Städtehopping mit dem Zug: Von Fulda bis Weimar. #railtrip

Vor kurzem fragte ich in einer Reisegruppe nach Tipps für meine im Sommer geplante Tour: Ich wollte zehn Tage lang mit dem Zug einige deutsche Städte besuchen. Ein deutsches Städtehopping also, ganz ohne Auto.
Meine Frage rief einige Verblüffung hervor. Ohne Auto? Na, das stelle ich mir schwierig vor! Ein Auto wäre schon praktisch. Man verliert doch so viel Zeit, wenn man mit dem Zug fährt! Und so weiter…
Gilt Reisen mit dem Zug in Deutschland tatsächlich immer noch als Hexerei? So umständlich ist das doch gar nicht, wenn man ein bisschen auf die Verbindungen der Städte untereinander achtet.

Tatsächlich habe ich eine ähnliche Reise vor einigen Jahren bereits einmal gemacht – ein Städtehopping mit dem Zug im südlichen Mitteldeutschland: Von Fulda, über Eisenach und Erfurt nach Weimar.

Eine sehr gemütliche zehntägige Reise mit viel Kunst, Geschichte und Kultur, ohne Stau und sehr günstigen Zugverbindungen, die ich hier vorstellen möchte – mit Sehenswürdigkeiten und Hinweisen zur öffentlichen Erreichbarkeit.

Ausgangspunkt meiner Reise war der Wunsch, wieder einmal nach Weimar zu fahren, wo ich schon seit Schulzeiten nicht mehr gewesen war. Da ich aber etwas Zeit hatte, dachte ich, ich könnte Weimar doch mit Erfurt verbinden, das ich schon lange einmal besuchen wollte. Ein Blick auf die Karte zeigte mir dann, dass sich das Ganze mit einem Besuch einer Freundin in Fulda und einem Abstecher zur von mir bis dahin noch nie besichtigten Wartburg verbinden ließ. Und so war die Reiseroute geboren.


Fulda

Was gibt’s zu sehen? 

Fulda stand tatsächlich in erster Linie deshalb auf der Liste, weil ich dort eine Freundin besuchen wollte. Mich überraschte die Stadt dann mit einer schönen Altstadt mit Fachwerkhäusern, mit einem prächtigen Dom und v.a. mit der beeindruckenden vorromanischen Michaelskirche, die zwischen 818 und 822 erbaut wurde und als eine der ältesten Kirchen Deutschlands gilt. Leider war fotografieren verboten – ich habe also keine eigenen Bilder dieses spannenden Bauwerkes.

Michaelskirche Fulda – (c) Verum. Wikicommons. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Überhaupt ist Fulda gerade religionsgeschichtlich sehr interessant. Im Fuldaer Dom liegt z.B. der „Apostel der Deutschen“, Bonifatius, der erste deutsche Bischof, der v.a. dafür bekannt ist, die sogenannte „Donars-Eiche“ umgeschlagen zu haben. Eine Aktion, die man heute freilich eher zwiespältig sieht. Der Dom selbst stammt aus der Barockzeit und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Dientzenhofer errichtet.
Natürlich stand hier bereits zuvor eine Kirche, nämlich die 791-809 erbaute Ratgar-Basilika, einst die größte Basilika nördlich der Alpen. Für den Neubau musste sie allerdings weichen.

Öffentliche Verbindungen

Für eine öffentliche Anreise liegt Fulda ideal! Zentral in Deutschland, an der ICE-Strecke braucht man von Berlin, Hamburg und München jeweils etwa drei Stunden, von Stuttgart etwa zwei und von Hannover gerade einmal 1,5 Stunden, um Fulda zu erreichen.


Eisenach

Was gibt’s zu sehen? 

Eisenach steht natürlich ganz im Zeichen der berühmten Wartburg – UNESCO Weltkulturerbe seit 1999. Hier lebte u.a. die Heilige Elisabeth von Thüringen, der auch ein großer Teil der Burgführung gewidmet ist. Aber auch Martin Luther hielt sich hier ein knappes Jahr (von Mai 1521 bis März 1522) versteckt, nachdem er auf dem Reichstag in Worms mit der Reichsacht belegt worden und damit vogelfrei war. Auf der Wartburg arbeitete er als „Junger Jörg“ an seiner Bibelübersetzung.
Berühmt wurde außerdem das 1817 von deutschen Studenten organisierte Wartburgfest. In der Folge gab es weitere Wartburgfeste, bei denen gegen die reaktionäre Politik in Deutschland und für einen deutschen Nationalstaat mit eigener Verfassung demonstriert wurde.

Die Burg ist nicht original erhalten, sondern wurde im 19. Jahrhundert im historisierenden Stil wieder aufgebaut – wie so viele Burgen. Auch die berühmte Ausstattung des Sängersaales stammt aus dieser Zeit.

Nähere Informationen für euren Besuch auf der Wartburg (Eintrittspreise, Öffnungszeiten, Führungen) findet ihr hier.

Wer allerdings nur die Wartburg sieht und nicht auch durch die Stadt bummelt, tut Eisenach unrecht. Hier kann man sehr angenehm seinen Tag verbringen. So befindet sich in Eisenach auch das Lutherhaus, wo Martin Luther als Schüler von 1498 bis 1501 gewohnt haben soll, und gleich unterhalb der Wartburg die Reste des Siechenhauses der Heiligen Elisabeth von 1225, ein verwunschenes Fleckchen, auf dem ich ganz alleine war.

Öffentliche Verbindungen

Wie Fulda liegt Eisenach an der ICE-Strecke München-Stuttgart-Frankfurt-Leipzig-Berlin.
Einmal stündlich fährt von Fulda ein ICE, der 50min braucht. Obendrein fährt ebenfalls stündlich eine Regionalbahn, mit Umstieg in Bebra, die die Reisenden in 1.20 Stunden von Fulda nach Eisenach bringt.
Ich selbst habe von Fulda aus, einen Tagesausflug nach Eisenach unternommen.

Mit dem Auto würde man – laut Google maps – ca. 1 Stunde benötigen, ohne etwaige Parkplatzsuche. Zeitverlust bei Anreise mit dem Zug ist in diesem Fall also nicht vorhanden.

Lesetipps: 


Erfurt

Was gibt’s zu sehen?

Erfurt war für mich die große Überraschung des Trips. Dass es schön sein soll, habe ich natürlich schon einmal gehört, aber dass es SO schön ist, war mir dann doch nicht klar. Eine wunderschöne Altstadt mit herrlichen Einzelgebäuden. Darunter sticht natürlich die berühmte Krämerbrücke heraus – eine Brücke, die wie der Ponte Vecchio in Florenz, mit Häusern bestanden ist. Heute sind von den ehemals 62 Häusern allerdings nur noch 32 erhalten. Pittoresk ist die Brücke aber nichtsdestotrotz! Und eigentlich kann ich mir gar nicht vorstellen, wie noch mehr Häuser auf die Brücke gepasst haben sollen!

Ebenso sehenswert und bei keinem Erfurt-Besuch fehlend, ist das Ensemble aus Erfurter Dom und Severikirche, die man über eine große Freitreppe, die Domstufen oder Graden, erreicht. Aber auch sonst kann Erfurt mit allerhand beeindruckenden Kirchenbauten aufwarten: Egal ob das heute evangelische(!) Augustinerkloster, in dem Luther als Mönch eintrat, die kleine Michaeliskirche oder die Ruine der Barfüßerkirche.
Ebenso eindrucksvoll thront über der Stadt die Zitadelle Petersberg, die einzige, weitgehend erhaltene barocke Stadtfestung Mitteleuropas.

Meine ganz persönliche Entdeckung war das sehr informativ und schön aufbereitete jüdische Museum mit dem Erfurter Schatz in der Alten Synagoge. Erfurter Schatz? Nie gehört? Ich kannte ihn auch nicht und frage mich, warum er so unbekannt ist, denn er ist wirklich sehenswert.  1349 wurde er wahrscheinlich von seinem  jüdischen Besitzer während des Pogroms vergraben und erst 1998 zufällig wiederentdeckt.

Öffentliche Verbindungen

Auch Erfurt liegt an der ICE-Strecke München-Stuttgart-Frankfurt-Leipzig-Berlin.
Sowie an der Strecke München-Nürnberg-Leipzig-Berlin und München-Nürnberg-Halle-Berlin-Hamburg.
Von Fulda nach Erfurt kann man in etwa 1.17 Stunden mit dem ICE fahren, von Eisenach aus ist es eine knappe halbe Stunde.

Mit dem Auto wären es von Eisenach nach Erfurt ca. 45min, von Fulda aus etwa 1.40 Std. Mit dem Zug spart man also sogar noch Zeit!

Lesetipps:


Weimar

Was gibt’s zu sehen? 

Ob Weimar will oder nicht: Goethe und Schiller, die beiden großen deutschen Dichterfürsten, dominieren hier so ziemlich alles. Die meisten Touristen zieht es ihretwegen in die Stadt – und auch ich kam in erster Linie wegen den beiden.
Goethes Wohnhaus am Frauenplan, Schillers Wohnhaus in der Schillerstraße (das bei meinem Besuch leider gerade restauriert wurde) und Goethes Gartenhaus im Park an der Ilm sind die hauptsächlichen Touristenmagneten – und natürlich das berühmte Denkmal vor dem Nationaltheater.


Aber auch abseits davon ist Weimar ein wunderhübsches Städtchen. Allein der Park an der Ilm mit seinen vielen versteckten kleinen Kunstwerken und Denkmälern ist ein Paradies, auch der Marktplatz mit dem Rathaus ist bildschön, ebenso wie das Stadtschloss. Und Bibliophilen ist sowieso die Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek ein Begriff, deren Brand im Jahr 2004 für viele ein so großer Schock war. Heute ist sie wieder aufgebaut und erstrahlt im schönsten Glanz. Das kann natürlich nicht darüber hinwegtrösten, dass die Bestände noch lange nicht alle gerettet sind.

Öffentliche Verbindungen

Von Erfurt aus nimmt man einen Regionalzug nach Weimar, der etwa eine Viertelstunde benötigt. Mit dem Auto bräuchte man laut Google Maps etwa eine halbe Stunde – Zeitersparnis also auch hier.
In Erfurt kann man dann auch wieder in den Fernverkehr umsteigen, um von dort nach Hause zu fahren.

Lesetipps:


Wer Lust hat, mit mir anderen zu beweisen, dass Reisen mit dem Zug nicht prinzipiell höchstabenteuerliches, unbequemes Hexenwerk ist, den lade ich ein, diesen und die eigenen Beiträge mit dem Hashtag #railtrip auf Social Media zu teilen – und die Links zu eigenen Beiträgen über Zugreisen hier in die Kommentare zu posten. Ich verlinke sie dann gerne! 

Dieser Artikel war eigentlich geplant als Beitrag zur Blogparade „Die schönsten Kleinstädte in Deutschland“ von Raus ins Leben, die eben einmal nicht die großen, bekannten Metropolen unseres Landes ins Rampenlichst stellen wollte. Leider habe ich es vor meinem Urlaub nicht mehr geschafft, den Artikel fertig zu stellen. Die Auswertung der Blogparade ist dennoch sehr interessant und ihr solltet einmal vorbeischauen.

Dankenswerterweise hat Renate eine weitere Blogparade ins Leben gerufen. Nämlich „Sommer, Sonne, Städtereisen in Deutschland„. Dazu passt der Beitrag mindestens genauso gut!

 

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14 Gedanken zu “Städtehopping mit dem Zug: Von Fulda bis Weimar. #railtrip

  1. Ich habe vor Jahren mein Auto abgeschafft, da ich gerne und viel reise. Daher bin ich nun auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Zugegeben, wenn mal der Wurm drin ist, kann Bahn fahren schon nerven. Ist ein Anschluss weg, kann es gerne mal länger dauern. Wenn aber alles flutscht, finde ich es mega entspannt. Einsteigen – ankommen- gut ist.

    Mir gefällt Deine Reiseroute. Da haste Dir schöne Fleckchen rausgesucht. Ich kenne nur die Ecke rund um Eisenach ein wenig und habe nun Lust, auch den Rest zu entdecken. Danke für Deine Inspiration!

    • Oh ja… mit der Bahn hab ich auch schon das ein oder andere Abenteuer erlebt 😀 Aber im Allgemeinen ist sie dennoch zuverlässig. Ein paar Minuten rauf oder runter machen meistens ja eh nichts. Und man spart sich den Stress mit Parkplatzsuche, keinen Alkohol trinken dürfen, Stau etc.
      Ich freu mich, wenn ich Dir ein paar Inspirationen bieten konnte.
      Dieses Jahr wird es, wie gesagt, noch eine solche Tour geben. Diesmal von Quedlinburg über Goslar, Wolfenbüttel, Braunschweig bis Hannover. Freu mich schon drauf!

  2. Ich habe genau die gleichen verwunderten Reaktionen geerntet, als ich meine achtwöchige Italienreise mit Zug und Bus ankündigte! “Na du bist ja mutig“ war da noch das netteste. Jetzt im Nachhinein muss ich sagen: bis auf zwei, drei abenteuerliche Situationen ging das wunderbar! Ich finde es wirklich entspannend, mit dem Zug zu reisen. Und zwecks Zeit bestätigt sich auch bei mir: wenn ich von Graz nach Innsbruck fahr, brauch ich mit dem Auto genauso lang (bei Stau länger) wie mit dem Zug 😉

    Tolle Route übrigens! Weimar steht ja schon länger auf meiner Liste (ja, wegen Goethe), aber ich wenn es da so viele hübsche Ecken gibt, wären die natürlich auch eine Überlegung wert 🙂
    LG Barbara

    • Haha, das kann ich mir vorstellen. Das Ausland ist für viele so weit weg, dass man ohne Flieger und Auto doch gar nicht hinkommt 😉

      Wenn du schon in Weimar bist, solltest du dir auf jeden Fall auch Erfurt anschauen. so eine schöne Stadt!

  3. Mit der Bahn reisen – nein, wegen des Rollstuhls tun wir das nicht. Das würde uns denn doch zu viel Mobilität kosten (sowohl unterwegs zu den Zielen als auch vor Ort…). Das ist aber eine ganz andere Geschichte (die ich vielleicht mal aufschreiben sollte…).

    Dennoch: ich kenne alle Städte von kurzen, meist beruflichen Aufenthalten. Du hast sie wunderbar auf Appetit machenden Fotos eingefangen – und dazu für jede der Städte ein paar Tipps aufgeschrieben. Das macht Lust auf eine Deutschlandreise im Sommer!

    • Oja, das kann ich mir vorstellen, dass das mit Rollstuhl und Zug eine echte Herausforderung wäre. Aber das ist ja auch ein Spezialfall… Für viele Reisende ist der Zug dennoch eine echte Alternative, die oft übersehen wird.
      Danke Dir für deinen Kommentar. Mal schauen wie meine diesjährige Reise in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wird…

  4. Da wir eine autolose Familie waren (und das war mit 5 Kindern in den 70ern und 80ern wirklich eine Challenge), bin ich es gewohnt ohne Auto zu reisen und Reisen dementsprechend zu organisieren. Wie genau das mit dem Zugfahren in Deutschland funktioniert, weiß ich leider nicht, dafür kenne ich das Zugnetz zuwenig, aber in Österreich lässt sich auf jeden Fall ein Städte-Hopping mit der ÖBB und der Westbahn organisieren.

    • Ja, die ÖBB hab ich auch lieben und schätzen gelernt 🙂 Bin ja auch von Wien aus viel mit der Bahn unterwegs gewesen, v.a. nach Tschechien. Im Endeffekt funktioniert es in Deutschland doch sehr ähnlich, es gibt halt mehr mittelgroße Städte als in Österreich, mit einer recht guten Anbindung… der ländliche Bereich ist in beiden Fällen ja häufig schwieriger zu erreichen ohne Auto.
      Respekt… damals schon ohne Auto mit fünf Kindern! Und da soll noch mal einer sagen, mit Kinder bräuchte man unbedingt ein Auto! Meine Familie war ja eher das Gegenteil, da wurde schon viel Auto gefahren und anfangs hab ich das auch noch so gehandhabt. Bis ich nach Wien zog halt…

  5. Das ist echt ein schöner Artikel. Auf die vorgestellten Städte bin ich jetzt auch neugierig, wobei ich Weimar schon lange mal sehen möchte. Die Bilder gefallen mir auch sehr gut.
    Ich finde auch, dass man hier sehr gut mit dem Zug Reisen kann. Neulich bin ich nach Münster gefahren – einfach weil es günstige Tickets gab. Hat in meinem Umfeld auch keiner verstanden.
    LG
    Julia

    • Gerade für Literaturfans ist Weimar großartig! Unbedingt mal hinfahren! 🙂
      Und die anderen sind ja – wie gesagt – auch nicht weit weg. Kann ich nur empfehlen.

      Danke für deinen netten Kommentar.

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