafel, auf der mit einer Inschrift (siehe Zitat am Anfang des Artikels) und einem Bild auf das Martyrium des Heiligen Emmeram verwiesen wird. Das Bild ist heute leider in recht schlechtem Zustand.
Der ursprüngliche Kapellenbildstock, die damals schon die Bildtafel enthielt, wurde während der Säkularisation abgebrochen, die Tafel vom Wirt Anton Messerer bewahrt. 1823 wurde der Bildstock dann wieder hergestellt.

Die Brunnenkapelle

Die Brunnenkapelle befindet sich direkt neben der Pfarrkirche St. Emmeram.
Dies ist der Legende nach die Quelle, an der der Heilige gerastet haben soll, als ihn Lantpert und seine Leute aufgriffen.
Das Wasser galt als heilkräftig. Wie fast immer bei heiligen Quellen an Wallfahrtsorten wurde es bei Augenleiden eingesetzt, aber auch bei Fieber.

Die Brunnenkapelle ist eigentlich ein Brunnenhaus. Man hat das kleine Gebäude direkt über dem Wasseraustritt errichtet, so dass die Kapelle nicht betreten werden kann, da der ganze Boden bedeckt ist.
Das Wasser ist heute nicht mehr genießbar, sondern voller Wasserlinsen und obendrein offenbar eine Mückenbrutstätte.

Eine Inschrift über dem Brunnenhaus sagt, dass diese Quelle niemals versiegt und auch im kältesten Winter niemals einfriert.

Routenvorschlag für eine leichte Wanderung

Diese leichte Wanderung bei München – egal, wo man sie beginnt und wie man die Route legt – ist eine Feld-, Wald- und Wiesenwanderung ohne nennenswerte Steigungen. Man geht sehr gemütlich über Wald- und Feldwege dahin, stückweise auch einmal über einsame Landstraßen.

Ich selbst habe die Tour bei der S-Bahn-Station Großhelfendorf begonnen, ging über Kleinhelfendorf und dort beim Friedhof unter den Strommasten hindurch durch den Wald Richtung Aying. Die reine Strecke beträgt hier etwa 6 km. Ich machte kurz vor Aying noch einen Schlenker durch den Wald und kam so auf etwa 9 km Strecke.

Die Tour kann man beliebig verlänger und variieren. Man kann z.B. von der S-Bahn-Station Kreuzstraße starten und bis Aying gehen. Man kann aber ebenso von Kleinhelfendorf mit einem Abstecher nach Osten eine größere Runde durch den Wald machen. Oder man geht von Kleinhelfendorf nach Süden, Richtung Mangfall, und nimmt von Westerham den Zug zurück.

Radler können über die Via Julia radeln, einem Radweg, der grob der Route der alten Römerstraße folgt.

Einkehrmöglichkeiten unterwegs

Es gibt zwei populäre Einkehrmöglichkeiten auf dieser Strecke. Je nachdem, wo man seine Tour beginnt und wie lange man unterwegs ist, kann man schon in Kleinhelfendorf selbst einkehren: Gleich gegenüber der Pfarrkirche St. Emmeram befindet sich das Gasthaus Oswald (Mittwoch und Donnerstag Ruhetag. An den anderen Tagen von 11-23 Uhr geöffnet).
Da ich erst in Großhelfendorf gestartet bin, kam das natürlich für mich leider noch nicht in Frage. Dabei sah das Gasthaus sehr einladend aus.

Wer bis Aying wandert, hat dort die Möglichkeit, im Ayinger Bräustüberl einzukehren, wie ich es auch gemacht habe (täglich geöffnet. Warme Küche: 10-22 Uhr).

Man wird auf der Route also weder verhungern noch verdursten!

Anfahrt nach Kleinhelfendorf

Die Anfahrt nach Kleinhelfendorf ist von München aus mit der S-Bahn möglich.
Die S7 fährt einmal in der Stunde bis Großhelfendorf.

Zwei Mal stündlich fährt sie bis Aying, von wo aus ihr die Tour natürlich auch starten könnt.

Mehr leichte Wanderungen um München

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit dem Absenden deines Kommentars erlaubst Du mir das Speichern deines Kommentars, deines Namens, der E-Mail-Adresse (nicht öffentlich) und einer etwaig eingegebenen URL. Nähere Hinweise findest Du hier.