Prato Sehenswürdigkeiten: Ein Spaziergang im Sommer

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Es ist Samstag, 8 Uhr morgens. Ich erwache mit der unbändigen Lust, einen Ausflug zu machen. Die ersten zwei Wochen in Florenz bin ich kaum aus meinem Viertel herausgekommen – außer zur Arbeit. Und selbst in der Innenstadt von Florenz bin ich nicht viel herumgekommen – zu heiß, zu viele Touristen. Und nach der Arbeit wollte ich einfach nur nach Hause und die Beine hochlegen oder noch ein paar Kisten auspacken.
Doch jetzt hatte ich auf einmal Hummeln im Hintern. Ich wusste, dass das bald kommen würde und heute kam es. Also stöberte ich beim morgendlichen Kaffee auf der Terrasse in meinem Reiseführer* und die Entscheidung war bald gefallen: Prato sollte es werden!

Das Städtchen Prato wollte ich schon lange einmal besuchen, aber bei all meinen Florenzaufenthalten hatte ich nie die Zeit dafür gefunden. Außerdem war es mit dem Zug von uns nur eine knappe Viertelstunde bis nach Prato. Also nichts wie los…

Lesetipps:

Der Dom von Prato

Anreise nach Prato mit dem Zug ab Florenz

Doch einfach so losfahren konnte ich gar nicht, wie sich bei einem Blick in die trenitalia-App herausstellte. Zwar fuhren  mehrfach in der Stunde Züge von Florenz nach Prato, die auch in Firenze-Rifredi hielten (wo ich zusteigen würde), doch ausgerechnet zwischen 9:15 und 11:45 Uhr fuhr samstags kein einziger Regionalzug. Statt mich zu beeilen, um den Zug um 9:15 Uhr zu erwischen, beschloss ich, erst um 11:45 Uhr zu fahren.
Wer ab Santa Maria Novella – dem Hauptbahnhof von Florenz – fährt (was auf die meisten Florenz-Besucher zutreffen wird), braucht etwa 23min bis Prato. In Prato steigt man allerdings nicht an der Station „Prato Centrale“ aus, sondern am Bahnhof „Porta al Seraglio“. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zum Domplatz von Prato und damit in die Innenstadt.
Regionalzüge sind in Italien wahrlich ein kostengünstiges Vergnügen: Die einfache Fahrt von Florenz nach Prato kostet 2,70€.

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Tipps für das Zugfahren in Italien. Reiseziele für Bahnreisende


Prato Sehenswürdigkeiten: Ein Spaziergang

Der Dom von Prato

Pünktlich kommt der Zug in Prato an und nach wenigen Schritten stehe ich schon auf dem Domplatz, wo sich eine der wichtigsten von Pratos Sehenswürdigkeiten befindet: Der Dom.
Der Dom von Prato ist überraschend klein, was wahrscheinlich daran liegt, dass er ursprünglich als Pfarrkirche („Pieve“) der Stadt gebaut wurde. Prato wurde nämlich erst 1653 Bischofsstadt – da stand der Dom Santo Stefano bereits seit 400 Jahren. Oder eigentlich stand an dieser Stelle wohl schon im 5. Jahrhundert eine Kirche. Erwähnt wurde sie erst um 1000 und im frühen 13. Jahrhundert wurde sie dann restauriert und erweitert.

Die dunkeln Streifen des Doms erinnern ein bisschen an den Dom von Siena, der um die gleiche Zeit entstand. Das ist allerdings die einzige optische Gemeinsamkeit. Der Dom von Prato ist viel schlichter (und natürlich weitaus kleiner).

Prato Sehenswürdigkeiten: Die Fassade des Doms mit den charakteristischen Querstreifen

Wenn man den Dom durch das Hauptportal betritt, befindet sich gleich zur Linken die Cappella del Sacro Cingolo. Hier wird die bedeutendste Reliquie der Stadt aufbewahrt: Der Heilige Gürtel (ital. „Sacra Cintola“) – der Legende nach der Gürtel der Jungfrau Maria. Die Kapelle ist nicht zu betreten, was sehr schade ist, da sie wunderschöne Fresken von Agnolo Gaddi enthält, die zwischen 1392 und 1395 gemalt wurden. Sie erzählen die Geschichte der Gottesmutter Maria und des heiligen Gürtels – naheliegenderweise. Als ich den Dom in Prato besuchte, waren zwei Ordensschwestern gerade damit beschäftigt, die Kapelle zu reinigen, weshalb die Türen im Gitter offenstanden und einen etwas besseren Einblick erlaubten.

Der Gürtel wird übrigens jedes Jahr den Gläubigen präsentiert – und zwar bis heute von der Außenkanzel, die im frühen 15. Jahrhundert von Michelozzo gebaut und von Donatello verziert wurde. Wenn ich es schaffe, versuche ich, zur Präsentation des Heiligen Gürtels Anfang September in Prato zu sein.

Die eigentliche, wichtigste Sehenswürdigkeit in Prato sind die Fresken von Filippo Lippi. Sie befinden sich im Hauptchor und sind Teil des Dommuseums. Um sie zu sehen, muss man Eintritt bezahlen. Da ich an diesem Tag recht spät losgekommen und erst gegen Mittag in Prato angekommen bin, beschließe ich, mir die Fresken Lippis für einen anderen Besuch aufzusparen, um mich ihnen mit vollem Magen und in Ruhe widmen zu können.

Durch die sommerlich-stillen Gassen Pratos

Ich verlasse den Dom wieder und schlendere weiter, die Via Giuseppe Mazzoni entlang. Den ganzen Tag über fällt mir auf, wie ruhig es hier auf den Straßen ist. An einem Samstag Nachmittag direkt vor Ferragosto (15. August) sind hier wahrlich die Gehsteige hochgeklappt. Wieviel in der Stadt sonst so los ist, muss ich bei Gelegenheit einmal austesten. Ich schätze doch, dass es außerhalb der Ferienzeiten hier lebhafter zugeht. An fast jedem zweiten Geschäft hängt ein Zettel „Chiuso per ferie“ – wegen Urlaub geschlossen. Und auch die vielen Lokale machen nicht den Eindruck, dauerhaft geschlossen zu sein.

Eigentlich wirkt Prato auf mich wie eines der zahllosen italienischen Städtchen, die ich bei meinen Reisen gesehen habe, in denen man so herrlich auf der Piazza sitzen und das alltägliche Treiben beobachten kann. Heute sind in Prato nur Menschen unterwegs, die ganz offensichtlich nicht italienischer Abstammung sind: hauptsächlich afrikanische und asiatische Migraten sehe ich. Letztere sind wahrscheinlich zum großen Teil Chinesen. Zumindest habe ich in meinem Reiseführer* gelesen, dass ein nicht unwesentlicher Teil der (gar nicht so kleinen) Einwohnerzahl Pratos Chinesen sind. Die Stadt hat 194.000 Einwohner und eine chinesische Minderheit von etwa 20.000. Sie haben – so wiederum mein Reiseführer – häufig die traditionellen Nähereien Pratos übernommen. Um die 1000 soll es noch in der Stadt geben, in der seit dem Mittelalter die Textilindustrie sehr stark war. Nähereien sehe ich bei meinem Bummel allerdings keine – diese befinden sich wahrscheinlich außerhalb der Altstadt.

Dafür stoße ich auch hier auf zahlreiche Tabernacoli. Der Name im Italienischen ist für Deutsche etwas irreführend, denn unter einem Tabernakel versteht man im Deutschen ja den Ort in einer (katholischen) Kirche, an dem die Hostie aufbewahrt wird. Das Wort „Tabernacolo“ im Italienischen hat neben dieser Bedeutung aber noch eine weitere: Man bezeichnet damit Wegkreuze, Bildstöcke, Marterl und all diese Dinge. Sie können zum Teil wirklich groß und elaboriert sein, fast schon Kapellen, manche sind nur ganz einfache Nischen an einer Hauswand. In Florenz sieht man sie – wenn man genau hinschaut – auch in der Innenstadt sprichwörtlich an jeder Ecke. Irgendwann werde ich darüber mal einen Artikel schreiben. Auch hier in Prato fallen sie mir auf.

Palazzo Pretorio und Castello dell’Imperatore

Mein Spaziergang führt mich vorbei am Palazzo Pretorio, einem Palazzo aus dem 14. Jahrhundert. Das Gebäude diente als Sitz der Stadtverwaltung und Stadtregierung. Trutzig sieht erhebt er sich mitten auf der kleinen Piazza del Commune und erinnert mich dabei irgendwie an den Palazzo dei Trecento in Treviso. Auch hier gibt es ein Museum – das Museo Civico mit Kunstwerken seit der Renaissance – das ich aber ebenfalls für heute links liegen lasse. Heute steht mir der Sinn nicht so nach Museen… außerdem hatte ich immer noch nichts im Magen.
Ich spaziere weiter, komme über die Piazza San Francesco mit der gleichnamigen – leider geschlossenen – Kirche und lande schließlich auf der Piazza Santa Maria delle Carceri.

Hier befinden sich gleich zwei Sehenswürdigkeiten Pratos: Die namensgebende Kirche Santa Maria delle Carceri, ein symmetrisch angelegter Renaissancebau (leider ebenfalls geschlossen), und daneben – fast schon niedlich klein neben der Kirche: Das Castello dell’Imperatore, die Kaiserburg. Zugegeben: Ich hatte mir dieses Bauwerk, dass unter Kaiser Friedrich II. erbaut worden war, etwas größer vorgestellt. Aber natürlich ist das Kastell auch nicht mehr vollständig erhalten – ganz zu schweigen davon, dass es nach Friedrichs Tod niemals fertig gestellt worden war. Heute sieht man noch zwei Türme und einen Hof, in dem derzeit ein Open Air-Kino untergebracht ist. Was für ein schöner Ort dafür! In einer Ecke des Hofes steht ein großer Feigenbaum – leider waren die Feigen noch nicht reif, denn langsam bekam ich wirklich Hunger.

Ich suchte mir im fast gänzlich geschlossenen Prato also ein Lokal, das am Ferragosto-Wochenende offen hat und wurde an der Piazza Mercatale im „King“ fündig. Die Lautstärke lockte mich an, denn da es hier zwei offene Lokale gab, sammelten sich hier die Menschen. Das Essen war okay, der Service allerdings etwas chaotisch. Ich muss auf jeden Fall noch einmal außerhalb der Urlaubszeit nach Prato, um irgendwo „Sedani alla Pratese“ aufzutreiben, die kulinarische Spezialität von Prato: weichgekochte Selleriestangen, die gefüllt, paniert und anschließend im Fett herausgebacken werden. Bei der bloßen Vorstellung läuft mir das Wasser im Mund zusammen… heute blieb es bei einem Salat, bevor ich weiterbummle.

Die Kirchen von Prato

Der weitere Spaziergang führt mich erneut durch weitgehend einsame Gässchen. Zum Teil ist es so still, dass es fast unheimlich wirkt. Wo sind nur all die Leute? Erneut sehe ich vor allem afrikanische und asiatische Einwanderer, die entweder mit dem Fahrrad unterwegs sind oder aber vor kleinen Alimentari-Läden sitzen und auf Kundschaft warten. Die Geräusche, die durch geschlossene Fensterläden dringen, verraten, dass aber nicht alle Italiener ausgeflogen sind. Hier der vertraute Klang des traditionell laut aufgedrehten italienischen Fernsehers, dort der Singsang einer Dame höheren Alters, die offenbar mit einer Freundin telefoniert.

Tabernacolo in Prato bei San Domenico

Als ich die Kirche San Domenico betrete, komme ich in ein geräuschfreies Vakuum. Zumindest fühlt es sich so an. Ich kenne ja bereits das Phänomen, dass man in der noch so lebhaftesten italienischen Innenstadt eine Kirche betritt und dort auf einmal in einen Raum der Stille kommt. Hier ist dieses Phänomen so verstärkt, dass die Stille sich wirklich so anfühlt, als würde sie auf die Ohren drücken. Ein eigenartiges Gefühl. Fast schon etwas unangenehm.
Die ursprünglich romanische Kirche zeigt von innen einen bekannten Stilmix, den ich schon in anderen italienischen Kirchen beobachtet habe. Mittelalterliche Architektur und Kunstwerke, ein barockisiertes Inneres – bis hin zum besten katholischen Kitsch des 19. Jahrhunderts.

San Niccolò

Viele Kirchen gibt es in Prato auf relativ geringem Raum. Ich sehe wahrscheinlich nur einen Bruchteil davon – und von diesen die meisten nur von außen, da sie verschlossen sind. In einer – Sant‘ Agostino – findet gerade eine Hochzeit statt und ich möchte da auf keinen Fall stören. Also gehe ich vorbei und schlendere weiter.

Die Stadtmauer von Prato

Pratos Altstadt ist bis auf den heutigen Tag von einer Stadtmauer umgeben, die fast vollständig erhalten ist. Immer wieder stoße ich bei meinem Bummel auf einmal auf eine große Wand, die mitten zwischen den Häusern steht oder an der Straße entlang läuft. Anders als in Lucca, das ebenfalls von einer bis heute intakten Stadtmauer umgeben ist, scheint die in Prato allerdings nicht „aufbereitet“ worden zu sein. Zumindest nicht dort, wo ich auf sie stoße. In Lucca ist auf der Stadtmauer ein Weg angelegt worden, auf dem man die Stadt spazierend oder radelnd umrunden kann. Quasi ein Park auf der Mauer. In anderen Städten mit noch existierenden Stadtmauern befindet sich häufig heute um die Stadtmauer herum eine Grünanlage oder ein großer Boulevard. In Prato sehe ich zumindest nichts dergleichen. Die Mauer steht einfach da, zwischen den Häusern und ist damit vieleicht fast noch etwas beeindruckender in ihrer trutzigen Unvermitteltheit. Bilder im Internet zeigen mir allerdings, dass es durchaus Grünanlagen an der Mauer gibt… ich werde also bei meinem nächsten Besuch mir die Mauer einmal genauer vornehmen.

Es wird langsam heiß. Es ist 16 Uhr vorbei und wir sind mitten in den heißesten Stunden des Tages. Eigentlich war mein Plan, ein hübsches Lokal auf einer hübschen Piazza zu finden, um noch etwas zu trinken. Aber die leeren Piazze von Prato machen mir an diesem Augustnachmittag einen Strich durch die Rechnung. Also löse ich mir ein Rückfahrtticket und erkläre meinen Ausflug für heute für beendet. Prato läuft mir ja zum Glück nicht weg. Von meiner Haustür könnte ich sogar mit dem Rad in einer Stunde zur Piazza del Duomo in Prato gelangen. Vorausgesetzt ich finde ich eine gut fahrbare Radroute. Die Tatsache, dass ich einige Radfahrer in Prato gesehen habe, die für einen Ausflug in der Stadt waren, spricht dafür, dass es eine gute Verbindung geben muss… oder sie sind einfach „italienischere Radfahrer“ als ich …

Weiterlesen über die Toskana

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8 Gedanken zu “Prato Sehenswürdigkeiten: Ein Spaziergang im Sommer

  1. Liebe Ilona,
    erstmal Glückwunsch zum Umzug! Ich war leider noch nie in Florenz, es steht aber ganz weit oben auf meiner Liste. Prato sieht auch wirklich schön aus! Ich freue mich über weitere Beiträge aus der Region 🙂
    LG Julita

  2. Liebe Ilona,
    meine letzte Toskana-Reise liegt ewig zurück. An Prato werde ich mich immer erinnern: Wir hatten ein Zimmerchen auf einem Landgut vor der Stadt gemietet und beim Spaziergang fiel unsere zweijährige Tochter (sie ist jetzt 30!) aus unerfindlichen Gründen in den Ententeich und ich musste sie aus der Ekelbrühe retten ;-). Sonst haben wir nach dem Schreck nicht viel von Prato gehen. Aber beim Lesen deines Artikels bekam ich plötzlich Lust auf die Toskana. Vielen Dank fürs Mitnehmen!
    Liebe Grüße
    Elke

  3. Och, das ist ja unglaublich schönes Fleckchen in der Toskana! Ehrlicherweise habe ich noch nie etwas von Prato gehört. Sollte ich also noch einmal in meinem Leben nach Florenz kommen, was ich stark hoffe, schaue ich mir die Fresken von Lippi an. Zwei der Figuren (hab‘ gegoogelt) kommen mir sehr bekannt vor, ich glaube von einem Cover vom Diogenes Verlag…

    • es gibt so viel hier rund um Florenz, was alles andere als touristisch und überlaufen ist. Es gibt so viel zu entdecken. Ich werde für dich und deine nächste Reise in die Ecke schon mal vorarbeiten 😉

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