In Drinks um die Welt – ein etwas anderer Reiserückblick

Vor etlichen Jahren habe ich begonnen, meine Getränke zu fotografieren. Erst nur die, bei deren Genuss ich zufällig einen besonders schönen Ausblick hatte. Nach und nach wurde daraus eine Tradition.
Natürlich fotografiere ich nicht jedes einzelne Getränk, das ich auf Reisen so konsumiere, aber ich tue es doch mit schöner Regelmäßigkeit. Seit Langem dachte ich mir schon, dass das einmal ein  Aufhänger für einen Artikel wäre.
Und da gerade erst ein Jahrzehnt zu Ende ging und dieses Jahrzehnt wahrlich mein Reise-Jahrzehnt war, kam mir die Idee, einen besonderen „10jahres-Reiserückblick“ zusammenzustellen: In Drinks um die Welt! Ein Reiserückblick in Getränken.

Die fünf Kategorien der Getränke-Fotos

Eine Sache vorneweg: Es gibt sehr unterschiedliche Drink-Fotos bei mir.

Da gibt es zum Beispiel die rein dokumentierenden – etwa dieses hier aus Bamberg 2019:

Da ging es darum, einfach festzuhalten, wie das Bier aussieht. Und es ging v.a. darum, ein Foto für die Bebilderung meines Artikels zu haben.


Dann gibt es Portraits von mir mit Getränk, wie dieses hier aus München, kurz nach meinem Umzug hierher 2015:

Solche Bilder haben wir sicher alle massenhaft. Irgendwer fotografiert immer irgendwen beim Essen oder Trinken! Die Bilder entstehen einfach aus der Laune heraus.


Dann gibt es die ganz bewussten Kompositionen, bei denen ich alles auf dem Tisch arrangiere, um dieses Bild schießen zu können. Das wäre z.B. dieses Foto aus Sorrent 2018:

Es war ehrlich gesagt schweinekalt, als die Sonne weg war. Ich konnte gar nicht mehr entspannt hier an der Marina Grande sitzen und lesen. Aber schön ist das Foto halt schon…

In diese Kategorie zählen auch die Fotos, bei denen ich versuche, die Atmosphäre eines Ortes entsprechend einzufangen. Fotos, die ein bisschen wie aus dem Reisebildband wirken (sollen). Etwa dieses hier, das ich 2016 auf Kuba aufgenommen habe.


Dann gibt es die Fotos mit einer Geschichte. Dieses z.B. das 2012 in Ceske Velenice aufgenommen wurde:

Wer es nicht weiß: Ceske Velenice ist ein Grenzbahnhof an der Grenze zwischen Tschechien und Österreich. Wie das bei Grenzbahnhöfen häufig so ist, ist er eher trist. Dummerweise hatten wir hier zwei Stunden Aufenthalt, denn aufgrund des Schienenersatzverkehrs in Tschechien hatten wir unseren Anschluss verpasst. Es gab hier nichts zu tun, aber gegenüber war eine Tankstelle – und die verkaufte immerhin tschechisches Bier.


Und dann gibt es als letzte Kategorie die „Schaut her, wie geil es da ist, wo ich jetzt gerade sitze und einen Cocktail trinke“-Angeberfotos. Das ist wahrscheinlich die größte Kategorie bei mir. In sie fällt u.a. das folgende Bild aus Ägypten 2018/19:

Man muss ja daheim zeigen können, dass man um den Jahreswechsel herum in der Wärme saß und Cocktails trank, nicht wahr?

Von nun euch überlasse ich euch das Rätselraten, in welche Kategorie ihr die Bilder packen würdet. Ich denke, die Zuordnung ist nicht immer so eindeutig.


Ein Zehnjahres-Rückblick in Getränken

Die ersten Jahre 2010 – 2013

In den ersten Jahren des letzten Jahrzehnts krebste ich noch mit befristeten Teilzeitjobs herum. Das Geld war für gewöhnlich knapp und meine Reisen führten mich meist für Kurztrips in die Nachbarländer. Und auch auf Reisen lebte ich nicht unbedingt auf großem Fuß. Es gibt ein paar Getränke-Fotos aus dieser Zeit, allesamt aus Tschechien, wo ich damals von Wien aus recht häufig war, und Slowenien. Bier dominiert daher naturgemäß die Fotos.

Aber natürlich gab es auch hin und wieder Bilder aus Wien und Umgebung. Zum Beispiel dieses Foto aus Gumpoldskirchen:

Zwetschgenkuchen und Sturm (Federweißem) mit Blick auf Gumpoldskirchen


Die erste Fernreise nach Usbekistan

2013 unternahm ich allerdings auch meine erste Fernreise – nach Usbekistan.
Interessanterweise gibt es davon eigentlich keine Getränkebilder, die ich selbst gemacht hätte. Ich habe nur Bilder meiner Mitreisenden. Ich würde jetzt eigentlich sagen, dass ich wohl damals andere Probleme hatte, da mir aufgrund des Essens vom Magen her nicht sehr gut war. Aber Essens-Fotos gibt es dennoch. Zumindest Fotos vom usbekischen Fladenbrot.

Davon gibt es Unmengen an Fotos! Aber ich belasse es bei diesem einen, denn hier soll es ja um Getränke gehen. Dennoch konnte ich in einem Rückblick meine erste Fernreise natürlich nicht außen vor lassen.

Gegen Ende des Jahres 2013 war schon absehbar, dass ich im darauffolgenden Frühjahr Wien den Rücken kehren werde. Zuvor fuhr ich aber noch mit einem Freund nach Rom.  Der qualitative Unterschied der damaligen Getränkefotos zu späteren ist offensichtlich. Aber der Bildausschnitt war schon mal gut gewählt!


Fernreiseziele und ihre Drinks

Seit meiner Rückkehr nach Deutschland 2014 und meinem neuen Job taten sich mir plötzlich sehr viele Reise-Möglichkeiten auf. Seither habe ich mir den ein oder anderen Reisetraum erfüllt.

Marokko

Nachdem mich Usbekistan so begeistert hatte, zog es mich v.a. in muslimische Länder. 2014 – und noch einmal 2017 – ging es zum Beispiel nach Marokko.

Kuba

Mit Abstand die meisten Drink-Fotos habe ich 2016 aus Kuba mitgebracht. Meine Kubareise ist mir ja – unter anderem – aufgrund meiner Magen-Darm-Probleme nicht in allerbester Erinnerung. An die vielen Cocktails denke ich aber immer noch sehr gerne zurück.

Jordanien

Die Jordanien-Reise, die ich 2017 unternommen habe, gehört zu meinen schönsten Reise-Erinnerungen. Bis heute kann ich es nicht glauben, dass ich das wirklich erleben durfte – im Wadi Rum zu schlafen und beim Aufwachen nachts diesen unglaublichen Sternenhimmel über mir zu sehen. Keine Zeltplane, kein Dach über mir – nur dieser unglaubliche Himmel.

Ein paar Getränkebilder habe ich in Jordanien natürlich auch gemacht. Allerdings gehören diese Fotos tatsächlich meist zur ungewöhnlicheren Kategorie. Das folgende Bild zeigt zum Beispiel, wie unser Guide bei Sonnenuntergang über dem Dana Nationalpark auf traditionell beduinische Weise Tee für uns kocht. Die gusseiserne Teekanne steht mitten im Feuer.

2017: Tea-Time auf Jordanisch

Ein anderes Bild ist entstanden, als wir nach einer Wanderung bei Beduinen im Zelt saßen und der Familienvater uns mit Tee bewirtete.

2017: Bei Beduinen zum Tee in Jordanien

Das letzte Bild aus Jordanien zeigt saudisches Malzbier, das ich aus purer Neugierde an einem Kiosk gekauft habe. (Anmerkung: Man muss es nicht unbedingt getrunken haben)

2017: Saudisches Malzbier in Jordanien

Ägypten

Die letzte Fernreise, die ich gemacht habe, war die Nilkreuzfahrt in Ägypten 2018/19.
Die Getränkebilder, die hier entstanden, stammten aus der Kategorie „Angeber-Fotos“. Es hatte einfach etwas, Ende Dezember bzw. Anfang Januar auf Deck in der Sonne zu sitzen, die Nillandschaft an sich vorbeiziehen zu sehen und einen Cocktail zu trinken. Besonders wenn man an die Temperaturen in Deutschland dachte.
Eines dieser Bilder habe ich ja bereits oben geteilt. Das zweite unterscheidet sich in erster Linie durch den Cocktail.

2018/19: Ägypten. Cocktail mit Nilblick


Italien geht immer…

Ich reiste ja aber nicht nur in die Ferne, sondern hauptsächlich in Europa. Besonders die Italienreisen wurden immer mehr. Inzwischen fahre ich mindestens einmal jährlich nach Italien und gewisse Getränke gehören für mich zu einem Italienbesuch dazu. So ist zum Beispiel das erste, was ich tue, wenn ich italienischen Boden betrete, zur nächsten Bar zu gehen und einen Espresso zu trinken.
Der Kaffee gehört für mich zu Italien. Seit ich mich an italienischen Kaffee gewöhnt habe, kann ich anderen kaum noch trinken!

2019: Caffè Leccese in Lecce. SO GUT!

Zu so manchem Getränk gibt es auch eine Geschichte – zum Beispiel zu diesem Cappuccino:

2018: Cappuccino auf Procida. Da die Fähren aufgrund eines Sturms nicht fuhren, saß ich mehrere Stunden in der Hafenbar fest.

Bevor ich meinen Sprachkurs in Sorrento antrat, verbrachte ich ein Wochenende auf der kleinen Insel Procida. Leider erwischte ich zu Beginn meines Aufenthaltes am Golf von Neapel eine echte Schlecht-Wetter-Periode. Als ich von Procida zurückfahren wollte, fuhren die Fähren aufgrund eines Sturms nicht aus. Ich saß also für einige Stunden in der Bar am Hafen fest – und trank Kaffee.

Das folgende Bild dagegen stammt aus Bellagio am Comer See. Hier hatte es fast eine ganze Woche hindurch geregnet. Mein letzter Tag war der erste, an dem die Sonne sich blicken ließ. Ihn verbrachte ich unter anderem in Bellagio – wo ich diesen Campari Soda trank. Aus purer Freude über das schöne Wetter, die schöne Landschaft und meinen Campari machte ich gleich ein Foto davon.

2015: in Bellagio am Lago di Como kommt nach tagelangem Regen endlich die Sonne raus

Überhaupt gehört Campari – oder auch andere Bittergetränke wie Aperol, aber besonders Campari – zu meinen Standardgetränken in Italien:

Und wenn es kein Campari oder Aperol ist, dann ist ein Gläschen Wein auch nicht zu verachten.

oder es darf auch mal etwas ganz anders sein:

Gut zu essen und zu trinken gehört für mich inzwischen zum Urlaub dazu. Ich genieße es durchaus, dass ich nicht mehr – wie früher – so sehr aufs Geld schauen muss, dass ich mir drei Mal überlege, ob ich mir ein Glas Wein pro Urlaub leisten kann oder nicht. In meiner „Ich bin zu alt für den Scheiß“-Liste habe ich diesen Punkt auch aufgenommen. Genauso wenig wie ich heute im Mehrbettzimmer in einem Hostel übernachten würde, wenn es nicht unbedingt sein müsste, würde ich mich heute in Italien eine Woche lang von Toastbrot und Frischkäse ernähren, wie annodazumal bei meinem ersten Besuch in Rom.

Wenn ich beruflich auf das vergangene Jahrzehnt zurückblicke, dann bin ich tatsächlich sehr erleichtert, diese finanziell sehr knappen Zeiten hinter mir gelassen zu haben.

Heute gehört es zum Urlaub dazu, auch einmal gut essen zu gehen. Vorspeise, Hauptgericht, dann ein Dessert und dazu ein Gläschen Wein? Aber immer doch!

Zum Abschluss darf ich ein Bild nicht vorenthalten. Es stammt ebenfalls von Procida – noch bevor die Schlechtwetterfront die Insel voll erreicht hatte.
Ich wollte unbedingt draußen frühstücken, weil die Pension einen Garten mit diesem großartigen Ausblick hatte. Der Wirt hielt mich wohl für etwas verrückt, denn eigentlich war es recht frisch. Aber es musste einfach sein! Wie könnte man diesem Ausblick widerstehen?

2018: Procida – Frühstück mit Ausblick


Mit Drinks durch Europa

Ich reise zwar sehr viel nach Italien, aber natürlich nicht nur. Auch in anderen Ländern war ich unterwegs und genoss diverse Getränke – alkoholische wie alkoholfreie.

Tschechien

Ja, auch Tschechien blieb ich treu. Zwar reise ich nicht mehr so häufig in unser Nachbarland, wie ich es noch zu meinen Wiener Zeiten tat, aber ab und an bin ich dann doch dort. Und dann – natürlich – gibt es immer noch Bier. Mitunter sogar äußerlich: Beim Bierbad in Pilsen!
Und wenn es kein Bier gibt, dann gab es für mich in Tschechien schon immer Kofola, die tschechische Cola!

Deutschland

Ja, auch in Deutschland war ich natürlich viel unterwegs. Seien es Städtetrips oder Wanderausflüge – und was trinken tut man natürlich auch in Deutschland immer.

Griechenland

Aus Griechenland habe ich überraschend wenige Getränke-Bilder mitgebracht. Bei diesem hier würde ich selbst auf Italien tippen – aber wahrscheinlich liegt das am Inhalt des Glases.

2016 in Nafplio, auf unserer Peloponnes-Rundreise

Frankreich

Aus Frankreich – so könnte man denken – bringt man ziemlich viele Fotos von Wein mit, aber weitgefehlt. Meine Drink-Fotos aus Frankreich lassen sich an einer Hand abzählen.

Da wäre zum einen der Cidre, den man natürlich bei einer dreiwöchigen Radtour durch die Normandie immer wieder einmal trinkt. Traditionell – wie ich damals gelernt habe – nicht im Glas, sondern in einer Tasse.
Schade, dass kein Käse mit auf dem Foto ist, denn der hätte eigentlich noch dazu gehört! Die Normandie-Radtour war weit mehr geprägt von Käse, als von Getränken! Was für ein tolles Abenteuer das war. Ich denke so oft daran zurück!

2015: Cidre in der Normandie

Und dann gibt es noch zwei Fotos von meinem letzten Frankreich-Aufenthalt in Avignon (der zugehörige Artikel kommt nächste Woche online!).

Ein Foto aus dem Katzencafé, in das ich mich einen ganzen Nachmittag zurückzog, weil es draußen in Strömen regnete.

Avignon Tipp: Das Katzencafé

2019: Im Katzencafé in Avignon

Und ein Bild aus einer Craftbeer-Kneipe in Avignon. Der Abend endete sehr unterhaltsam. Anfangs saß ich noch etwas alleine herum, wechselte ein paar Worte mit den Stammgästen, bei denen ich am Tisch saß, aber so richtig kam das Gespräch nicht in Gang. Bis ein weiterer Stammgast hinzustieß, der glaubte, ich gehöre zur Gruppe und mich auf Französisch ansprach. Auf meinen Hinweis, dass mein Französisch eher mangelhaft sei, wollte er auf Englisch umschwenken, fing aber versehentlich an, Italienisch zu sprechen – und so ergab sich eine lebhafte Unterhaltung auf Italienisch, in Frankreich – mit einem arabischstämmigen Franzosen!

Avignon Tipp: Craftbeer Kneipe L'Explo


Trinken für den Blog

Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, so bin ich nicht nur mehrfach umgezogen, habe das Arbeiten begonnen und meine Stelle gewechselt – sondern ich blicke auch auf meinen Blog zurück. Die Hälfte dieses vergangenen Jahrzehnts begleitet er mich schon und ich bin noch immer baff, was daraus geworden ist. Hättet ihr mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich irgendwann einmal meine Fotos von Getränken mit mir wildfremden Menschen im Internet teile, hätte ich euch ausgelacht …

Aber noch viel mehr hätte ich gelacht, wenn mir jemand erzählt hätte, dass ich tatsächlich an Blogger- und Pressereisen teilnehmen würde, wie viel Arbeit ich irgendwann in eine Webseite stecken und wieviele neue Kontakte sich dadurch ergeben würden!

Auf meinen Bloggerreisen sind auch ein paar Getränkefotos entstanden – und die dürfen hier natürlich auch nicht fehlen.


So im Rückblick würde ich sagen: Es war ein gutes Jahrzehnt, ein sehr prägendes. Mit Höhen und Tiefen natürlich, aber doch führte es mich da hin, wo ich heute bin. Und das finde ich einen ganz guten Punkt, im Großen und Ganzen.
Allen, die mich in den letzten zehn Jahren – privat, beruflich, in der Bloggosphäre – begleitet und die mit mir auf Triumphe angestoßen und den ein oder anderen Frust bei einem Drink bekämpft haben, einfach mal ein herzliches DANKE.

Und jetzt würde ich sagen: Prost! Auf die nächsten zehn Jahre!

2 Gedanken zu “In Drinks um die Welt – ein etwas anderer Reiserückblick

  1. Sehr witzige Idee! Mich wundert es immer, wie Getränke mit gleichem Namen und hoffentlich auch gleichen Zutaten so unterschiedlich sein können! Ich mache immer erstmal einen Kaffee-Test, eher ich zu den geistigen Getränken übergehe…
    Liebe Grüße
    Gabriela

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