Rund um La Verna: Drei Tage wandern im Casentino, Toskana (+Karten, gpx-tracks)

Wandern im Casentino in der Toskana: rund um das franziskanische Heiligtum La Verna.

Dieser Beitrag enthält Affiliate-Werbelinks. Mehr Infos am Ende des Artikels.

Auf 1128 Metern liegt, umgeben von herrlichen, verwunschenen Wäldern des Nationalparks Casentino, der Komplex La Verna. Hier, inmitten dieser abgeschiedenen Gegend, errichtete der Heilige Franz von Assisi bereits 1214 eine Einsiedelei, in die er sich zurückzog und wo er, so die Legende, die Stigmata – die Wundmale Christi – empfangen haben soll.
Heute befindet sich hier ein Gebäudekomplex aus Kirchen und Kapellen, Klosterbauten mit mehreren Kreuzgängen und was sonst noch zum Wallfahrtsgeschäft dazugehört.
Trotzdem hat der Ort noch viel von seiner Magie bewahrt. Die Wälder, die das Santuario umgeben, wurden mir oft als besonders schön und stimmungsvoll empfohlen – und ich kann dem nur zustimmen.

Wandern im Casentino: in den magischen Wäldern rund um La Verna

Drei Tage wanderten wir rund um La Verna durch den Casentino – eine wunderschöne Wanderregion für alle, die schier endlose, verwunschene Wälder lieben und Stille in der Natur suchen. Hier möchte ich euch die Gegend und unsere Wanderroute vorstellen.

Für mich war diese dreitägige Tour auch eine Art „Generalprobe“ für meinen bevorstehenden Cammino auf der Via Lauretana. Ab Mitte April werde ich für 3,5 Wochen zu Fuß durch Umbrien und die Marken wandern. Wenn ihr darüber auf dem Laufenden bleiben wollt, solltet ihr mir auf Telegram oder WhatsApp folgen. Erst nach meiner Rückkehr wird es auch auf dem Blog und auf Social Media Berichte geben.

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Santuario della Verna: franziskanischer Wallfahrtsort

Das Santuario della Verna liegt auf 1128 Metern auf einem felsigen Vorsprung des Monte Penna.

Der heutige Name La Verna soll zurückgehen auf einen Kultort der antiken Göttin Laverna, Schutzgöttin der Diebe und Betrüger.
Das christliche Heiligtum, das heute hier viele Pilger anzieht, geht direkt zurück auf den Ordensgründer Franz von Assisi: 1213 bekam der Orden die Gegend vom Grafen Orlando di Chiusi geschenkt. 1214 zog sich Franziskus bereits das erste Mal hierher in die Einsamkeit zurück. Nachdem er die Leitung des von ihn gegründeten Ordens niedergelegt hatte, zog er sich schließlich 1224 hierher zurück und empfing hier im selben Jahr die Stigmata – die Wundmale Christi. So die Legende.

Franz von Assisi empfängt die Stigmata in La Verna. Darstellung von Giotto in der Franziskanerkirche Santa Croce in Florenz

Franz von Assisi empfängt die Stigmata in La Verna. Darstellung von Giotto in der Franziskanerkirche Santa Croce in Florenz

Wer war der Heilige Franziskus von Assisi?

Franz von Assisi (geboren 1181 oder 1182 in Assisi) war Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns und lebte zu Beginn das Leben der Menschen seines Standes. In den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts hatte er mehrere Visionen, die ihn zur Umkehr bewegten. In einer aufsehenerregenden Aktion entledigte er sich seiner kostbaren Kleider und entsagte seines Erbes – damit kam es auch zum Bruch mit dem Vater.
Franziskus lebte seither als Einsiedler in persönlicher Armut in der Nähe von Assisi. Immer mehr Gefährten scharten sich im Laufe der Zeit um ihn, so dass die Gemeinschaft immer größer wurde.

Darstellung Franz von Assisis bei San Damiano bei Assisi

Das Ziel war, eine radikale Christusnachfolge in völliger Armut ohne Besitz und ohne festen Ort. Doch das war nicht ungefährlich zur damaligen Zeit.
Franziskus hat die Armutsbewegung keineswegs erfunden. Sie war damals recht populär und es gab viele verschiedene Gruppen, die versuchten, die Christen zur Umkehr und zur Armut nach den Evangelien aufzurufen. Das war vielen Klerikern und kirchlichen Würdenträgern ein Dorn im Auge, v.a. wenn auch die Autorität der Kirche in Frage gestellt wurde. Gruppen wie die Katharer und die Waldenser wurden zu Ketzern erklärt, verfolgt und im Falle der Katharer ausgerottet. Man könnte also sagen, eine Gruppe wie die, die sich um Franziskus sammelte, bewegte sich damals in der Grauzone der Legalität.

Umso wichtiger war es, dass die frühen Franziskaner – die sich damals so natürlich noch nicht nannten – sich den kirchlichen Segen holten: Schon 1209 ging Franz mit zwölf Gefährten nach Rom und erhielt dort von Papst Innozenz III. die mündliche Approbation.
Diese Szene wird in Franziskanerkirchen oder Darstellungen der Franziskus-Legenden immer wieder dargestellt. Kein Wunder, denn diese Anerkennung durch den Papst sicherte der kleinen Gemeinschaft das Fortbestehen.

Innozenz III. erteilt Franziskus und seinen Gefährten die Approbation ihrer Regel. – Darstellung von Giotto in der Basilika in Assisi

Doch damit war die Entwicklung nicht vorbei. Die Gruppe wurde immer populärer und bekam viele weitere Mitglieder. Bald war auch klar, dass ein so schnell wachsender Orden ohne feste Strukturen schwierig zu leiten und organisieren war. Mehr und mehr entfernte sich der Orden von dem von Franz ursprünglich angestrebten Lebensideal. Es war keine Gruppe von Laien mehr, die gleichberechtigt mit Klerikern in völliger Besitzlosigkeit zusammen lebten. Im Gegenteil: Die Kleriker gewannen im Orden mehr und mehr die Oberhand, Vermögen durften die Brüder zwar nicht selbst haben, aber der Orden ließ es über Treuhänder verwalten und Immobilienbesitz gehörte offiziell der Kurie, die ihn den Franziskanern überließ. Diese Entwicklung, die schon zu Franzens Lebzeiten einsetzte, führte im Laufe der folgenden Jahrzehnte zum sogenannten Armutsstreit innerhalb der franziskanischen Bewegung.

Ironie der Geschichte: Der „Poverello“ wurde in einer prächtigen, reich ausgeschmückten Basilika beigesetzt: San Francesco in Assisi

Die Entwicklung war natürlich auch der Amtskirche völlig recht, konnte man so doch unterbinden, dass Laien einen zu großen Einfluss in geistliche Belange gewannen. Auch in anderen Bereichen – Einrichtung eines Noviziats und das Ablegen einer Profess für neue Mitglieder – wurden die Franziskaner an die alten Orden „angepasst“. Es kam zu einer Institutionalisierung und Klerikalisierung der Franziskaner – die Franz von Assisi vollkommen bewusst war. Doch er unterwarf sich der römischen Kirche – auch um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie die Waldenser. Denn natürlich mussten die Franziskaner den Forderungen der Kirche hier entgegen kommen, um nicht als Häretiker zu gelten.

Dennoch zog sich Franz mehr und mehr von seinem eigenen Orden zurück: Das hatte zum einen gesundheitliche Gründe, aber lag sicher auch daran, dass der Orden eine Entwicklung genommen hatte, die nicht zu seinem Ideal passte. 1220 legte Franz die Leitung des Ordens nieder und lebte wieder als Einsiedler, ab 1224 schließlich auf La Verna, wo er am 17. September desselben Jahres während des Gebets die Stigmata erhielt, die Wundmale Christi.

Franz starb am 3. Oktober 1226 in der Portiuncula-Kapelle bei Assisi, wo sich vor Jahren die ersten Gefährten um ihn gesammelt hatten. Bereits 1228 wurde Franz heiliggesprochen und 1230 in Assisi in der nach ihm benannten Basilika beigesetzt.

Die Portiuncula-Kapelle steht heute in der Basilika „Santa Maria degli Angeli“ in der Nähe von Assisi

Franz von Assisi ist heute einer der beliebtesten katholischen Heiligen. Besonders seine naturverbundene Spiritualität, wie sie sich im Sonnengesang widerspiegelt, machen ihn auch bei Nicht-Katholiken populär.

Zu Franzens Zeiten gab es hier in La Verna nur die kleine Kirche Santa Maria degli Angeli und ein paar einfache Hütten. Heute befindet sich hier ein ganzer Komplex: Ein Klostergebäude, mehrere Kreuzgänge, mehrere Kirchen und Kapellen sowie Unterkünfte für Pilger.

La Verna: Santa Maria degli Angeli im Nebel

La Verna: Santa Maria degli Angeli im Nebel

An der Stelle, an der Franz die Stigmata empfangen haben soll, wurde eine Kapelle errichtet, die Cappella delle Stimmate. Ein Stein im Boden markiert die Stelle, an der Franz damals gewesen sein soll.
Der Corridoio delle Stimmate führt zur Kirche und zeigt eine Reihe von Fresken mit Geschehnissen aus dem Leben des Heiligen Franz und seiner ersten Gefährten.

Die Kapelle an dem Ort, wo Franz die Stigmata empfangen haben soll.

Die Kapelle an dem Ort, wo Franz die Stigmata empfangen haben soll.

Der Corridoio delle Stimmate führt zur Kapelle: An den Wänden Fresken mit Szenen aus dem Leben des Heiligen

Der Corridoio delle Stimmate führt zur Kapelle: An den Wänden Fresken mit Szenen aus dem Leben des Heiligen

Auf dem Precipizio („Abgrund“) pfeift uns der Wind um die Nase. Einen Ausblick haben wir hier nicht, wir schauen in eine Nebelwand, als wir da sind. Doch hier geht es steil abwärts – und genau hier soll der Teufel (natürlich vergeblich) versucht haben, Franz hinabzustoßen.

La Verna: Blick hinab in den Precipizio

La Verna: Blick hinab in den Precipizio

Beeindruckend ist auch der Sasso Spicco: von der Piazza vor der Kirche geht es über Stufen hinab – vorbei an der ersten Zelle des Heiligen – in eine enge Schlucht zwischen großen Felsbrocken, als hätte sich der Fels des Berges hier gespalten. In diesem engen Spalt steht ein Felsen hervor, wie ein Kragdach. Hier soll Franziskus häufig im Gebet gelegen haben. Faszinierend ist der Ort alle mal.





Der Nationalpark des Casentino (Parco Nazionale Foreste Casentinesi)

Der Nationalpark der Casentinischen Wälder, des Monte Falterona und von Campigna umfasst einen Bereich von fast 370 km² im toskanisch-romagnolischen Apennin, also direkt an der Grenze zwischen den Regionen Toskana und Emilia-Romagna. Der 1993 errichtete Nationalpark liegt in den Provinzen von Forli-Cesena, Arezzo und Florenz. Die Buchenwälder des Nationalparks gehören zum internationalen UNESCO Weltnaturerbe der „Alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“.

Waldwege wie dieser sind typisch bei Wanderungen im Casentino

Waldwege wie dieser sind typisch bei Wanderungen im Casentino

Der Casentino, von dem meist die Rede ist, wenn man diesen Namen verwendet, ist ein Gebirgstal nördlich von Arezzo, durch das der junge Arno fließt. Er entspringt nördlich von Stia am Monte Falterona und Monte Falco – mit über 1650 m die höchsten Punkte des Casentino – und fließt von dort nach Süden, bevor er kurz vor Arezzo nach Westen abknickt und nach Norden – Richtung Florenz – zurückfließt.
In diesem Gebirgstal waren wir im März 2025 für drei Tage wandernd unterwegs. Die Gegend eignet sich gut zum Wandern und für die Sommerfrische, da sie höher liegt, als viele andere Teile der Toskana – und damit auch im Sommer angenehmere Temperaturen herrschen. Dafür muss man im Frühling, Herbst und natürlich v.a. im Winter mit kälteren Temperaturen und zum Teil winterlichen Wetterverhältnissen rechnen.


Unsere Wanderung rund um La Verna: Drei Tage im Casentino (+ Karten und gpx-tracks)

Ziel der Wanderung im Casentino war es, das franziskanische Heiligtum La Verna zu besuchen und unsere dreitägige Wanderung darum herum zu planen.

Für die im Folgenden erwähnten markierten Wanderwege empfehle ich einen Blick auf die Seite Hiking.Waymarkedtrails, wo ihr den Verlauf dieser Routen sehen und auch die dazugehörigen gpx-Dateien herunterladen könnt. Allgemeine Hinweise zu Schwierigkeitsgrad und Einstufung der italienischen Wanderwege findet ihr in meinem Artikel „Wandern in Italien„.

Hier könnt ihr die gpx-Dateien herunterladen. (Aus technischen Gründen biete ich die drei gpx-Dateien in einer zip-Datei zum Download an.

Tag 1: Bibbiena – Chiusi della Verna (18,1 km)

Am ersten Tag starteten wir sehr früh in Florenz, um mit dem Zug – mit einem Umstieg in Arezzo – nach Bibbiena zu fahren. Hier begann unsere dreitägige Wanderung durch den Casentino rund um La Verna.

In Bibbiena war so früh an einem Samstag noch nicht viel los und wir durchwanderten den Ort relativ zügig. Mit etwa 12.000 Einwohnern ist Bibbiena der größte Ort des Tals. Wunderschön liegt er auf einem Hügel – wie so viele Städte etruskischen Ursprungs – und bietet uns, als wir aus Bibbiena herauswandern, einige schöne Anblicke.

Wandern im Casentino: Blick zurück auf Bibbiena

Wandern im Casentino: Blick zurück auf Bibbiena

Gleich nachdem wir den Ort verlassen haben, verzaubert uns die Landschaft. Es ist ziemlich grau und bedeckt, aber (noch) trocken. Der Frühling in der Toskana kann in punkto Wetter alles bieten – und wir werden in den nächsten drei Tagen so ziemlich alles haben. Immerhin kommt so meine gesamte Ausrüstung für die Via Lauretana schon mal zum Einsatz!
Doch noch ist es trocken und wir wandern fröhlich vor uns hin, immer dem markierten Wanderweg Nummer 043 folgend.
Bis wir auf die ersten Hindernisse stoßen – auch das gehört zum Wandern in Italien leider dazu. Nach wenigen Kilometern versperrt ein Tor den Pfad. Der Wanderweg sollte hier direkt an einem Hof vorbeiführen und der Besitzer des Hofes hatte wohl genug von den Wanderern und versperrte kurzerhand den Weg. Kein Durchkommen. Doch – auch das ist typisch für Italien – eine gut italienische Lösung wurde gefunden: Direkt neben dem versperrten Tor befindet sich ein zweites Tor: Das ist zwar geschlossen, aber nicht verschlossen. Wir gehen also hindurch und stoßen wenig später wieder auf unserem Wanderweg.
Das nächste Hindernis ist ein eifriger Wachhund, nur wenige Minuten später, der uns den Durchgang durch ein weiteres Hofgelände verwehrt. Wir gehen also einen Bogen und vermeiden den Konflikt mit dem Hund lieber.

Wandern im Casentino: Landschaft direkt hinter Bibbiena

Wandern im Casentino: Landschaft direkt hinter Bibbiena

Kurz vor Campi stoßen wir auf die Via Romea Germanica, die ein Stückweit parallel zum Weg Nr. 43 verläuft. Hier folgen wir diesem Fernwanderweg nur für ein kurzes Stück – aber es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir auf die Via Romea stoßen.
In Campi begegnen wir den einzigen anderen Wanderern auf dieser dreitägigen Tour: drei junge Leute kommen mit Rucksäcken aus dem Ostello di Campi, einer Unterkunft für Pilger und Wanderer.

Die hier nur schwer lesbaren Nummern lauten: 388 9616242 / 366 9985667 / 348 7655289

Hinter Campi kommen wir an eine Brücke über den Torrente Corsalone, die gesperrt ist: Die Balken sind völlig eingebrochen und für einen kurzen Moment überlegen wir, wie wir über den Fluss kommen sollen – bis wir bemerken, dass direkt daneben eine zweite, kleine Brücke angelegt wurde, auf der wir trockenen Fußes ans andere Ufer kommen.

Wir folgen dem 43er / der Via Romea noch für ein paar Kilometer, bis der erste nach links, die zweite nach rechts abzweigt. Wir allerdings gehen geradeaus – über die Via Vecchia Camparsolina Dama, die alte Verbindungsstraße zwischen Camparsolina und Dama, die auf der Karte aussah, wie die beste Option, um nach Dama zu gelangen. Ob sie das wirklich ist, kann ich schwer beurteilen. Möglicherweise hätten wir doch lieber den Bogen auf dem 43er schlagen sollen, denn die Via Vecchia nach Dama ist oft nicht mehr als ein Trampelpfad durch Gestrüpp und Gesträuch. Mit dem gps-Track vor Augen kommen wir dennoch gut nach Dama, wo wir unsere Mittagspause einlegen.

La Dama ist ein pittoreskes Örtchen – allerdings ist um diese Zeit und bei diesem Wetter wirklich niemand auf den Straßen:




In Dama haben wir wieder zwei Optionen: nach Norden dem 43er Weg folgen oder nach Süden über den Weg Nr. 34 zu gehen, der nach 1,6 Kilometern bereits erneut auf die Via Romea stößt. Wir entscheiden uns für die zweite Option. Doch bevor wir auf die Via Romea stießen, zwang uns ein umgestürzter Baum vom Pfad und durch das Unterholz. Anschließend folgten wir dann der Via Romea bis nach Chiusi della Verna, unserem heutigen Ziel.

Chiusi della Verna ist ein kleiner Ort mit etwa 1900 Einwohnern, der sich am Fuße des franziskanischen Pilgerorts La Verna und entlang der Via Romea gebildet hat. Heute ist er gut eingestellt auf Ausflügler, Pilger und Urlauber, so dass man hier eine Reihe von Unterkünften (Hotels und Pilgerherbergen) sowie auch Restaurants und Lebensmittelgeschäfte findet.

Das letzte Stück Weg hat es noch einmal in sich: Auf den letzten drei Kilometern geht es noch einmal ordentlich aufwärts und es beginnt dann tatsächlich noch zu regnen. Je höher wir steigen, desto mehr kommen wir zudem in die tiefhängenden Wolken, so dass wir am Ende im Nebel wandern.

Endlich kommt der Poncho mal zum Einsatz!

Insgesamt war die erste Etappe nicht zu unterschätzen: Auf 18 Kilometern haben wir einen Gesamtanstieg von 1036 Metern bewältigt. Dazu kamen die typisch italienischen Wanderhindernisse: Tore, Hunde und auch schon mal umgestürzte Bäume. Die folgenden Tage werden in dieser Hinsicht zum Glück unkomplizierter sein.

Karte und Höhenprofil

Hier könnt ihr die gpx-Dateien herunterladen. (Aus technischen Gründen biete ich die drei gpx-Dateien in einer zip-Datei zum Download an.

Details
Casentino Wanderung Tag 1: Bibbiena-Chiusi della Verna

Die im Höhenprofil dargestellte Route ist etwas kürzer, da ich erst im Ort Bibbiena selbst angefangen hatte, zu tracken. Im gpx-Track ist auch der Weg vom Bahnhof in den Ort enthalten.

Unterkunft und Verpflegung

Wir haben eine Unterkunft in der Oasi di San Francesco gebucht, einer recht großen Pilgerunterkunft, die direkt am Weg zum Heiligtum liegt.
Die Unterkunft ist zwar bei GoogleMaps eingezeichnet, aber um die Homepage zu finden, muss man etwas suchen. Wir haben sie schließlich über das Facebook-Profil gefunden und anschließend über WhatsApp gebucht. Die Nummer fanden wir auf der Homepage.

Die Unterkunft für zwei Personen mit Abendessen und reichhaltigem Frühstück kostete uns 120€ (also nicht unbedingt Pilgerpreise, aber doch in Summe ein guter Preis für das, was wir erhielten).

Angst vor Hunden sollte man übrigens nicht haben, denn die Chefin ist ganz eindeutig der Labrador der Besitzer, die auch gemeinhin nur „Direttrice“ (also Direktorin) genannt wurde.

Für die folgenden zwei Tage deckten wir uns im kleinen Supermarkt von Chiusi della Verna ein.

Hier findet ihr weitere Unterkünfte in Chiusi della Verna.*


Tag 2: Chiusi della Verna – Santuario della Verna – Casina della Burraia (17,4 km)

An Tag 2 erwartete uns zwar „nur“ ein Gesamtanstieg von etwa 852 m, doch wie man auf dem untenstehenden Höhenprofil sehen kann, ging es einige Male sehr steil bergauf. Da wir an diesem Tag auch einen Besuch des Santuario della Verna eingeplant hatten, kamen wir insgesamt auf 17,4 km. Die Übernachtungsmöglichkeiten auf unserer Strecke waren nicht sehr zahlreich, so dass eine Anpassung der Route auch nur schwer möglich wäre. Bucht auf dieser Etappe UNBEDINGT vorher eure Unterkunft. Mehr dazu dann weiter unten unter „Unterkunft und Verpflegung“.
Insgesamt war dies mit Abstand der anstrengendste Tag unserer Wanderung im Casentino.

Doch zuerst ging es nach La Verna. Von der Oasi di San Francesco aus hätten wir direkt auf den Wanderweg stoßen können, der auf den Berg nach La Verna führte. Das sahen wir allerdings zu spät, was uns ein paar zusätzliche Höhenmeter bescherte.
Und dann kam der mit Abstand schönste Teil unserer Tour: Die Wälder rund um La Verna! Was für ein Anblick!

Es war neblig, als wir starteten, und da wir noch etwas höher stiegen, wurde der Nebel dichter und dichter. Ich weiß nicht, wie oft mir schon jemand erzählt hatte, die Wälder rund um La Verna seien außergewöhnlich schön, richtig mystisch und magisch. Und ich kann gar nicht in Worte fassen, wie wahr das ist.
Durch die nebelverhangenen Wälder zwischen den riesigen Bäumen ganz alleine zu gehen, nur den Wind und die Vögel und die eigenen Schritte zu hören – einfach nur herrlich! Diese paar Kilometer waren wirklich das Highlight der Tour!
Der Wald gehört übrigens noch heute den Franziskanerbrüdern, seit er 1213 dem Heiligen Franziskus geschenkt worden war. Das führte auch dazu, dass er ohne große Eingriffe bis heute so erhalten blieb.




La Verna selbst lag im dichten Nebel. In der Kirche war ein Gottesdienst, irgendwo sang gerade ein Chor und wir besichtigten die verwinkelte Anlage. Ausblick konnten wir keinen genießen, doch die Stimmung war auch so beeindruckend genug.




Nach dem Rundgang ging es zurück nach Chiusi della Verna und von dort weiter nach Süden. Für die ersten fast sieben Kilometer verlaufen hier eine ganze Reihe von markierten (Fern)wanderwegen parallel: Der europäische Fernwanderweg E1, die Grande Escursione Apenninica, der Sentiero Italia und der Cammino di Assisi. Außerdem der lokale Wanderweg Nr. 050. E1 und Cammino di Assisi sind eindeutig am besten beschildert.

Als wir den Poggio Assunzione erklimmen, lichtet sich hinter uns langsam der Nebel und Chiusi della Verna und der Monte Penna werden sichtbar. Ein schöner Abschiedsgruß, nachdem wir von dort oben nicht so viel gesehen hatten.

Blick zurück auf Chiusi della Verna

Blick zurück auf Chiusi della Verna

Höchster Punkt der Wanderung ist kurz hinter dem Monte Foresta am Eremo della Casella auf 1256 m. Hier machen wir auch Mittagspause. Schon Franz von Assisi soll hier gerastet haben, als er von La Verna nach Assisi ging. Heute steht hier eine kleine Kirche und eine Rifugio, ein zugängliches Haus mit Tischen, Bänken und Feuerstellen, in dem man auch übernachten könnte (sofern man Schlafsack und Isomatte dabei hat) und bei schlechtem Wetter auch Zuflucht finden kann. Sogar eine Toilette gibt es!

Kurz danach zweigen die Fernwanderwege nach links ab (wer hier abzweigt findet bald noch eine Reihe von diesen Schutzhütten – Rifugio oder Bivacco genannt -, in denen man zur Not auch übernachten kann), aber wir folgen dem Weg Nr. 50 weiter geradeaus – bis zum Berg Sasso della Regina auf 1230 m, von wo sich ein Blick ins Arnotal auftut.
Hier müssen wir wiederum rechts abzweigen. Denn nun geht es ordentlich abwärts auf dem Wanderweg Nr. 17, der uns nach nur drei Kilometern zu unserer heutigen Unterkunft bringen wird: Der Casina della Burraia.

Ausblick von der Sasso della Regina. Im Tal Subbiano, wo wir an Tag 3 unsere Wanderung beenden werden.

Karte und Höhenprofil

Hier könnt ihr die gpx-Dateien herunterladen. (Aus technischen Gründen biete ich die drei gpx-Dateien in einer zip-Datei zum Download an.

Details
Casentino Wanderung Tag 2: Chiusi della Verna - La Verna - Casina della Burraia

Unterkunft und Verpflegung

Die Casina della Burraia* haben wir über Booking gefunden. Das Haus liegt wirklich im absoluten Nirgendwo, für Wanderer ist es aber ideal. Das Einzige, was man hier nachts hört, ist der Hund, der Tiere vertreibt, die sich dem Hof nähern möchten. Wanderer, v.a. wenn sie wie wir auf den letzten Kilometern in einen Regenschauer geraten sind, können sich am offenen Feuer aufwärmen und auf Vorbestellung wird klassisch toskanisch und sehr bodenständig aufgekocht.

Bedenken sollte man, dass es in den Zimmern nur im Bad elektrisches Licht gibt. Das Schlafzimmer selbst wird über Kerzen erleuchtet. Irgendwie romantisch. Uns hat es hier ausnehmend gut gefallen und wir hätten locker noch eine Nacht anhängen können. Als wichtige Info: Die Möglichkeit, die Handys zu laden gibt es natürlich im Zimmer!
Angst vor Hunden sollte man allerdings auch hier nicht haben.

Zimmer mit Aussicht in der Casina della Burraia

Füße wärmen am Feuer, bevor es Abendessen gibt

Auf der ganzen Etappe gibt es keinerlei weitere Verpflegungs- oder Einkaufsmöglichkeiten! Ihr müsst also auch für den folgenden Tag etwas zu Essen dabei haben.

Falls ihr euch übrigens fragt, was der Name der Unterkunft bedeutet – über die Burraie der Toskana habe ich in folgendem Artikel bereits ausführlich berichtet.

Sentiero delle Burraie: Rundwanderweg bei Florenz [mit Karte+gps Track]


Tag 3: Casina della Burraia – Subbiano (17,7 km)

Heute geht es hauptsächlich abwärts. Einen Gesamtabstieg von über 1000 m werden wir am Ende des Tages hinter uns haben, aber doch auch einen Gesamtanstieg von 379 m. Das ist – verglichen mit den Vortagen – nicht wirklich viel, aber es ist zwischendrin doch immer wieder einmal steil. Allerdings nur für kurze Strecken. In erster Linie geht es hinab!

Zuerst folgen wir dem Wanderweg Nr. 016 abwärts bis zum Castello di Valenzano, das von außen einen sehr beeindruckenden Eindruck macht. Hier stoßen wir erneut auf die Via Romea Germanica, der wir bis nach Subbiano folgen werden. Die Routenführung heute ist also sehr unkompliziert und auch der Weg stellt uns vor keine größeren Herausforderungen. Ein paar Bachläufe müssen überquert werden, was allerdings sogar ich mit meinen kurzen Beinchen mit einem beherzten Schritt schaffe. Und immer wieder einmal ist der Weg vom Regen der letzten Tage matschig und aufgeweicht. Also insgesamt keine großen Sachen.

An einem der vielen Bäche, die wir überquerten

Nur die Versorgungslage ist unterwegs nicht besonders gut und hätten wir nicht vorgesorgt und Verpflegung eingepackt, dann wäre es auch heute schwierig geworden. Und dass obwohl wir diesmal über viele Kilometer durch Wohn- und Villenviertel wandern.

Auch das Wetter ist uns heute hold und die Sonne scheint strahlend schön vom Himmel. Irgendwie sehe ich hier ein Muster, wenn ich an eine andere dreitägige Wanderung zurückdenke – die Via Romea del Chianti von Florenz nach Siena. Auch damals hatten wir zwei Tage graues, trübes und regnerisches Wetter, um am dritten Tag halbärmlig im schönsten Sonnenschein zu wandern.

Karte und Höhenprofil

Hier könnt ihr die gpx-Dateien herunterladen. (Aus technischen Gründen biete ich die drei gpx-Dateien in einer zip-Datei zum Download an.

Details
Casentino Wanderung Tag 3: Casina della Burraia - Subbiano

Unterkunft und Verpflegung

Von Subbiano aus nehmen wir den Zug nach Arezzo, wo wir noch eine Nacht bleiben. Wir übernachten im La Corte del Re*, einer recht einfachen Unterkunft direkt an der Piazza Grande. Preis-Leistungs-Verhältnis passen hier jedenfalls.

Falls ihr noch eine Nacht im Casentino bleiben wollt, findet ihr hier eine Reihe von Unterkünften in Subbiano*. Und hier weitere Unterkünfte in Arezzo*

Wie bereits oben erwähnt, gibt es auf der Tour unterwegs keine Einkehr- oder Einkaufsmöglichkeiten. Erst in Subbiano gibt es wieder mehr Auswahl.

Subbiano im Casentino

Subbiano im Casentino


Anreise in den Casentino mit Bahn und Bus

Im Casentino gibt es eine Zuglinie, die Arezzo im Süden mit Stia im Norden verbindet. Diese Zugstrecke wird allerdings nicht von Trenitalia bedient, sondern von einer Privatbahn, Trasporto Ferroviario Toscano – kurz TFT. Die Tickets erhaltet ihr entweder in den Tabacchi oder ihr könnt sie auch am Bahnhof mit Karte (Bancomat oder Kreditkarte) an einem kleinen Automaten kaufen.
Das Ganze nennt sich „Pay & Go„. Dort müsst ihr dann nur die Karte vorhalten, den Zielort eingeben und bei einer Kontrolle die Karte vorzeigen, mit der ihr das Ticket gekauft habt.

Die Abfahrtszeiten der TFT-Züge sind (zumindest zum Teil) über die Trenitalia-App (bzw. über die Webseite) recherchierbar (allerdings, wie gesagt, nicht kaufbar!). Ihr findet die Fahrpläne außerdem auch auf der TFT-Webseite.

Die Fahrt von Arezzo bis Stia dauert etwa eine Stunde.

Zudem gibt es im Casentino noch einige Buslinien von Autolinee Toscane. Die Fahrpläne findet ihr auf der Webseite (unter Arezzo – Extraurbani).


Weiterlesen über Wanderungen in der Toskana


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