Auf E.T.A. Hoffmanns Spuren durch Bamberg – ein literarischer Reisef├╝hrer

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Meine Lehr- und Marterjahre sind nun in Bamberg abgeb├╝├čt, jetzt kommen die Wander- und MeisterjahreE.T.A. Hoffmann (1813)

Diese vielzitierten Worte schrieb Hoffmann, als er Bamberg┬á im April 1813 nach knapp f├╝nf Jahren wieder verlie├č. Besonders gl├╝cklich gelaufen ist diese Bamberger Zeit tats├Ąchlich nicht: Am Theater scheiterte er und obendrein qu├Ąlte ihn eine ungl├╝ckliche Liebesgeschichte.
Trotzdem spielt das kleine, recht provinzielle Bamberg in seinen Werken immer wieder eine Rolle. Die Jahre waren f├╝r sein k├╝nstlerisches Schaffen pr├Ągend.

Und auch die Stadt Bamberg selbst schm├╝ckt sich heute mit der kurzen, gl├╝cklosen Pr├Ąsenz des romantischen Schriftstellers. E.T.A. Hoffmann ist in Bamberg quasi omnipr├Ąsent. Sogar das Bamberger Tierheim hei├čt „Berganza“ – nach Hoffmanns sprechendem Hund. Und wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, entdeckt seinen Namen und sein Konterfei an vielen Ecken. Dieser Artikel soll zu einem solchen literarischen Spaziergang einladen.

E.T.A. Hoffmann mit Kater Murr, einer seiner Romanfiguren – das Denkmal vor dem Bamberger Theater

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Die Zitate mit Seitenangaben in lateinischen Ziffern entstammen:
Grisebach, Eduard: Biographische Einleitung zu E.T.A. Hoffmanns s├Ąmtlichen Werken in f├╝nfzehn Teilen, hrsg. von Eduard Grisebach, neue Ausgabe, 1905.

Stationen von Hoffmanns Leben in Bamberg

Hoffmanns erste Wohnung

D. 1t Septbr. in Bamberg angekommenE.T.A. Hoffmann, Tagebuch 1808

In hellen Lettern auf rotem Grund prangen diese Worte heute auf der Wand des Hauses Nonnenbr├╝cke 10. Hier quartierte sich Hoffmann ein, als er in Bamberg ankam. Damals hatte dieses Haus die Adresse Zinkenw├Ârth Nr. 56.
Es ist ein sch├Ânes, gro├čes Anwesen, umgeben von einer Mauer.
Doch hier lebte Hoffmann nicht lange. Schon bald konnte er sich die Miete nicht mehr leisten, denn seine Anstellung am Bamberger Theater war schon bald nicht mehr das, was er erhofft hatte.


Das E.T.A. Hoffmann Theater in Bamberg

Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen:
Hoffmann hatte zuvor seine Stelle als preu├čischer Beamter in Warschau verloren, nachdem die Franzosen unter Napoleon dort einmarschiert waren und die dortige preu├čische Regierung aufgel├Âst hatten. Eine weitere Anstellung als Beamter in Preu├čen war nicht zu bekommen. Er wandte sich vermehrt seiner wahren Leidenschaft – der Kunst, d.h. vornehmlich der Musik – zu und da auch das nicht wirklich anlaufen wollte, versuchte er, sich mit Gelegenheitsarbeiten ├╝ber Wasser zu halten. Er hatte ein schlimmes Jahr durchzustehen, bevor er seine Anstellung in Bamberg antreten konnte.

Das Bamberger Theater tr├Ągt heute Hoffmanns Namen. Davor steht das – wie ich finde – gut gelungene Denkmal f├╝r den in Bamberg gl├╝cklosen Namensgeber

Er war in Bamberg als Musikdirektor an das erst 1802 gegr├╝ndete Theater gerufen worden. Im Jahr 1808 war das Geb├Ąude am heutigen Schillerplatz er├Âffnet worden – auch heute noch das Kernst├╝ck des Bamberger Theaters, das heute nach E.T.A. Hoffmann benannt ist. Ein Werk Hoffmanns („Das Gel├╝bde“) war auch das erste in diesem Haus gezeigte St├╝ck.
Hoffmann war allerdings schon nach kurzer Zeit nur dem Namen nach noch Musikdirektor. Seine Gage wurde gek├╝rzt und er wurde f├╝r Gelegenheitsarbeiten und Verwaltungst├Ątigkeiten eingesetzt, sp├Ąter wurde der Vertrag gek├╝ndigt.
Erst 1810 kehrte er unter einem alten Bekannten, Franz von Holbein, als „Theater-Komponist, Dekorateur und Architekt“ an das Theater zur├╝ck. Kurz: Er war M├Ądchen f├╝r alles. Zwar wirkte er durch die Bekanntschaft mit Holbein wohl auch auf die Auswahl der St├╝cke (in diesem Fall: die Auff├╝hrung von Calderon) ein, aber er malte auch Kulissen, verkaufte Abonnements oder riss – so erz├Ąhlt man – auch schon mal die Karten ab. Seine Theaterkarriere war recht gl├Ąnzend gescheitert und kam erst recht nicht mehr in Gang, als Holbein 1811 Bamberg schon wieder verlie├č und nach W├╝rzburg ging.

Blick von Hoffmanns Wohnhaus Richtung Bamberger Theater (links). Rechts die Gastst├Ątte, die noch in meiner Kindheit wie in Hoffmanns Zeiten „Theaterrose“ hie├č und das Stammlokal Hoffmanns war. Heute hei├čt das Restaurant – wenig ├╝berraschend: Hoffmanns


E.T.A. Hoffmanns Wohnhaus am Schillerplatz 

Nach der einschneidenden ├änderung in seinem Arbeitsverh├Ąltnis, verlie├č Hoffmann mit seiner Frau┬áMarianne Thekla Michaelina (genannt: Mischa) das Haus am Zinkenw├Ârth und zog einmal um den Block: Am heutigen Schillerplatz, schon damals schr├Ąg dem Theater gegen├╝ber, bezog er den zweiten Stock und das Dachst├╝bchen eines schmalen, kleinen Hauses. „In dieser beschr├Ąnkten Behausung befand er sich doch recht bequem und behaglich, und lebte mit seinen Hausleuten in stetem Frieden und guten Einverst├Ąndnisse“, so schreibt Kunz, Hoffmanns Freund aus Bamberger Tagen [zit. nach Grisebach, S. XXXVI].
Um finanziell ├╝ber die Runden zu kommen, gab Hoffmann nun privat Musik- und Gesangsunterricht in den guten H├Ąusern der Stadt, womit er sich „eine recht gem├╝tliche Existenz“ aufgebaut habe [Grisebach, S.XXXVI]. (siehe dazu unten)

ETA Hoffmann Wohnhaus in Bamberg

in diesem schmalen Haus bewohnte Hoffmann das oberste Stockwerk und das Dachst├╝bchen

Das schmale Haus am Schillerplatz 26, das „E.T.A. Hoffmann-Haus“, beherbergt heute ein Museum. Der kleine Garten ist angelegt nach dem Zaubergarten des Archivarius Lindhorst in Hoffmanns Erz├Ąhlung Der Goldne Topf*.

Eintrittspreise
2,- Euro, erm├Ą├čigt 1,- Euro

├ľffnungszeiten des Museums
01. Mai bis 01. November
Dienstag bis Sonntag, feiertags: 13:00 bis 17:00 Uhr


Die Altenburg: Dichterklause und Grab von A. F. Marcus

Die Altenburg ist eine um 1102 erstmals erw├Ąhnte H├Âhenburg, die auf dem westlichsten der sieben Bamberger H├╝gel liegt. Vom fr├╝hen 14. bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts diente sie als Residenz der Bamberger F├╝rstbisch├Âfe und verfiel nach dem Zweiten Markgrafenkrieg (1553) zusehends, bis sie 1801 von Adalbert Friedrich Marcus erworben wurde.

Die Altenburg in Bamberg

Die Altenburg in Bamberg

Adalbert Friedrich Marcus (1753 – 1816) war ein bemerkenswerter Mann: Er war Leibarzt des vorletzten Bamberger F├╝rstbischofes Franz Ludwig von Erthal und wie der sehr aufgekl├Ąrte F├╝rstbischof bem├╝hte sich auch Marcus um die medizinische Versorgung der Allgemeinheit: Erthal gr├╝ndete 1798 eines der modernsten Krankenh├Ąuser der damaligen Zeit, sein Leibarzt Marcus wurde der erste ├Ąrztliche Direktor.
Doch auch nach der S├Ąkularisation des Hochstifts 1803 k├╝mmerte sich Marcus weiter um diese Belange: Er verlegte das nicht mehr zeitgem├Ą├če Altenstift in das s├Ąkularisierte Kloster Michelsberg und gr├╝ndete in der Propstei dieses Klosters – St. Getreu – die „Kreisirrenanstalt“, die von ihm auch geleitet wurde.
1801 erwarb er – wie oben erw├Ąhnt – die Altenburg und widmete sich ihrer Erhaltung. Zu ihren F├╝├čen findet sich auch sein Grab.
Nach Marcus sind in Bamberg die Markusstra├če, die Markusbr├╝cke, der Markusplatz und das Markushaus (ehemalige Frauenklinik und heute Teil der Universit├Ąt) benannt.

Das Grab von Adalbert Friedrich Marcus zu F├╝├čen der Altenburg in Bamberg

Das Grab von Adalbert Friedrich Marcus zu F├╝├čen der Altenburg in Bamberg

Doch was hat dieser bemerkenswerte Mann nun mit E.T.A. Hoffmann zu tun?
Marcus war einer der engen Freunde aus Hoffmanns Bamberger Zeit. Da Hoffmann von der Altenburg sehr angetan war, richtete ihm Marcus eine „Dichterstube“ ein. Diese Dichterklause wurde mit Fresken von Hoffmann ausgemalt. Laut Grisebach, S. XLII zeigten die Fresken die Gefangennahme Adalberts von Babenberg und Hoffmann portraitierte sich mit seinen Bamberger Freunden unter den Rittern.
Die Fresken sind leider nicht erhalten. Die „Dichterklause“ gibt es nach wie vor, sie dient heute einem Maler als Atelier.

E.T.A. Hoffmanns "Dichterklause" auf der Altenburg

E.T.A. Hoffmanns „Dichterklause“ auf der Altenburg

├ťbrigens gibt es in Hoffmanns Die Elixiere des Teufels* eine kurze Passage, die auf Adalbert Friedrich Marcus anspielt.
W├Ąhrend so ziemlich alle Ortsbezeichnungen in diesem Roman abgek├╝rzt und somit verschleiert werden (z.B. ist immer nur vom „Kapuzinerkloster zu B.“ die Rede und es wird auch sonst kein Stadt-, Kirchen- und Klostername genannt – mit Ausnahme der Pilgerkirchen in Rom), wird explizit von St. Getreu gesprochen, wohin man einen Wahnsinnigen bringen lassen m├Âchte.

Ich beschlo├č, den fremden Mann der Irrenanstalt zu St. Getreu zu ├╝bergeben, weil ich hoffen durfte, da├č, w├Ąre Wiederherstellung m├Âglich, sie gewi├č dem Direktor jener Anstalt, einem in jede Abnormit├Ąt des menschlichen Organismus tief eindringenden, genialen Arzte, gelingen werde.Die Elixiere des Teufels: Die R├╝ckkehr ins Kloster

Der hier erw├Ąhnte geniale Arzt ist niemand anderer als Adalbert Friedrich Marcus.


Der Weinkeller Kunz: Grüner Markt 31 

Carl Friedrich Kunz, Hoffmanns Freund und Verleger vieler seiner Werke, mietete das sog. „Krackhardt-Haus“ am Gr├╝nen Markt 31 von 1808 bis 1811. Der Weinh├Ąndler hatte hier seine Wohnung im Obergeschoss, sein Gesch├Ąft darunter und im Keller ein Weinlager, in dem er sich mit Hoffmann wohl das ein oder andere Mal feucht-fr├Âhlich vergn├╝gte.

Das Krackhardtsche Haus am Gr├╝nen Markt. Hier zechte Hoffmann mit seinem Freund Kunz

So gab es wohl eine kolorierte Zeichnung Hoffmanns, die ihn und Kunz darstellte, wie sie rittlings auf einem Weinfass sitzen und „sich die Gl├Ąser direkt aus dem Fasse f├╝llend, ansto├čen wollen, aber im selben Augenblick durch einen durch die Keller├Âffnungen zuckenden Blitz erschreckt werden.“ [Grisebach, S. XLIII]

Kunz wohnte ab 1811 in der Eisgrube 14 (siehe unten).


Das Wohnhaus der Familie Mark: Lange Stra├če 13

Ein Blitz fuhr durch mein Innres, mein Atem stockte, die Pulse schlugen, krampfhaft zuckte das Herz, zerspringen wollte die Brust! ÔÇô Hin zu ihr ÔÇô hin zu ihr ÔÇô sie an mich rei├čen in toller Liebeswut! ÔÇô „Was widerstrebst du, Unselige! der Macht, die dich unaufl├Âslich an mich gekettet? Bist du nicht mein! ÔÇô mein immerdar?“ Doch besser wie damals, als ich Aurelien zum erstenmal im Schlosse des Barons erblickte, hemmte ich den Ausbruch meiner wahnsinnigen Leidenschaft.┬áDie Elixiere des Teufels: Der Wendepunkt

Wer Hoffmanns Werke liest, st├Â├čt irgendwann auf eine, dieser sehr ├Ąhnlichen, Beschreibung. Verliebte M├Ąnner sind bei Hoffmann nicht selten dem Wahnsinn nahe.
Das Vorbild f├╝r viele von Hoffmanns Frauengestalten war┬áeine Gesangsch├╝lerin aus Bamberg. Das Vorbild f├╝r die wahnsinnig liebenden M├Ąnner war er selbst.
Die Unerfüllbarkeit dieser Liebe zu seiner Schülerin brachte Hoffmann zeitweilig in eine Stimmung, in der er fürchtete, verrückt zu werden und sich mit Selbstmordgedanken trug. So wie viele seiner Figuren durch die unerfüllte Liebe wahnsinnig werden (Medardus in den Elixieren* Nathanael im Sandmann*, Anselmus im Goldenen Topf*).

Das Wohnhaus der Familie Mark in der Langen Stra├če

Das Wohnhaus der Familie Mark in der Langen Stra├če

Julia Mark – Vorbild f├╝r Hoffmanns Frauengestalten

Die Konsulswitwe Franziska Mark lie├č ihre zwei T├Âchter von dem erst seit drei Monaten in Bamberg lebenden Hoffmann unterrichten: Wilhelmine wurde Hoffmanns Klaviersch├╝lerin, die ├Ąltere, Julia, unterrichtete er erst im Gesang, dann ebenfalls im Klavierspielen. Die Familie war verwandt mit Hoffmanns Freund Adalbert Friedrich Marcus.
Als Hoffmann 1809 zum ersten Mal ins Haus Mark kam, war Julia 13 Jahre alt. Er selbst war 33 und seit sieben Jahren verheiratet.
Anfangs schien das Verh├Ąltnis mit der Familie Mark sehr angenehm gewesen zu sein und Hoffmann verbrachte viele Abende im Haus in der Langen Stra├če 13. Von der Entwicklung, die diese Geschichte nahm, und von Hoffmanns Gef├╝hlen sind wir durch seine Tagebucheintr├Ąge gut unterrichtet. Hier verschl├╝sselte er Julias Identit├Ąt, in dem er sie „K├Ąthchen“ nannte (nach Kleists „K├Ąthchen von Heilbronn“) oder einen Schmetterling zeichnete . Damit wollte er verhindern, dass seine Ehefrau Mischa, die offenbar in seinen Tageb├╝chern las, Wind von der Sache bekam.

Gedenkplakette f├╝r Julia Mark (die ├╝brigens durch eine sp├Ątere Wiederverheiratung erst zu Julia Marc wurde)

Hoffmann┬á steigerte sich in seine unerf├╝llte Liebe immer weiter hinein. Im Februar 1811 schrieb er in sein Tagebuch: „Hol der Teufel die kuriose Stimmung ÔÇô entweder schie├če ich mich tot wie einen Hund (!), oder ich werde toll.“ (zitiert nach Lewandowski).
Die Konsulin Mark erfuhr wohl von Hoffmanns Leidenschaften f├╝r ihre Tochter und bem├╝hte sich, das M├Ądchen schnellstm├Âglich unter die Haube zu bringen. Ausersehen daf├╝r war der Kaufmannssohn┬áJohann Gerhard Graepel aus Hamburg, den Julia Ende 1812 heiratete.
Allerdings nicht bevor es noch eine Szene zwischen dem Br├Ąutigam und dem eifers├╝chtigen Hoffmann gab: Bei einem Ausflug nach Pommersfelden war Graepel so betrunken, dass sich – der wohl ebenfalls nicht n├╝chterne – Hoffmann dazu hinrei├čen lie├č, ihn vor versammelter Gesellschaft lautstark als „Schweinehund“ zu beschimpfen.
Eine Szene, die ihm Hausverbot bei Familie Mark einbrachte.

Hoffmann verarbeitete seine Eifersucht in einer Szene im Berganza* (siehe auch unten): Hier berichtet der sprechende Hund, wie er dem verhassten Br├Ąutigam der C├Ącilia in der Hochzeitsnacht in die Waden bei├čt.
Auch ein Sonett, das Hoffmann eigentlich f├╝r Julia Marks 15. Geburtstag geschrieben hatte, findet sich im Berganza als Sonett auf C├Ącilia wieder.
Julia Mark – deren Ehe mit Graepel nur kurz dauerte – wurde zum Vorbild f├╝r zahlreiche Frauengestalten in Hoffmanns Werken: die erw├Ąhnte C├Ącilie im „Berganza“ ist nach ihr ebenso gestaltet, wie die Aurelie in den „Elixieren“ oder die Clara im Sandmann*

Bamberg in den Werken E.T.A. Hoffmanns

Das Apfelweib aus „Der goldne Topf“┬á

Der Goldne Topf*, ein M├Ąrchen und Hoffmanns erfolgreichstes Werk, entstand 1814, also erst nach seiner Bamberger Zeit. Angesiedelt ist die Geschichte um den Studenten Anselmus, der sich in die sch├Ânen Augen eines wundersamen Schl├Ąngleins im Holunderbusch verliebt, in Dresden. Es gibt nichts, was offensichtlich auf Bamberg hinweisen w├╝rden – aber doch wei├č man, dass zu einem Punkt ein kleines Detail in Bamberg die Inspiration geliefert hatte:

Da stand er und schaute den gro├čen sch├Ânen bronzenen T├╝rklopfer an; aber als er nun auf den letzten die Luft mit m├Ąchtigem Klange durchbebenden Schlag der Turmuhr an der Kreuzkirche den T├╝rklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blaugl├╝hender Lichtblicke zum grinsenden L├Ącheln. Ach! es war ja das ├äpfelweib vom Schwarzen Tor!Der Goldne Topf: Zweite Vigilie

Diese kurze Passage ist eine Reminiszenz an den T├╝rknauf in der Eisgrube 14, heute in Bamberg bekannt als „Apfelweibla“. Hier lebte Hoffmanns guter Freund Carl Friedrich Kunz, nachdem er vom Gr├╝nen Markt (siehe oben) weggezogen war.
Wieso das freundlich l├Ąchelnde runde Gesicht zur Fratze einer Hexe wurde, das bleibt freilich Hoffmanns Geheimnis. M├Âglicherweise hatte hier der Alkohol seine Finger im Spiel?

Das Original aus der Eisgrube. Das Konterfei des „Apfelweiblas“ findet man noch h├Ąufiger in Bamberg. Sogar als Backform kann man es erwerben

Der Goldne Topf
E.T.A. Hoffmann: Der goldne Topf. 128 Seiten, Reclam Verlag.
Preis: 3ÔéČ

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Oder im Sammelband „Fantasiest├╝cke in Callot’s Manier“ zusammen mit anderen Texten Hoffmanns, u.a. dem Berganza, f├╝r 9,80 ÔéČ bei Amazon* kaufen


Das Kapuzinerkloster zu B. aus „Die Elixiere des Teufels“

Aber nun wendest du dich um und erblickest kaum zwanzig Schritte hinter uns ein gotisches Geb├Ąude, dessen Portal reich mit Statuen verziert ist. ÔÇô Durch die dunklen Zweige der Platanen schauen dich Heiligenbilder recht mit klaren, lebendigen Augen an; es sind die frischen Freskogem├Ąlde, die auf der breiten Mauer prangen. ÔÇô Die Sonne steht glutrot auf dem Geb├╝rge, der Abendwind erhebt sich, ├╝berall Leben und Bewegung. Fl├╝sternd und rauschend gehen wunderbare Stimmen durch Baum und Geb├╝sch: als w├╝rden sie steigend und steigend zu Gesang und Orgelklang, so t├Ânt es von ferne her├╝ber. Ernste M├Ąnner, in weit gefalteten Gew├Ąndern, wandeln, den frommen Blick emporgerichtet, schweigend durch die Laubg├Ąnge des Gartens. Sind denn die Heiligenbilder lebendig worden und herabgestiegen von den hohen Simsen? ÔÇô Dich umwehen die geheimnisvollen Schauer der wunderbaren Sagen und Legenden, die dort abgebildet, dir ist, als gesch├Ąhe alles vor deinen Augen, und willig magst du daran glauben.
In dieser Stimmung liesest du die Geschichte des Medardus, und wohl magst du auch dann die sonderbaren Visionen des M├Ânchs f├╝r mehr halten als f├╝r das regellose Spiel der erhitzten Einbildungskraft.
Da du, g├╝nstiger Leser! soeben Heiligenbilder, ein Kloster und M├Ânche geschaut hast, so darf ich kaum hinzuf├╝gen, da├č es der herrliche Garten des Kapuzinerklosters in B. war, in den ich dich gef├╝hrt hatte.Die Elixiere des Teufels: Vorwort des Herausgebers
Das Kapuzinerkloster in Bamberg, um 1858.

Das Kapuzinerkloster in Bamberg, um 1858.
Quelle: Wikicommons. Lizenz: Gemeinfrei.

Hoffmann hat mit diesen Worten, mit denen er seinen Roman Die Elixiere des Teufels* beginnen l├Ąsst, eine der sch├Ânsten Beschreibungen des Bamberger Kapuzinerklosters hinterlassen.
Leider ist vom Bamberger Kapuzinerkloster nichts mehr erhalten.┬á Es wurde bereits 1804 zur Zeit der S├Ąkularisation aufgel├Âst und im 19. Jahrhundert abgerissen. Hoffmann hat es in seinen Bamberger Jahren noch besucht und es machte offenbar solchen Eindruck auf ihn, dass er den Beginn und das Ende seines 1815 erschienen Buches in diese Anlage verlegte.
An Stelle des alten Klosters wurde eine Schule errichtet. Heute befindet sich dort das Claviusgymnasium. Immerhin: Die Adresse erinnert noch an Ordensbr├╝der, die hier jahrhundertelang lebten und die Hoffmann verewigt hat: Die Schule liegt n├Ąmlich in der Kapuzinerstra├če.

An der Stelle des abgerissenen Kapuzinerklosters steht heute das Claviusgymnasium

An der Stelle des abgerissenen Kapuzinerklosters steht heute das Claviusgymnasium

Die Elixiere des Teufels
E.T.A. Hoffmann: Die Elixiere des Teufels. 376 Seiten, Reclam Verlag.
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Wo Hoffmann dem sprechenden Hund Berganza begegnete

„Auf diesem Wege begegnete E.T.A. Hoffmann dem redenden Hund Berganza“

Die Niederschrift der „Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza“ begann E.T.A. Hoffmann im Februar 1813. Wir erinnern uns: zwei Monate sp├Ąter verlie├č er Bamberg f├╝r immer.
Der „Berganza“ ist ein Dialog zwischen dem Erz├Ąhler – Hoffmanns erz├Ąhlerischem Ich – und dem Hunde Berganza, die sich im Bamberger Hain zuf├Ąllig des nachts begegnen. Hund Berganza erz├Ąhlt aus seinem Leben – genauer gesagt: Er erz├Ąhlt, was ihm zugesto├čen ist, seit die Literaturkenner nichts mehr von ihm geh├Ârt hatten. Denn Berganzas Vorbild ist der gleichnamige sprechende Hund bei Cervantes.
F├╝r eine Weile war er des Sprechens nun nicht mehr m├Ąchtig, aber magischerweise erlangte er diese Gabe genau in dieser Nacht wieder. Umso mitteilungsbed├╝rftiger ist er auch. Er berichtet nicht nur seine eigenen Erlebnisse, sondern l├Ąsst sich auch ├╝ber die Kunst aus.
Ganz nebenbei ist der „Berganza“ auch Hoffmanns Abrechnung mit Bamberg und der Bamberger Gesellschaft. Er verarbeitete hier auch die ungl├╝ckliche Liebe zu Julia Mark: dass er u.a. beschreibt, wie der verhasste Nebenbuhler in der Hochzeitsnacht vom Hund in die Wade gebissen wird, habe ich bereits oben erw├Ąhnt.
Allerdings l├Ąsst sich Hoffmann – oder nat├╝rlich eigentlich: der sprechende Hund – ├╝ber die Unsitte aus, dass es heute zum guten Ton geh├Âre, jedes Kind k├╝nstlerisch ausbilden zu lassen – selbst wenn den Kindern das Talent daf├╝r v├Âllig abgeht. Auch Hoffmann litt in seinen Bamberger Jahren mitunter darunter, dass er v├Âllig unbegabte Kinder der besseren Familien zu unterrichten hatte.

Das Hoffmann- und Berganza-Denkmal im Hain in Bamberg

Das Hoffmann- und Berganza-Denkmal im Hain in Bamberg

Auf welchem Weg Hoffmann dem Hund Berganza begegnete, ist recht einfach lokalisierbar, denn der kurze Text beginnt mit den Worten:

Bekanntlich wird man in ÔÇô y ÔÇô dicht bei dem Wirthshause erst ├╝ber den Strom gesetzt und tritt dann jenseits desselben in den Park, der sich bis zur Stadt hinzieht. Mit der Weisung des F├Ąhrmanns, mich recht auf dem breiten Wege zu halten, weil ich dann unm├Âglich fehl gehen k├Ânne, lief ich in der k├╝hlen Nacht rasch von dannen, und war schon ein paar Schritte bei dem im Mondschein hell aufschimmernden Standbilde des heiligen Nepomuk vor├╝ber, als ich mehrmals hinter einander angstvolle Seufzer aussto├čen h├Ârte. Unwillk├╝hrlich┬ástand ich still ÔÇô mich durchflog die frohe Ahnung, es k├Ânne mir wohl etwas ganz Besonderes begegnen, was in diesem ordin├Ąren hausbacknen Leben immer mein Wunsch und Gebet ist, und ich beschlo├č den Seufzenden aufzusuchen. ÔÇô Der Ton f├╝hrte mich hinter den heiligen Nepomuk in das Dickicht hinein bis zu einer Moosbank.Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza

Heute steht an diesem Weg entlang des Regnitzufers ein Denkmal, dass daran erinnert, dass Hoffmann auf diesem Weg den redenden Hund getroffen habe. Die Statue des Heiligen Nepomuk steht allerdings einige Meter weiter s├╝dlich. Ob sie versetzt wurde oder dort schon immer stand, sich also wirklich hier in ihrem Schatten Hoffmann mit dem Hund unterhalten haben will, habe ich leider nicht herausgefunden.

Die Statue des Hl. Nepomuk steht heute noch am selben Weg - allerdings etwas weiter s├╝dlich

Die Statue des Hl. Nepomuk steht heute noch am selben Weg – allerdings etwas weiter s├╝dlich

F├╝r den Hund Berganza gab es ├╝brigens auch ein reales Vorbild, nicht nur ein literarisches: Pollux, der Hund der Wirtin des Gasthauses Rose, gleich neben dem Theater gelegen, begleitete Hoffmann h├Ąufig auf seinen Spazierg├Ąngen durch den Hain.

Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza
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Bamberger Pl├Ątze in „Meister Johannes Wacht“┬á┬á

Im Fr├╝hjahr 1822 erkrankte Hoffmann, inzwischen in Berlin lebend, schwer. In der zweiten Aprilh├Ąlfte war er an F├╝├čen und H├Ąnden gel├Ąhmt. Seine letzten Werke diktierte er vom Krankenlager aus.
Der erste dieser diktierten Texte ist „Meister Johannes Wacht“, die Geschichte eines Handwerksburschen, der sich auf seiner Wanderschaft schlie├člich in Bamberg niederl├Ąsst.
Anders als bei anderen B├╝chern, die in Bamberg spielen oder von Bamberg inspiriert wurden, wird die Stadt hier explizit genannt. Es gibt keine Abk├╝rzungen wie in „Die Elixiere des Teufels“ (wo immer nur vom „Kloster in B.“ gesprochen wird) und auch keinen anderen Spielort, etwa Dresden im Goldnen Topf, bei dem nur Anregungen aus Bamberg eingeflossen sind. Nein, hier ist ganz klar von Bamberg die Rede.
Auch werden hier sehr deutlich einige ├ľrtlichkeiten in der Stadt erw├Ąhnt. So zum Beispiel bei Wachts Ankunft.

Als er n├Ąmlich nach langer Wanderung auf der R├╝ckkehr in die Heimat mit seinem Kameraden Engelbrecht durch Bamberg kam, war man dort gerade mit der Hauptreparatur des bisch├Âflichen Palastes besch├Ąftigt, und zwar sollte eben an der Seite, wo die Mauern aus der Tiefe eines engen G├Ą├čchens himmelhoch emporsteigen, ein ganz neuer Dachstuhl aus den gr├Â├čten schwersten Balken gesetzt werden.Meister Johannes Wacht

Der bisch├Âfliche Palast, von dem hier die Rede ist, ist zweifellos die Neue Residenz. Sie liegt auch, wie es beschrieben ist, so, dass „die Mauern aus der Tiefe eines engen G├Ąsschens himmelhoch emporsteigen“.

Blick auf die Neue Residenz in Bamberg

Blick auf die Neue Residenz in Bamberg (rechts)

Etwas weiter in der Geschichte, wird dann ein weiterer bekannter Platz in Bamberg genannt:

Es entstand L├Ąrm auf der Stra├če, das Volk str├Âmte den Kaulberg herab, und ganz aus der Ferne riefen Stimmen: ┬╗Mord! Mord!┬ź
Von den entsetzlichsten Ahnungen ergriffen, rannte der Meister hinab nach Jonathans Wohnung, die eben ganz am Fu├če des Kaulbergs gelegen.Meister Johannes Wacht

Es ist doch auff├Ąllig, dass Hoffmann fast 10 Jahre nach seiner hastigen Abreise noch auf seinem Sterbelager eine Erz├Ąhlung diktierte, die in Bamberg spielte. Und die vers├Âhnlichen Worte ├╝berraschen doch, wenn man wei├č, dass Hoffmanns Zeit in Bamberg nicht die beste gewesen war:

Wacht war zweifelhaft, unerachtet es ihm in dem freundlichen wohlfeilen Bamberg sehr wohl gefiel.Meister Johannes Wacht

M├Âglicherweise hat er doch, so kurz vor seinem Tod, noch seinen Frieden mit seinen Lehr- und Marterjahren in Bamberg gemacht.
Am 25. Juni 1822 stirbt Hoffmann in Berlin mit gerade einmal 46 Jahren.

In Bamberg ist er in der Zwischenzeit allerdings unsterblich geworden.

Wer m├Âchte, kann heute auf dem E.T.A. Hoffmann-Weg wandeln (hier gibt es mehr Informationen) .

Meister Johannes Wacht
Die Erz├Ąhlung „Meister Johannes Wacht“ gibt es offenbar nur im Rahmen von Werke-Ausgaben Hoffmanns oder gebraucht

wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, findet so manche Anspielung auf Hoffmann


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ETA Hoffmann Denkmal Bamberg


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Lesetipps: Literarisch durch die Welt

6 Gedanken zu “Auf E.T.A. Hoffmanns Spuren durch Bamberg – ein literarischer Reisef├╝hrer

  1. Hallo Ilona,

    solche literarischen Spazierg├Ąnge finde ich immer toll. Zum einen gibt es einem Bezugspunkte in der Stadt, zum anderen steigt dadurch das Interesse an dem Schriftsteller.

    Ich muss zugeben, dass ich bisher noch nichts von E.T.A. Hoffmann gelesen habe, auch wenn er schon lange auf meiner „Zu-lesen-Liste“ steht. Das werde ich jetzt mal ├Ąndern.

    Liebe Gr├╝├če
    Gina

  2. Das ist ja schon eine halbe Dissertation! Toller Beitrag, der mich anregt, was von ETA Hoffmann zu lesen und auch Bamberg mal auf die Liste zu nehmen.

    Ach, und Danke f├╝r das Verlinken.

    • Dann hab ich mein Ziel erreicht, wenn ich neugierig machen konnte Ôś║´ŞĆÔś║´ŞĆ Fang doch mal mit dem Goldnen Topf an, der gef├Ąllt miram besten und gibt nen guten Einstieg in Hoffmanns Stil

  3. Liebe Ilona,

    als Sprach- und Literaturwissenschaftlerin ist er mir nat├╝rlich auch des ├Âfteren ├╝ber den Weg gelaufen, der E.T.A Hoffmann! Kunstm├Ąrchen waren einer meiner Examensschwerpunkte. Deshalb freue ich mich besonders ├╝ber diese sch├Âne Anregung!
    Vielen Dank auch f├╝r die Verlinkung – dann schicken wir die Literaturfreunde mal auf den Weg! ­čÖé
    Herzliche Gr├╝├če!
    Ines-Bianca

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