Bolsena, Orvieto und das Fronleichnamsfest : Kirchengeschichte im umbrisch-lazialen Grenzgebiet

Unter den Seen des Latium ist der Bolsena See mit 114 km² Fläche der Größte. Zum Vergleich: der zweitgrößte See, der etwas südlicher gelegene Lago di Bracciano, ist nur etwa halb so groß. 

Der Bolsena See ist nach dem Ort Bolsena benannt – einer dieser typischen idyllischen, pittoresken Borghi. Von außen ein imposanter Anblick der Häuser, die sich an einem Hügel dicht an dicht unter einer Burg drängen. Im Inneren verliert man sich in den engen Gassen. 

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Aufgrund der Campingplätze direkt am Seeufer ist Bolsena beliebt bei Campern. Die Via Francigena – die Pilgerroute nach Rom – führt direkt hindurch. Letzteres ist ein Grund, wieso der kleine Ort Bolsena Bedeutung für die Kirchengeschichte gewonnen hat, führten doch die religiösen Zweifel eines hindurchpilgernden Böhmen letztendlich zu einem Wunder und damit zur Einführung eines kirchlichen Hochfestes.
Doch selbst vielen Pilgern dürften die vielen kirchenhistorischen Verwicklungen, die hier ineinander liefen, nicht ganz klar sein. Und deshalb wollen wir uns das hier mal genauer anschauen. 

Anblick von Bolsena am Lago di Bolsena

Bolsena: ein kleiner Borgo am Lago di Bolsena im Latium 

Bolsena ist zwar der namensgebende Ort des Sees und historisch wahrscheinlich auch der bedeutsamste, der größte ist es aber nicht. Bolsena hat nur etwa 3700 Einwohner. 
Ort und See liegen direkt im Dreieck Latium-Umbrien-Toskana. Bis zur Grenze nach Umbrien sind es nur sechs Kilometer, die toskanische Grenze liegt 20 Kilometer entfernt. Bolsena liegt also eingebettet in die historische Landschaft der Tuscia und die Entstehung Bolsenas ist auch eng mit den Etruskern verknüpft.

Abendstimmung am Bolsena See

Abendstimmung am Bolsena See

Man vermutet, dass Bolsena – auf lateinisch Volsinii Novi – im Jahr 241 vor Christus entstand, als die Römer die Einwohner der wichtigen etruskischen Stadt Volsinii (das heutige Orvieto) nach deren Eroberung umsiedelten. 
Durch Volsinii Novi verlief die Via Cassia, eine wichtige Verbindungsstraße von Rom über Veji, Sutri bis nach Chiusi in der Toskana. Die Via Cassia behielt ihre Bedeutung bis ins Mittelalter bei: alte Pilgerrouten von Norden Richtung Rom führten hier entlang und auch heute noch führt die Via Francigena durch Bolsena. 




Um den Besitz von Bolsena stritten im Mittelalter die nur 30 Kilometer entfernt gelegene Stadt Orvieto und die Päpste. Zwar wurde der Ort von Karl dem Großen offiziell den Päpsten zugesprochen, doch für lange Zeit hatte Orvieto eine faktische Herrschaft über Bolsena inne. Ab dem 15. Jahrhundert gehörte Bolsena zum Kirchenstaat, bis es mit diesem zusammen ab 1870 zum Königreich gehörte. 

Übernachten in Bolsena

In Bolsena gibt es mehrere Campingplätze, zahlreiche Bed & Breakfasts und Hotels unterschiedlichster Luxusklasse – einige davon direkt am Seeufer gelegen. 

Ich selbst wohnte für ein paar Nächte im Loriana Park Hotel* direkt am See 

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Am See direkt vor meinem Hotel

Am See direkt vor meinem Hotel

Am Lungolago von Bolsena, wo mein Hotel lag

Am Lungolago von Bolsena, wo mein Hotel lag


Basilica di Santa Cristina in Bolsena: Katakomben und Mirakel

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Bolsena ist die Basilica der Heiligen Christina von Bolsena. Diese Kirche ist eigentlich eine komplexe Anlage aus verschiedenen Epochen, bei der sich mehrere Kirchen, Kapellen und Katakomben aneinanderreihen. 

Der älteste Teil sind die Katakomben, ein unterirdischer christlicher Friedhof, der vom Ende des dritten bis ins fünfte Jahrhundert genutzt wurde. Dabei handelte es sich nicht um einen Ort, an dem sich Christen heimlich versammelt oder vor den Verfolgungen versteckt hätten, der christliche Friedhof war in Volsinii Novi bekannt. 

Plan der Basilica di Santa Cristina in Bolsena – Mboesch, CC BY-SA 4.0, da Wikimedia Commons

Hier her wurden die Überreste der Märtyrerin Christina übertragen. Ihr Grab wurde 1880 bei archäologischen Grabungen entdeckt, woraufhin man beschloss, diesen Bereich prächtiger auszubauen: Im „Grotta di Santa Cristina“ genannten Bereich führt eine Marmortreppe hinab zum Sarkophag und von dort in die Katakomben. 

Davor schließen sich wiederum zwei Kapellen an, die nach dem eucharistischen Wunder von Bolsena benannt sind: Die Kapelle des Leibs Christi (Cappella del Corpo Cristo) und die Kapelle der Heiligen Steine (Cappella delle Sacre Pietre). Letztere stammt in der heutigen Form aus dem späten 17. Jahrhundert. 
Davor wiederum schließt sich die eigentliche Basilica Santa Cristina an. Sie wurde 1077 geweiht, die heutige Kirche wurde allerdings zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert errichtet. 



Die Heilige Christina von Bolsena, eine frühchristliche Märtyrerin

Die Geschichte der heiligen Christina von Bolsena hat viele Parallelen zu den Geschichten anderer frühchristlicher Märtyrer. 
Sie soll im späten dritten Jahrhundert als Tochter heidnischer Eltern in eine vornehme Familie geboren worden sein. Durch eine Dienerin wurde sie zum Christentum bekehrt, was den Zorn ihres Vaters heraufbeschwor, denn dieser hatte vor, seine Tochter dem Dienst an den heidnischen Göttern zu weihen.
Zuerst ließ er sie in einen Turm auf einer Insel im Lago di Bolsena einsperren. Da dies keinen Sinneswandel bei ihr herbeirief, ließ er sich von zwölf Männern schlagen und schließlich ins Gefängnis werfen. Ihre Mutter flehte sie an, nachzugeben, doch Christina blieb standhaft. 

Darstellung der Heiligen Christina von Bolsena in der ihr geweihnten Kirche

Darstellung der Heiligen Christina von Bolsena in der ihr geweihnten Kirche

Nun folgte eine ganze Abfolge an Versuchen, Christina zu foltern und zu töten: Sie wurd mit Nägeln gerissen, aufs Rad geflochten, angezündet, mit einer Basaltplatte im See versenkt, in Öl gesiedet, in einen Ofen gesperrt, Schlangen vorgeworfen, ihr wurden Brüste und die Zunge abgeschnitten – doch all diese Martern zeigten keine Wirkung. Christina blieb standhaft und es ereigneten sich etliche Wunder. So wurde sie vom Erzengel Michael gerettet, als sie ertränkt werden sollte, eine Apollo-Statue zerfiel vor ihr zu Staub, sie konnte ohne Zunge weitersprechen und aus ihren abgeschnittenen Brüsten floss Milch statt Blut. 
Ihr Ende war dann relativ unspektakulär und sie wurde durch zwei Pfeile getötet. Dies geschah um das Jahr 297. 

Die abenteurliche Geschichte der Heiligen Christina führte dazu, dass sie mit zahlreichen verschiedenen Attributen dargestellt wird. Ihr Feiertag ist der 24. Juli. 

Der Altar des eucharistischen Mirakels mit dem Stein, der die Fußspuren der Heiligen Christina tragen soll

Der Altar des eucharistischen Mirakels mit dem Stein, der die Fußspuren der Heiligen Christina tragen soll

Christinas Überreste wurden schon bald im christlichen Friedhof der Katakomben von Bolsena beigesetzt und aus dem vierten Jahrhundert gibt es bereits Hinweis für einen Heiligenkult. 
Die Rompilger, die auf der Via Francigena durch Bolsena kamen, griffen den Kult um Santa Cristina auf und verbreiteten ihn – vermischten ihn aber auch mit den Legenden anderer Heiliger, etwa der Heiligen Barbara, die – wie Christina – in einen Turm eingesperrt worden sein soll. Eine weitere Vermengung erfolgte mit einer namentlich unbekannten Heiligen aus Tyros im Libanon. In den orthodoxen Kirchen gilt deshalb auch Tyros als Geburtsort der Heiligen Christina.  

Das eucharistische Wunder von Bolsena

Im Jahr 1263 befand sich ein böhmischer Priester namens Peter von Prag auf einer Pilgerreise nach Rom. Der Name „Peter von Prag“ scheint mir tatsächlich so generisch, dass ich mich fragte, ob es sich um eine historisch nachweisbare Person handelt oder nicht. Leider habe ich diesbezüglich bisher nichts herausfinden können. 
Peter von Prag jedenfalls haderte mit einigen Lehren der katholischen Kirche – besonders der Lehre der Transubstantiation. Das bedeutet, der Lehre der „Wesensverwandung“. Nach römisch-katholischer Lehre wandelten sich Brot und Wein bei der Messe wahrhaftig in Leib und Blut Christi. Es war eben keine rein symbolische Geste, sondern – nach katholischer Lehre – eine wahrhafte Wesensverwandlung von Wein und Brot. 
Diese Lehre war nicht unumstritten und auch unser böhmischer Priester war sich unsicher, ob an der Sache wirklich etwas dran war. 
Als er durch Bolsena kam und dort an einem Altar vor der Grotte der Heiligen Christina eine Messe las, bat er Gott um ein Zeichen, das seine Zweifel zerstreuen möge. Bei der Wandlung tropfte plötzlich Blut aus der Hostie auf das Korporale – ein eindeutiges Zeichen, dass die Hostie sich wahrhaftig in den Leib Christi verwandelt hätte. 
Das Korporale ist ein ein Altartuch, auf dem bei der Wandlung Kelch und Hostienschale abgestellt werden. 

Der Altar des Mirakels von Bolsena

Der Altar des Mirakels

Die Cappella delle Sacre Pietre mit einer Darstellung des Wunders von Bolsena

Die Cappella delle Sacre Pietre mit einer Darstellung des Wunders von Bolsena

Peter eilte – nun völlig von der Lehre der Transubstantiation überzeugt – nach Orvieto, wo sich Papst Urban IV. aufhielt, und berichtete vom wundersamen Vorfall in Bolsena. (Urban residierte die meiste Zeit seines Pontifikates in Orvieto oder Viterbo und hat Rom kein einziges Mal betreten, nicht völlig ungewöhnlich für diese Zeit, in der Rom häufig politisch gespalten und unruhig war und der Aufenthalt dort für das Kirchenoberhaupt mitunter einige Gefahren barg). 
Der Papst schickte sofort den Bischof von Orvieto nach Bolsena, um die Wahrhaftigkeit prüfen zu lassen und ließ dann das Korporale nach Orvieto bringen, wo es heute noch in der „Cappella del Corporale“ im Dom von Orvieto aufbewahrt wird.

Darstellung im Dom von Orvieto: Der Bischof prüft das Wunder und bringt das Korporale nach Orvieto

Darstellung im Dom von Orvieto: Der Bischof prüft das Wunder und bringt das Korporale nach Orvieto

Den Gläubigen in Bolsena blieb immerhin ein Stück der Altarplatte aus Marmor, auf die ebenfalls einige Tropfen des Blutes gefallen waren. Dieses Stück Marmor mit den Blutstropfen wird heute in der Kapelle der Heiligen Steine (Cappella delle Sacre Pietre) in der Basilika der Heiligen Christina in Bolsena aufbewahrt. 

Papst Urban IV. zeigte sich vom eucharistischen Wunder von Bolsena übrigens so beeindruckt, dass er bereits ein Jahr später das Fronleichnamsfest für die gesamte Kirche einführte. 

Die "Sacre Pietre" von Bolsena

Die „Sacre Pietre“ von Bolsena

Was ist eigentlich Fronleichnam?

Fronleichnam – eingeführt 1264 durch Papst Urban IV. – ist noch heute ein Hochfest der katholischen Kirche und wird in vielen katholischen Gegenden mit prächtigen Prozessionen begangen. 
Der Termin ist beweglich und das Fest wird entweder im Mai oder in Juni begangen. Fronleichnam fällt auf den sechzigsten Tag nach Ostern – und damit auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. 

Fronleichnams-Prozession in Bamberg. Unter dem Baldachin geht der Erzbischof mit der Monstranz, die die Hostie enthält. Neben der Hostie werden zahlreiche Heiligenstatuen mit aufwändigem Blumenschmuck mitgetragen. Die ganze Prozession dauert mehrere Stunden.

Der Name kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „Leib des Herren“ (das Wort Fron kennen wir auch aus dem Kontext des Fron-Dienstes, Leichnam bedeutet hier einfach nur Leib). Der offizielle Name lautet Hochfest des Leibes und Blutes Christi, während man es in Italien als „Corpus Domini“ bezeichnet. 

Weiterlesen über die Fronleichnamsprozession in Bamberg

Die Geschichte des Fronleichnamsfestes im kirchenhistorischen Kontext

Zum ersten Mal wurde Fronleichnam 1247 in Lüttich begangen.
Die dortige Feier ging auf Visionen einer Nonne, Juliana von Lüttich, zurück. Schon um 1208 hatte sie erste eucharistische Visionen, vertraute sich um 1228 ihren Mitschwestern an und wandte sich schließlich 1246 an den Bischof von Lüttich. 
In ihren Visionen sah sie das Kirchenjahr in der Form eines Mondes, der hell strahlte, aber von einem dunklen Streifen durchzogen wurde. Dieser dunkle Streifen symbolisiere das Fehlen eines liturgischen Festes im Kirchenjahr zur Verehrung des Altarsakraments – so ihre Deutung. 
Urban war offenbar bis in die 1240er Jahre Archidiakon von Lüttich, hatte also wohl hier eine Verbindung zum ersten Fronleichnamsfest und es ist deshalb auch weniger überraschend, wie bereitwillig er die Gelegenheit ergriff, Fronleichnam als gesamtkirchliches Fest einzuführen. 

Englebert Fisen: Sainte Julienne du Mont-Cornillon, 1690 (Kirche St. Martin, Lüttich)

Nun passieren Wunder selten im luftleeren Raum. Oder anders gesagt: Die Wunder und Visionen, denen in der Kirche offiziell Bedeutung beigemessen wird, sind meist eingebettet in einen größeren kirchenpolitischen Zusammenhang. So ist es auch mit dem Wunder von Bolsena. 

Der Zweifel an der Transubstantiationslehre war im 13. Jahrhundert keine neue Sache. 
1215 erst – also nur wenige Jahre nach den angeblichen ersten Visionen Julianas von Lüttich – war auf dem vierten Laterankonzil die Lehre der Transubstantiation festgeschrieben worden, nach langen theologischen Diskussionen. Die Transubstantiation wurde dadurch zwar noch nicht zu einem Dogma erklärt, aber erneut bekräftigt.

Dies geschah natürlich nicht einfach so: Eine Bekräftigung der wahrhaften Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi betonte auch die „Heilsnotwendigkeit der Kirche“. Das bedeutet kurz gesagt: Wenn die Eucharistie keine bloße Symbolik ist, sondern eine wahrhafte Wandlung stattfindet, dann kann dies nur geschehen durch einen korrekt geweihten Priester – also einen offiziell kirchlich geweihten und eingesetzten. Wenn wiederum die Kommunion ein Sakrament und damit notwendig ist, um ins Himmelreich zu kommen, dann bedeutet es schlicht und ergreifend: Außerhalb der katholischen Kirche und ohne Vermittlung durch ihre Priester gibt es keine Erlösung. 

Und genau in dieser Epoche war dieser Anspruch der katholischen Kirche massiv in Frage gestellt worden – durch die Katharer, die auch die Kommunion als Sakrament ablehnten. Kein Wunder also, das ein weiterer Canon des vierten Laterankonzils Häretiker mit der Exkommunkation belegt und auch jene verfolgt, die sich an einem Kreuzzug gegen die Ketzer nicht beteiligen wollten. 
Von 1209–1229 führte Simon de Monfort seinen Albigenserkreuzzug gegen die Katharer in Südfrankreich. 

In diesem Umfeld hatte Juliana ihre Visionen, welche die Bedeutung der Eucharistie noch einmal bestärkten. Es ist also wenig verwunderlich, dass der Inhalt der Visionen auf Entgegenkommen von Seiten kirchlicher Obrigkeiten stieß.
Zwei Jahre, bevor sie sich an den Bischof von Lüttich wandte, war die Katharerburg Monségur gefallen. Die Kirchenorganisation der Katharer war damit zerschlagen, sie waren in Frankreich aber noch nicht vollständig ausgerottet. Zudem gab es noch einige Gemeinden in Italien, gegen welche in den 1250er Jahren die römische Inquisition hart vorging. Die letzten italienischen Katharer hielten 1276 die Burg in Sirmione. Nach deren Fall wurden sie 1278 in der Arena di Verona verbrannt. 

In Italien befand man sich also mitten in der Verfolgung und Ausrottung der „Häretiker“, welche die Autorität der römischen Kirche anzweifelten und die Sakramente und deren Heilsnotwendigkeit – abgesehen von der Taufe – ablehnten. Da kamen Wunder, welche diese Heilsnotwendigkeit bestärkten und damit die Autorität der Kirche bekräftigten gerade recht und man förderte sie bereitwillig. 


Der Dom von Orvieto

Was hat all das, was ich hier erzählte, jetzt eigentlich mit dem Dom von Orvieto zu tun? Diesem großartigen Beispiel italienischer Gotik? Ganz einfach: Ohne das Wunder von Bolsena gäbe es ihn nicht. 

Urban IV. war es, der den Bau in Auftrag gab – um damit einen würdigen Ort zu schaffen, um das Korporale von Bolsena aufzubewahren. Das kostbare goldene Reliquiar (Gefäß zur Aufbewahrung von Reliquien), das man später für das Korporale schuf und das heute im Dommuseum von Orvieto aufbewahrt wird, zeigt die Fassade des Domes von Orvieto. Denn auch der Dom war gewissermaßen ein gigantisches Reliquiar für diese kostbare Reliquie. 

Das Reliquiar für das Korporale von Bolsena - wikiCommons, gemeinfrei

Das Reliquiar für das Korporale von Bolsena – wikiCommons, gemeinfrei

Am 13. November 1290 wurde der Grundstein gelegt und die Bauarbeiten dauerten über drei Jahrhunderte. 
Wer den Dom von Siena kennt, sieht möglicherweise einige Parallelen, besonders in der Fassaden-Gestaltung. Man geht davon aus, dass der Dom zu Siena die Kathedrale von Orvieto beeinflusst hat: Die Arbeiten am Dom in Siena begannen 1215, der erste Stein der Fassade wurde 1284 gelegt. 
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde in Orvieto der Sieneser Lorenzo Maitani zum Baumeister und Bildhauer berufen. Von ihm stammt auch der Entwurf der dreispitzigen Fassade. 

Detail an der Fassade des Domes von Orvieto

Detail an der Fassade des Domes von Orvieto

Auch im Inneren sieht man Parallelen zu Siena, denn auch der Dom von Orvieto ist schwarz-weiß gestreift. 

Im linken Seitenschiff befindet sich die Cappella del Corporale, wo das Korporale von Bolsena aufbewahrt wird. Die Fresken aus der Mitte des 14. Jahrhunderts zeigen die Geschichte des Wunders von Bolsena, sowie weitere eucharistische Wunder und natürlich auch biblische Geschichten des Alten und Neuen Testaments. 

Darstellung der Geschichte des Corporale di Bolsena im Dom von Orvieto: Der Bischof von Orvieto bringt das Korporale nach Orvieto zurück und zeigt es dort Papst Urban IV. und dem Volk

Darstellung der Geschichte des Corporale di Bolsena im Dom von Orvieto: Der Bischof von Orvieto bringt das Korporale nach Orvieto zurück und zeigt es dort Papst Urban IV. und dem Volk

Wenn ihr also jemals in Orvieto wart und die Pracht dieses Domes bestaunt habt, dann wisst ihr jetzt, dass wir seine Existenz einem Wunder aus dem nahegelegenen kleinen Ort am Bolsena See verdanken und weshalb dieses Ereignis genau in der damaligen Zeit auf so viel Entgegenkommen von Seiten der kirchlichen Obrigkeit stieß. 

Übernachten in Orvieto

In und um Orvieto findet ihr zahlreiche Unterkünfte unterschiedlichster Art, für jeden Anspruch und jeden Geldbeutel. 
Ich selbst stieg bei meinem Besuch im Hotel Duomo* ab – direkt neben dem Dom von Orvieto. 

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Anreise nach Bolsena und Orvieto

Die Anreise nach Orvieto ist recht unkompliziert, da sowohl Regional- als auch Intercity-Züge, die zwischen Rom und Florenz verkehren, hier Halt machen. Der Bahnhof befindet sich am Fuße des Tuffsteinplateaus, auf dem Orvieto liegt. Die Stadt erreicht man entweder mit dem Bus oder der Funicolare (also der Standseilbahn), die im Juli 2026 aber gerade repariert wurde. 

Bolsena hat keinen Bahnhof und wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, muss ab Orvieto den Bus E652 von SITA nehmen. Es fahren täglich aber nur zwei Busse je Richtung, einer am Morgen, einer am Nachmittag. Im Sommer 2026 fuhren die Busse von Orvieto nach Bolsena um 7:30 Uhr und 13:10. Von Bolsena nach Orvieto fahren die Busse derzeit um 8:30 Uhr und 17:00.
Die aktuellen Fahrpläne findet ihr auf der Webseite unter Servizi Extraurbani – Area Terni. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde.


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