Vicenzas Sehenswürdigkeiten: Warum Palladio doch irgendwie cool ist

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Ich gestehe: Bevor ich  mich über Vicenzas Sehenswürdigkeiten informierte, wusste ich nicht, wer Andrea Palladio war. Ich hatte den Namen schon einmal irgendwo gehört, aber was er genau getan hatte, das wusste ich nicht.
Bei meinen Reisevorbereitungen für meine Venetien Rundreise lernte ich dann, dass Andrea Palladio ein bedeutender Architekt der Renaissance war, der viele Palazzi in der Stadt Vicenza und Villen im Veneto geplant hat. Seine Bauwerke verhalfen Vicenza zur Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Auch seine Villen im Veneto sind als Weltkulturerbe anerkannt.

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La Rotonda bei Vicenza: Diese Sehenswürdigkeit sollte man auf keinen Fall verpassen

Ich hoffte, bei meinem Besuch in Vicenza mehr über ihn und die von ihm erbauten Sehenswürdigkeiten zu erfahren und v.a. auch, warum er so bedeutend war.
Aber da stand ich nun in Vicenza vor einem Palladianischen Stadtpalazzo und war etwas ratlos. Solche klassizistischen Stadthäuser standen in Deutschland doch auch zu Hauf herum und sie waren nicht Weltkulturerbe. Warum dann also genau das?
Ich beschloss, dem auf den Grund zu gehen…

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Vicenzas Sehenswürdigkeiten: Andrea Palladio und seine Bedeutung

Architekturgeschichte ist nun wahrlich nicht mein Schwerpunkt, aber ich halte mich doch für nicht gänzlich (kunst)historisch unbewandert. Dennoch erschloss sich mir bei meinem Besuch in Vicenza einfach nicht, warum diese Sehenswürdigkeiten so außergewöhnlich waren, dass die UNESCO sie für wert befand, in die Welterbeliste aufgenommen zu werden.

Vicenza Sehenswürdigkeiten Palazzo thiene Bonin Longare

Hat man so etwas Ähnliches nicht schon hundert Mal gesehen? Ja, hat man! Und interessanterweise macht genau DAS Palladios Bedeutung aus!

Die UNESCO beschließt ja nicht einfach mal so nebenbei, dass ein Bauwerk welterbewürdig ist. Es musste also hier etwas geben, was ich übersah. Ich las die Tafeln, die vor den jeweiligen Palazzi standen und mir etwas über die Baugeschichte erzählten und meistens deren „Symmetrie“ und „Ebenmäßigkeit“ lobten. Ich kaufte mir auch ein Buch, in dem alle Palladio-Bauwerke Vicenzas beschrieben wurden. Und dennoch fehlte mir offenbar der Zugang…
Wie sehr wünschte ich mir einen enthusiastischen Kunsthistoriker an der Seite, der mir diesen Zugang eröffnen würde.

</p> <h3>Wer war Andrea Palladio?</h3> <p>
Venetien Norditalien Rundreise: Vicenza

Der Meister selbst scheint relativ unbeeindruckt von meiner Ignoranz

Andrea Palladio wurde am 30. November 1508 als Andrea di Pietro della Gondola in Padua geboren. Den Namen Palladio bekam er nach 1530 in humanistischer Tradition – nach der griechischen Göttin der Weisheit und Künste: Pallas Athene.
Mit 16 Jahren zog er in das nahe Vicenza, wo er in die Maurer- und Steinmetzzunft eintrat. Er arbeitete als Lehrling und Gehilfe von Steinbildhauern. In dieser Funktion arbeitete er auch am Bau der Villa Gian Giorgio Trissinos mit, eines gebildeten Humanisten, der auf den jungen Andrea aufmerksam wurde, sich seiner annahm und ihn förderte. Von ihm erhielt er auch den Beinamen, unter dem er heute bekannt ist: Palladio.
1541 und 1547 nahm Trissino Palladio mit nach Rom, wo dieser nicht nur die Bauwerke der Antike sondern auch die der Renaissance-Künstler studieren konnte: Bramante, Peruzzi und Raphael.
Palladio war also keineswegs der erste, der sich in seiner Architektur an der römischen Antike orientierte. Er selbst wurde beeinflusst durch andere Renaissance-Baumeister.

Vicenza Sehenswürdigkeiten: Im Teatro Olimpico

Vicenza Sehenswürdigkeiten: Der von Palladio ummantelte Palazzo della Ragione

Vicenza Sehenswürdigkeiten: Der von Palladio ummantelte Palazzo della Ragione

 

Seinen ersten großen öffentlichen Auftrag erhielt er 1548: Die Neugestaltung des gotischen Palazzo della Ragione in Vicenza (siehe dazu unten). Beendet wurde dieser Bau erst 1617, lange nach Palladios Tod. Wie die meisten seiner Werke erst nach seinem Tod vollendet wurden.

Das war endgültig Palladios Durchbruch. Die Nobilità Vicenzas und Venetiens beauftragte ihn mit der Errichtung von Stadtpalazzi und Landvillen. 26 Gebäude in bzw. direkt bei Vicenza und 21 Landvillen im Veneto hat die UNESCO in ihre Welterbeliste aufgenommen.
Ab 1570 wurde er auch zunehmend beauftragt, Kirchen in Venedig zu gestalten. Die bekanntesten sind mit Sicherheit Il Redentore und San Giorgio Maggiore – zwei Kirchen, die jeder Venedig-Besucher kennt, ohne zu wissen, von wem sie stammen.

San Giorgio Maggiore in Venedig wurde von Palladio geplant

Palladio erreichte auch große Bedeutung als Architekturtheoretiker. Seine 1570 veröffentlichten I Quattro Libri dell’Architettura (dt. Vier Bücher über die Architektur) waren besonders bedeutsam für Palladios Nachwirken und hatten großen Einfluss auf die westliche Architektur des 17. und 18. Jahrhunderts (siehe unten).

Bereits im Jahr 1554 hatte er das Buch Le antichità di Roma (dt. Die Altertümer Roms) veröffentlicht, das für 200 Jahre ein Standard-Führer für Rom bleiben sollte.

Der letzte Auftrag Palladios ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Vicenzas: Das Teatro Olimpico. 1579/80 beauftragte die Accademia Olimpica ihn, ein Theater für die Aufführung klassischer Stücke zu gestalten. Die Gestaltung orientierte sich an der Rekonstruktion des antiken Theaters in Orange in Frankreich. Das Teatro Olimpico ist zumindest eines der ältesten freistehenden Theater seit der Antike – wenn nicht gar das älteste (es gibt noch ein zweites Theater, das etwa zur gleichen Zeit entstand und den Titel für sich beansprucht).
Die Arbeiten am Theater begannen 1580, im Jahr von Palladios Tod. Von ihm selbst stammen also nur die Pläne, der Bau selbst wurde von seinem Nachfolger Scamozzi ausgeführt.
Andrea Palladio starb am 19. August 1580 in Vicenza.

Wieso ist Palladio so bedeutend?

The work of Andrea Palladio (1508–80), based on a detailed study of classical Roman architecture, gives the city its unique appearance. Palladio’s urban buildings, as well as his villas, scattered throughout the Veneto region, had a decisive influence on the development of architecture. His work inspired a distinct architectural style known as Palladian, which spread to England and other European countries, and also to North America. (…)

Palladio’s works in the city of Vicenza and in the Veneto, inspired by classical architecture and characterized by incomparable formal purity, have exerted exceptional influence on architectural and urban design in most European countries and throughout the world, giving rise to Palladianism, a movement named after the architect and destined to last for three centuries.UNESCO - Aus der Begründung für die Aufnahme Vicenzas in die Welterbeliste

Die UNESCO-Seite war die erste, die ich – noch vor Wikipedia – konsultierte, um herauszufinden, warum Palladios Villen in die Welterbeliste aufgenommen worden waren.
Ahaaaa, dachte ich mir: Palladio baute also nicht einfach „nur“ irgendwelche klassizistisch anmutenden Stadtpalazzi oder Landvillen für die Nobilità – sondern er hatte vor allem eine beispielhafte Wirkung für die Architekturgeschichte. Das ist ja schon mal etwas.

Vicenza Sehenswürdigkeiten Palazzo Barbaran

Dass mir diese Art der Architektur so bekannt – fast schon „gewöhnlich und normal“ – vorkam, war also kein Zufall. Hier der Palazzo Barbaran

Tatsächlich scheint mir, dass die architekturhistorische Bedeutung Palladios sich weniger im deutschsprachigen Raum niedergeschlagen hat, sondern eher im englischsprachigen – vorrangig in England, von dort ausgehend aber auch in Nordamerika. Deshalb ist es vielleicht kein Wunder, dass ich bei meiner Suche auf mehr englische Artikel stoße als deutsche. Und sie überschlagen sich in Superlativen!

perhaps the greatest architect of the latter 16th century and certainly the most influential.Britannica Online Encyclopedia
Vicenza Unesco-Welterbe Palladio

eine eindrucksvolle Bauruine auf der UNESCO-Welterbeliste: Der Palazzo Porto in Piazza Castello

In einem anderen Artikel der Britannica heißt es, Palladio sei eine der einflussreichsten Figuren der westlichen Architektur gewesen. Und der Guardian titelte 2009: „The stonecutter who shook the world“.

Beim Einlesen kristallisiert sich heraus, dass Palladios Bedeutung besonders in seiner Nachwirkung zu liegen scheint. Inigo Jones, ein englischer Architekt, brachte von einer Italienreise (1613/14) Eindrücke von Palladios Bauten mit nach England, die er in seinen eigenen Werken verarbeitete.
Ab 1663 erschien die erste Übersetzung von Palladios Quattro libri dell’architettura auf Englisch. Eine vollständige Ausgabe erschien zwischen 1715 und 1720.
In England bildete sich ab dem 17. Jahrhundert ein klassizistischer Baustil heraus, der sich Palladianismus nannte. Andrea Palladio galt „als eine über jeden Zweifel erhabene Autorität. (…) Seit dem frühen 17. Jahrhundert betrachteten englische Architekten das Werk Palladios als Inbegriff einer an der Antike orientierten klassischen Architektur“ (Carsten Ruhl). Im 18. Jahrhundert – so Ruhl – setzte sich der Palliadinismus gar als „normative Ästhetik in England“ durch.

Portico des Palazzo Chiericati in Vicenza

Portico des Palazzo Chiericati in Vicenza

Der an der Antike orientierte rationale Klassizismus nach Art Palladios war das ideale Gegenstück zum katholischen, verspielten, überladenen Barock. Deshalb fand er im 17. und 18. Jahrhundert auch v.a. in protestantischen Ländern Verbreitung. In Frankreich dagegen inspirierte er den „Clacissisme“, einen barocken Klassizismus. (Kunstlexikon von P.W. Hartmann)

Ab dem 18. Jahrhundert breitete sich der Palladianismus von England aus – auch nach Nordamerika, wo Thomas Jefferson als ein prominenter Vertreter dieses Baustils gilt. Er entwarf sein eigenes Haus nach dem Typus der palladianischen Villa (Carsten Ruhl). Im Laufe der Zeit entwickelte sich der von Palladio inspirierte Klassizismus auch zu einer Staatsarchitektur. Wer hätte gedacht, dass sowohl das Weiße Haus in Washington, als auch das Capitol über Umwege von den Bauwerken eines Renaissance-Baumeisters aus Norditalien inspiriert wurden?

Weiterlesen über den Palladianismus

Und warum erfahre ich davon so wenig in Vicenza?

Eigentlich ziemlich beeindruckend, wenn man das so liest, was Palladio geschaffen hat – aber v.a. wie er (nach)gewirkt hat, welchen Einfluss er auf die Architektur hatte.
Die Frage ist nur: Wieso ging ich nicht aus Vicenza weg und dachte mir: Wow, Palladio!  – stattdessen war mein eigentlicher Gedanken: Aha?!
Wieso musste ich, um zu ermessen, welche Bedeutung Palladio hatte, Artikel im Internet suchen und lesen? Wieso vermittelte Vicenza das seinen Besuchern nicht vor Ort?

Oh, nicht falsch verstehen: Palladio ist in Vicenza allgegenwärtig. Und das nicht nur, weil seine „Basilika“ alles in der Stadt überthront und sie blendend weiß zwischen den Häusern hervorleuchtet. Es gibt einen Itinerario Palladiano, die Palladio-Bauten sind alle ausgeschildert und vor den Palazzi stehen Tafeln mit Erklärungen. Diese gaben mir aber keinen Einblick in Palladios Nachwirkung und Einfluss auf die westliche Architektur.
Das Palladio-Museum hatte von Montag bis Mittwoch als ich dort war geschlossen – sehr bedauerlich, denn es soll mehr Informationen über ihn und sein Werk geben, wie man mir erzählte.

Das Teatro Olimpico in Vicenza - entworfen von Andrea Palladio

Vicenza Sehenswürdigkeiten: Das Teatro Olimpico – entworfen von Andrea Palladio

Und die museumsdidaktische Aufarbeitung des Teatro Olimpico… nun ehrlich: Ich traue mich gar nicht, sie so zu bezeichnen.
Als ich ankam warteten schon einige Leute im Theaterraum. Ich hatte nirgendwo gelesen, dass es eine Führung geben würde (außerdem hatte mich keiner gefragt, ob ich dafür genug Italienisch verstünde), aber ich freute mich, dass ich eine bekommen sollte. Stattdessen bekamen wir eine „Lightshow“. Als die nach wenigen Minuten vorbei war, war es sehr deutlich, dass man nun eigentlich erwartete, dass wir das Theater auch wieder verließen. Die Tatsache, dass ich noch länger blieb, um mir das Bühnenbild genauer anzuschauen, trug mir schon einige seltsame Blicke von den sichtlich gelangweilten Aufsichtskräften ein.
Der Bücherstand war geschlossen und eine Informationstafel suchte man vergebens. Bei meinem gesamten – eher kurzen – Besuch im Teatro Olimpico bekam ich nicht eine Information darüber, was ich hier eigentlich gerade anschaute.

Palazzo Thiene-Bonin Longare in Vicenza Sehenswürdigkeiten

Palazzo Thiene-Bonin Longare in Vicenza

Meiner Meinung nach verschenkt Vicenza hier ein unglaublich großes touristisches Potential. Offenbar geht man einfach davon aus, dass diejenigen, die in die Stadt kommen und sich die Sehenswürdigkeiten Vicenzas betrachten, sowieso wissen, wer Palladio war und warum er bedeutsam war.

Vicenza Sehenswürdigkeiten: Palazzo della Ragione von Palladio bei Nacht

Palazzo della Ragione bei Nacht

Nun halte ich mich eben eher für einen (kunst)historisch gebildeten und v.a. auch kulturell interessierten Menschen. Dennoch erschloss sich mir das nicht.

Na gut, bloß weil ich ihn nicht kannte, heißt ja aber noch nicht, dass er wirklich so unbekannt ist. Doch bei einer kleinen Umfrage unter meinen Freunden, in einer Kulturgeschichte- und einer Architektur-Gruppe auf Facebook zeigte sich Ähnliches: Etwas mehr als die Hälfte kannte Palladio – wenn überhaupt – nur dem Namen nach, wobei die meisten angaben, den Namen noch nie gehört zu haben. Etwas weniger als die Hälfte gab an zu wissen, wer er war und welche Bedeutung er hatte. Diese Personen hatten oft im Zuge einer Reise oder Reisevorbereitung in den Veneto über Palladio gelesen, zum Teil in der Schule von ihm gehört – oder sich genauer mit Architektur beschäftigt. Es ist wohl auch nicht verwunderlich, dass er in der Architektur-Gruppe am bekanntesten war.
Diese Umfragen sind natürlich alles andere als repräsentativ, zeigen aber doch, dass Wissen über Palladios Bedeutung für die westliche Architektur auch unter kultur- und kunstinteressierten Laien nicht unbedingt einfach vorausgesetzt werden kann.

Die Capella Valmarana in der Kirche Santa Corona

Die Capella Valmarana in der Kirche Santa Corona wurde wahrscheinlich von Palladio entworfen

Ich bin auch deshalb nach Vicenza gefahren, um mehr über Palladio zu lernen. Sollte ich aus Vicenza, der Stadt, die sich mit seinem Namen schmückt, nicht eigentlich abreisen und eine Ahnung von seiner Wichtigkeit haben? Stattdessen habe ich aus dem Wikipedia-Artikel über Palladio mehr darüber erfahren, als vor Ort in Vicenza.
Selbst eine Palladio-Themenführung durch die Stadt suchte ich auf der Tourismus-Webseite Vicenzas vergeblich. Eigentlich schade…


Vicenza Sehenswürdigkeiten: Bedeutende Palladio-Bauten

Palladios Bauwerke sind also stilbildend und wichtig, aber sind sie jetzt eigentlich schön? Nun, das ist natürlich eine sehr subjektive Sache, die ich auch nur mit meiner Meinung beantworten kann.
Wie ich oben schrieb, fehlte mir – ohne die Hintergrundinformationen – der Zugang zu den Bauwerken. Wie es bei Sirenen & Heuler hieß: Sie brachten nichts in mir zum Schwingen.
Ich habe fast das Gefühl, dass Palladios Erfolg hier zu seinem Nachteil arbeitete. Man hat einfach das Gefühl, solche Bauwerke schon irgendwie dutzendfach gesehen zu haben. Und das stimmt ja auch – ähnliche Bauwerke HAT man ja schon dutzendfach gesehen. Sie kommen einem ziemlich „normal“ vor, man ist an den Anblick solcher Gebäude gewöhnt.
Erst jetzt, wo ich weiß, dass Palladio irgendwie der Urvater dieser Baukunst war, kann ich die Sehenswürdigkeiten Vicenzas wirklich würdigen.

Vicenza Villa Rotonda Sehenswürdigkeiten

La Rotonda bei Vicenza

Ein Wort zu den Öffnungszeiten
Es war tatsächlich nicht immer so leicht, im Corona-Jahr 2020, die gültigen Öffnungszeiten herauszufinden. Inwiefern die Öffnungszeiten sich wirklich nur aufgrund der Covid-Lage geändert haben, weiß ich nicht – es stellte sich jedenfalls heraus, dass in Vicenza die Sehenswürdigkeiten nicht immer dann offen haben, wann man es erwarten würde – oder auch gelesen hat.
So musste ich von Verona aus am Sonntag spontan einen Tagesausflug nach Vicenza unternehmen, um die Rotonda besichtigen zu können, die abweichend zu den Informationen, die ich hatte, nur am Wochenende geöffnet war.
Auch am Palladio-Museum, das ich gerne besucht hätte, stand ich vor verschlossenen Türen. Zwar bekam ich, als ich eine Museums-Card in der Touristinformation kaufte, einen Zettel mit den für diese Woche(!) gültigen Öffnungszeiten – aber da war ich ja auch schon in Vicenza und an den Museumsbesuch war dann nicht mehr zu denken.
Dagegen war die Basilica Palladiana plötzlich doch Montags und Dienstags geöffnet, obwohl in der Woche zuvor noch online zu lesen war, sie sei nur am Wochenende zugänglich.

Informiert euch also vorher noch einmal auf den offiziellen Seiten der Rotonda, der Stadt Vicenza und der städtischen Museen. Und hofft einfach, dass die Öffnungszeiten auch so stimmen, wie sie da stehen.

Die Basilica Palladiana: *DIE* Sehenswürdigkeit in Vicenza

Wer in Padua war, weiß, dass es auch dort ein solches riesiges öffentliches Gebäude mitten in der Stadt gibt. In Padua blieb es gotisch, in Vicenza begann Palladio, das mittelalterliche Gebäude „zu ummanteln“. Palladios „Hülle“ diente als Stütze für das baufällig gewordene gotische Gebäude. Streng genommen waren es eigentlich zwei Palazzi, die bereits im 15. Jahrhundert baulich verbunden wurden – umgeben nun mit einer Renaissance-Fassade. Ein recht komplexes Gebilde also.

Strahlend weiß, abgesetzt mit rosafarbenem Mamor und einem leuchtenden Kupferdach, strahlt diese Sehenswürdigkeit durch die Straßenschluchten von Vicenza. Palladio zu Ehren ist der Palazzo della Ragione heute bekannter als „Basilica Palladiana“, wobei „Basilica“ sich auf den antiken römischen Gebäudetypus bezieht und nichts mit einer Kirche zu tun hat.

Aus dem antiken Triumphbogen-Schema übernahm Palladio ein Motiv, das sich ständig wiederholt: Das sogenannte Serlio-Fenster, auch als Venezianisches Fenster oder Palladio-Motiv bekannt. Mehr Beispiele davon gibt es hier.

das sogenannte „Palladio-Motiv“: Die Fensterform – ein Bogenfenster mit zwei kleineren Öffnungen daneben

Auf der Terrasse der Basilica Palladiana gibt es eine Bar, wo man bei Sonnenuntergang einen Aperitivo genießen kann.

Venetien Rundreise: Basilica Palladiana in Vicenza

Sonnenuntergang auf der Terrasse der Basilica Palladiana. Hier oben befindet sich eine Bar, wo man einen Aperitivo genießen kann

Villa Rotonda: Sehenswürdigkeit am Rande Vicenzas

Genannt La Rotonda ist der eigentliche Name dieser Sehenswürdigkeit Vicenzas Villa Almerico Capra Valmarana – benannt nach dem Auftraggeber, Bischof Paolo Almerico. Später kam die Villa in den Besitz der Familie Capra, Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich in den der Familie Valmarana, welche diese Sehenswürdigkeit der Öffentlichkeit zugänglich machte. Bis heute ist die Rotonda in Privatbesitz.

Die Villa Rotonda sollte als ideales Gebäude geschaffen werden, ein ausgeklügeltes Spiel mit der Geometrie. Vollkommen symmetrisch angelegt, geschaffen aus der Wiederholung von Kreisen und Vierecken und mit vier identischen Fassaden, die jede wie ein antiker Tempel aufgebaut ist.

Der Plan der Villa Rotonda

Der Plan der Villa Rotonda

Teatro Olimpico

Das Teatro Olimpico war Palladios letzter Auftrag. Der Bau begann in seinem Sterbejahr und wurde von seinen Nachfolgern beendet. Den Plan hat allerdings noch Palladio beigesteuert.
Wahlweise wird es als das älteste Innenraumtheater, das älteste freistehende, autonome oder freistehende autonome Theater seit der Antike bezeichnet. Der Baumeister orientierte sich dabei an den römischen Theatern – anders als diese ist das Teatro Olimpico allerdings nicht offen, sondern eben ein geschlossener Raum, an dessen Decke man immerhin Wolken gemalt hat.

Das Bühnenbild – ebenfalls von Palladio – zeigt die sieben Straßen Thebens und wird das, unabhängig vom Stück, das darin gespielt wird, bis in alle Ewigkeit tun. Denn natürlich kann das Bühnenbild nicht einfach verändert werden. Es steht ja zusammen mit dem Theater so auf der Welterbeliste.

Blick vom Teatro Olimpico auf die Fassade des Palazzo Chiericati

Loggia del Capitaniato

Direkt neben der Basilica Palladiana springt einen dieses Gebäude regelrecht an. Die Farbgebung ist ungewöhnlich dunkel, wenn man es mit den anderen Gebäuden des Meisters in Vicenza vergleicht.
Das Bauwerk wurde 1565 in Auftrag gegeben – als Palazzo für den Capitanio, den Repräsentanten der Republik Venedig in Vicenza.

Palladios Gebäude ersetzte auch hier ein ähnliches mittelalterliches Bauwerk. Einen besonders schönen Blick auf die Loggia hat man von der Terrasse der Basilica.

Diverse Palazzi von Palladio in Vicenza

In Vicenzas Altstadt sind 23 Bauwerke von Palladio in die Welterbeliste aufgenommen worden. Man kann sich sehr gut anhand der Schilder „Itinerario Palladiano“ orientieren – es gibt zudem einen Stadtplan, auf dem die Palazzi verzeichnet sind.
Einige beherbergen heute Geschäfte, andere Museen (etwa der Palazzo Chiericati, der die Pinakothek beherbert – oder der Palazzo Barbaran, in dem sich das Palladio-Museum befindet).
Man kann recht entspannt während eines Bummels durch die Altstadt Vicenzas Sehenswürdigkeiten bestaunen. Und das auch noch gratis.

Palazzo Chiericati

Palazzo Pojana

Palazzo Barbaran

Weiterlesen über Sehenswürdigkeiten um Vicenza

Elena von Verliebt in Italien hat auf ihrem Blog auch über Andrea Palladio und seine Bauwerke geschrieben. Unter anderem über die


Allgemeine Infos zu Vicenza

Mit knapp 114.000 Einwohnern ist Vicenza nach Verona, Venedig und Padua die viertgrößte Stadt der Region Venetien.
Zwar verzeichnet auch Vicenza ein Plus an Touristen, aber doch spielt der Tourismus bei Weitem nicht die Rolle wie in den benachbarten Städten Venedig und Verona. Dennoch gehört Vicenza zu den reichsten Provinzen Italiens. In Punkto Export stand die Provinz 2019 sogar auf Platz 3.

Vicenza ist eine saubere und aufgeräumte Stadt, wie alle Städte, die ich auf meiner Venetien Rundreise besucht habe. Für jemanden wie mich, die meist ab Florenz südlich unterwegs war, wirkt das Ganze fast schon „unitalienisch“ und beinahe etwas langweilig. Das italienische Dolce Vita kommt dann aber doch am Abend, wenn auch hier die Plätze und Straßen auf einmal bevölkert sind und sich das Leben draußen abspielt. Rund um die Basilica gibt es unzählige Lokale, wo sich abends die Einheimischen treffen.

Anreise nach Vicenza

Vicenza liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Venedig und Verona und auch an der Zugstrecke zwischen den beiden Städten. Die Fahrt dauert von jeder der beiden kommend im Regionalzug etwas mehr als eine Stunde und kostet 5,90 € (von Verona) und 6,50 € (von Venedig). Alternativ gibt es die Möglichkeit, den italienischen Schnellzug Frecciarossa oder den Eurocity zu nehmen. Vicenza ist also sehr gut öffentlich angebunden.
Ebenso gut erreichbar ist es von Verona, Venedig und Padua aus mit dem Auto. Es liegt wirklich ideal für einen Stop auf einer Venetien Rundreise.

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Ich wohnte im Relais Santa Corona*, in einer ruhigen Seitenstraße in der Altstadt. Das Teatro Olimpico und die Basilica Palladiana waren nur wenige Gehminuten entfernt und auch die zentrale Einkaufsstraße, der Corso Palladio, war gleich die nächste Straße. Durch die Lage in einer Seitengasse war es allerdings sehr ruhig – abgesehen von der Kehrmaschine, die in der zweiten Nacht vorbeifuhr…

Die „Rotonda“

Reiseführer für die Venetien Rundreise

Ich selbst nutze seit vielen Jahren die Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag – so auch bei dieser Reise. Sie bieten neben den grundsätzlichen Infos über Geschichte, Kunst und Kultur auch allerhand über lokale Köstlichkeiten sowie gute und verlässliche Restaurant- und Hoteltipps.

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Kunstliebhabern seien die DuMont Kunstreiseführer empfohlen, die wohl so ziemlich das Umfassendste sind, was man als Kunstfreund auf Reisen mitnehmen kann.

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Und natürlich hat auch der Lonely Planet einen Reiseführer für die Region Venetien herausgegeben. Ich selbst nutze diese Reiseführer zwar nicht, weiß aber, dass es nicht wenige Reisende gibt, die darauf schwören.

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Die Reise durch Venetien wurde von mir selbst organisiert und finanziert.

Weiterlesen über Venetien

9 Gedanken zu “Vicenzas Sehenswürdigkeiten: Warum Palladio doch irgendwie cool ist

  1. Wow … das war nach längerer Zeit wieder mal ein Artikel, der mich voll in seinen Bann gezogen hat. Obwohl ich mich auch dezent für Architektur interessiere, war mir Palladio tatsächlich kein Begriff. Jetzt werde ich aber sicher mit anderen Augen durch die Straßen gehen! Dein Artikel hat mich auch wieder daran erinnert, Italien mal wieder in meiner Urlaubsplanung zu berücksichtigen, denn deine Fotos machen mir echt sofort Lust hinzufahren.

    • Ich danke dir vielmals für das Lob. Geht runter wie Öl. 😊
      Ja, ich werd jetzt wohl auch etwas aufmerksamer sein… auch wenn mir auch nach all dem Einlesen die genauen Unterschiede zw Palladianismus, Klassizismus, Historismus etc noch nicht gänzlich klar sind.

  2. Das ist ein sehr schöner Artikel geworden. Sehr lebhaft beschrieben und individuell gestaltet. Herzlichen Dank dafür und ich freu mich schon auf mehr!

    • Lieben Dank, Thomas.
      Ja, wie gesagt… ich bin kein Kunsthistoriker und schon gar kein Architekturhistoriker… ich hab einfach meinen eigenen Weg von „Aha?“ zu „Aha!“ beschrieben 😀 Und dachte, das ist es wert, es auch für andere aufzuschreiben.

  3. Hallo Ilona,
    mal wieder ein großes Danke für den Blick über den Tellerrand!
    Ich muss zugeben, wir schauen uns oft die Standardsehenswürdigkeiten an, vor allem weil mir mit meiner Tochter die Muße (und auch die Zeit) dazu fehlt, mich so intensiv mit allen Orten, die wir besuchen, zu beschäftigen.

    Liebe Grüße
    Isabel

    • In dem Fall sind Palladios Bauwerke sogar die „Standardsehenswürdigkeiten“ der Stadt… von daher kommt man gar nicht drum rum, sie zu besichtigen 😉 Aber ja, Vicenza ist nicht DER Touri-Hotspot in Italien. War aber auch gerade deshalb mal sehr angenehm.

  4. Danke ! Goethes kindliche sentimental-traurige Heldin Mignon stammte ursprünglich aus Vicenza, aus der Familie der die Rotando gehörte…

    Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
    Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
    Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
    Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,Kennst du es wohl…?

    Dahin! Dahin
    Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

    Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,
    Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
    Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
    Was hat man dir, du armes Kind, getan?
    Kennst du es wohl?

  5. Goethe über Palldio in Vicenza: Palladios Wohnhaus und Villa Rotonda:

    „Ich ging zum alten Baumeister Scamozzi, der des Palladio Gebäude herausgegeben hat und ein wackerer, leidenschaftlicher Künstler ist. Er gab mir einige Anleitung, vergnügt über meine Teilnahme. Unter den Gebäuden des Palladio ist eins, für das ich immer eine besondere Vorliebe hatte, es soll seine eigne Wohnung gewesen sein; aber in der Nähe ist es weit mehr, als man im Bilde sieht. Ich möchte es gezeichnet und mit den Farben illuminiert haben, die ihm das Material und das Alter gegeben. Man muß aber nicht denken, daß der Baumeister sich einen Palast errichtet habe. Es ist das bescheidenste Haus von der Welt, hat nur zwei Fenster, die durch einen breiten Raum, der das dritte Fenster vertrüge, abgesondert sind. Wollte man es zum Gemälde nachbilden, so daß die Nachbarhäuser mit vorgestellt würden, so wäre auch das vergnüglich anzusehen, wie es zwischen sie eingeschaltet ist. Das hätte Canalett malen sollen.

    Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Inwendig kann man es wohnbar, aber nicht wöhnlich nennen. Der Saal ist von der schönsten Proportion, die Zimmer auch; aber zu den Bedürfnissen eines Sommeraufenthalts einer vornehmen Familie würden sie kaum hinreichen. Dafür sieht man es auch in der ganzen Gegend von allen Seiten sich auf das herrlichste darstellen. Die Mannigfaltigkeit ist groß, in der sich seine Hauptmasse zugleich mit den vorspringenden Säulen vor dem Auge der Umherwandelnden bewegt, und die Absicht des Besitzers ist vollkommen erreicht, der ein großes Fideikommißgut und zugleich ein sinnliches Denkmal seines Vermögens hinterlassen wollte. Und wie nun das Gebäude von allen Punkten der Gegend in seiner Herrlichkeit gesehen wird, so ist die Aussicht von daher gleichfalls die angenehmste. Man sieht den Bachiglione fließen, Schiffe von Verona herab gegen die Brenta führend; dabei überschaut man die weiten Besitzungen, welche Marchese Capra unzertrennt bei seiner Familie erhalten wollte. Die Inschriften der vier Giebelseiten, die zusammen eine ganze ausmachen, verdienen wohl aufgezeichnet zu werden: 

    Marcus Capra Gabrielis filius
    qui aedes has
    arctissimo primogeniturae gradui subjecit
    una cum omnibus
    censibus agris vallibus et collibus
    citra viam magnam
    memoriae perpetuae mandans haec
    dum sustinet ac abstinet.

     
    Der Schluß besonders ist seltsam genug: ein Mann, dem so viel Vermögen und Wille zu Gebote stand, fühlt noch, daß er dulden und entbehren müsse. Das kann man mit geringerm Aufwand lernen…“

    Olympisches Theater und Basilika nach Goethe:

    „Vor einigen Stunden bin ich hier angekommen, habe schon die Stadt durchlaufen, das Olympische Theater und die Gebäude des Palladio gesehen. Man hat ein sehr artiges Büchelchen mit Kupfern zur Bequemlichkeit der Fremden herausgegeben mit einem kunstverständigen Texte. Wenn man nun diese Werke gegenwärtig sieht, so erkennt man erst den großen Wert derselben; denn sie sollen ja durch ihre wirkliche Größe und Körperlichkeit das Auge füllen und durch die schöne Harmonie ihrer Dimensionen nicht nur in abstrakten Aufrissen, sondern mit dem ganzen perspektivischen Vordringen und Zurückweichen den Geist befriedigen; und so sag‘ ich vom Palladio: er ist ein recht innerlich und von innen heraus großer Mensch gewesen. Die höchste Schwierigkeit, mit der dieser Mann wie alle neuern Architekten zu kämpfen hatte, ist die schickliche Anwendung der Säulenordnungen in der bürgerlichen Baukunst; denn Säulen und Mauern zu verbinden, bleibt doch immer ein Widerspruch. Aber wie er das untereinander gearbeitet hat, wie er durch die Gegenwart seiner Werke imponiert und vergessen macht, daß er nur überredet! Es ist wirklich etwas Göttliches in seinen Anlagen, völlig wie die Force des großen Dichters, der aus Wahrheit und Lüge ein Drittes bildet, dessen erborgtes Dasein uns bezaubert.
    Das Olympische Theater ist ein Theater der Alten, im kleinen realisiert und unaussprechlich schön, aber gegen die unsrigen kömmt mir’s vor wie ein vornehmes, reiches, wohlgebildetes Kind gegen einen klugen Weltmenschen, der, weder so vornehm, noch so reich, noch wohlgebildet, besser weiß, was er mit seinen Mitteln bewirken kann.

    Betrachtet man nun hier am Orte die herrlichen Gebäude, die jener Mann aufführte, und sieht, wie sie schon durch das enge, schmutzige Bedürfnis der Menschen entstellt sind, wie die Anlagen meist über die Kräfte der Unternehmer waren, wie wenig diese köstlichen Denkmale eines hohen Menschengeistes zu dem Leben der übrigen passen, so fällt einem denn doch ein, daß es in allem andern ebenso ist; denn man verdient wenig Dank von den Menschen, wenn man ihr inneres Bedürfnis erhöhen, ihnen eine große Idee von ihnen selbst geben, ihnen das Herrliche eines wahren, edlen Daseins zum Gefühl bringen will. Aber wenn man die Vögel belügt, Märchen erzählt, von Tag zu Tag ihnen forthelfend, sie verschlechtert, da ist man ihr Mann, und darum gefällt sich die neuere Zeit in so viel Abgeschmacktem. Ich sage das nicht, um meine Freunde herunterzusetzen, ich sage nur, daß sie so sind, und daß man sich nicht verwundern muß, wenn alles ist, wie es ist.

    Wie sich die Basilika des Palladio neben einem alten, mit ungleichen Fenstern übersäten, kastellähnlichen Gebäude ausnimmt, welches der Baumeister zusamt dem Turm gewiß weggedacht hat, ist nicht auszudrücken, und ich muß mich schon auf eine wunderliche Weise zusammenfassen; denn ich finde auch hier leider gleich das, was ich fliehe und suche, nebeneinander…“

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