Vergiss Pompeji! – Ein Besuch in der Villa von Oplontis

Nur knapp vier Kilometer bzw. zwei Stationen der Regionalbahn Circumvesuviana trennen die weltberühmten Ausgrabungsstätten von Pompeji und die weitgehend unbekannte Villa von Oplontis (ital. Villa Oplonti). Beide gehören – zusammen mit dem wenige Circumvesuviana-Stationen weiter liegenden Herculaneum (ital. Ercolano) – zum UNESCO Weltkulturerbe.  Und alle drei wurden zusammen beim Vesuvausbruch von 79 n. Chr. von Lava und Asche verschüttet.

Der Untergang Pompejis ist weltweit quasi zum Synonym für die Katastrophe des Vesuvausbruchs geworden. Jährlich schieben sich mehr als 2,5 Millionen Besucher durch die knapp 98ha große Ausgrabungsstätte. Herculaneum ist weit weniger besucht, hat sich aber bei Geschichtsinteressierten, die nicht nur einfach einen großen Namen abhaken möchten, als Alternative zum überlaufenen Pompeji etabliert.
Die zwischen beiden gelegene Villa Oplonti dagegen scheint noch immer einen Dornröschenschlaf zu halten und darauf zu warten, endlich von Touristen entdeckt und wachgeküsst zu werden.
Und so wanderte ich an einem sonnigen Ostersonntag – übrigens bei freiem Eintritt, wie jeden ersten Sonntag im Monat – mit etwa zehn weiteren Menschen durch die weitläufige Anlage der Villa von Oplontis.

Die Villa von Oplontis liegt ein gutes Stück unterhalb des heutigen Straßenniveaus und inmitten der grauen Vorstadt-Tristesse

Nein, von der Größe her kann die Villa Oplonti weder mit Pompeji und noch nicht einmal mit dem wesentlich kleineren Herculaneum mithalten. Während es sich bei diesen beiden um Städte handelt – wenn auch nicht um komplette, da  noch etliches unter den modernen Bauten verborgen liegt – handelt es sich bei den Ausgrabungen im heutigen Torre Annunziata, wie der Name vermuten lässt, lediglich um eine Villa.

Allerdings nicht um eine gewöhnliche Villa.

Pompeji, Nero und Poppea Sabina

Pompeji und Herculaneum waren Kleinstädte, nicht unbedingt von überregionaler Bedeutung und auch nicht übermäßig reich (auch wenn es den Städten nicht schlecht ging und die ganze Gegend bei reichen Römern für die Sommerfrische beliebt war und es deshalb auch dort sehr prächtige Villen gab). Besonders Pompeji, so weiß man, hatte bereits vor dem verheerenden Vulkanausbruch von 79 n. Chr. zu kämpfen. 17 Jahre zuvor, im Jahr 62 n. Chr., zerstörte ein Erdbeben bereits die Stadt. Das Epizentrum lag offenbar direkt in Pompeji und die Stadt wurde komplett verwüstet. Finanzielle Mittel zum Wiederaufbau gab es aus Rom nicht und bis zur Schicksalsnacht 17 Jahre später war noch längst nicht alles wiederhergestellt.

Ein weiteres Ereignis wühlte den kleinstädtischen Alltag in diesen Jahren auf: Kaiser Nero nahm sich eine hübsche Pompejanerin zur Frau: Poppea Sabina.
Der Armen war kein langes, glückliches Leben beschieden, denn sie verstarb bereits drei Jahre nach der Hochzeit, im Jahr 65 n. Chr. Viele Autoren behaupteten, dass Nero die Schwangere getreten und somit getötet habe. Andere wiederum glauben an Komplikationen während der Schwangerschaft.

Die Vesuvküste – das Wohngebiet der Reichen und Schönen

Ja, heute mag sich an der Vesuvküste ein hässlicher, trister Vorort an den anderen reihen. In vergangenen Zeiten war die Küste der bevorzugte Wohnort all derer, die es sich leisten konnten.
Als man im 18. Jahrhundert erste systematische Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum unternahm, wusste man bereits, dass sich entlang der Küste noch einige andere archäologische Schätze unter der Erde verbergen mussten.

In den 1970er Jahren wurde mit der Villa von Oplontis eine dieser Luxusvillen dann endlich ausgegraben.
Anders als in den bisher entdeckten Kleinstädten, musste hier wirklich jemand Bedeutendes gelebt haben. Die erstaunlich gut erhaltene Dekoration ließ sämtliche Raffinesse des römischen Lebens erahnen – hier sah man, wozu man im römischen Reich tatsächlich in der Lage war. Hier hatten nicht einfach nur ein paar reiche Beamte und Bürger gelebt.

Die Villa Poppea

8000 m² umfasste das Grundstück, das damals an der Küste lag. 3000 m² groß war der Wohnbereich. Es gibt neben zahlreichen Räumen und zum Meer hin ausgerichteten Säulengängen natürlich das obligatorische beheizte Thermalbad, aber auch ein riesiges Außenschwimmbecken. Die Villa war ein idealer Sommersitz für Mitglieder der kaiserlichen Familie. Verschiedene Graffiti und Inschriften legten dann einen Bezug zu Poppea Sabina nahe und heute geht man davon aus, dass sie hier zumindest eine Weile gelebt haben muss. Deshalb nennt man sie auch Villa Poppea.

Das Außenschwimmbecken kann sich sehen lassen

Ich gestehe, dass ich durch meinen Reiseführer zwar informiert war, dass mich in der Villa Poppea römisch-kaiserliche Pracht erwarten würde, aber dass ich dennoch nicht allzu viel erwartete. In erster Linie besuchte ich Oplonti, weil ich in meinen drei Wochen am Golf von Neapel auch und gerade die Orte abseits des Gewöhnlichen besuchen wollte. Pompeji hatte ich – wie jeder brave und halbwegs geschichtsinteressierte Tourist am Golf von Neapel – schon bei meinem ersten Besuch besichtigt. Nun wollte ich Herculaneum und Oplonti sehen.

Natürlich wusste ich, dass die Villa Oplonti sicher etwas zu bieten haben würde. Ausgrabungen beeindrucken mich jedes Mal. Aber in keinster Weise war ich auf die Pracht gefasst, die mich erwartete. Ich – und nicht nur ich! – ging mit offenem Mund durch die leeren und wenig besuchten Räume und murmelte ständig nur etwas wie „Du meine Güte!“ oder „Das ist ja un-fass-bar!“ vor mich hin. Ich konnte nicht glauben, dass diese Wanddekorationen allen Ernstes 2000 Jahre überdauert hatten.

Die Vorstellung, wie man hier gelebt haben muss, mit einer die Wandmalereien ergänzenden Ausstattung, mit Wasserbecken und den Blick auf den grandiosen Golf von Neapel, von dem ein ständiges Lüftchen durch die offenen Säulengänge der Villa wehte – das alles überstieg meine Phantasie doch bei weitem.

Üppige, die komplette Wand bedeckende Malereien gab in einigen Räumen. In anderen dagegen feine Zeichnungen auf hellem Grund. Aber alle waren voll mit Details und Kleinigkeiten, die ich mir immer wieder voller Verblüffung betrachtete – und in denen ich immer weitere Details entdeckte.

Kurz und gut: Wer an den Golf von Neapel kommt, römische Ausgrabungen sehen, aber sich nicht in die Besucherschlangen in Pompeji einreihen möchte, der ist hier richtig. Wer versuchen möchte, sich geistig in das wirklich luxuriöse Leben des alten Rom zurückversetzen zu lassen – der sollte unbedingt die Villa von Oplontis gesehen haben.

Lesetipps: 

Die Villa Oplontis und das Meer“ auf Sirenen & Heuler
Ausflüge ab Neapel: 5 Traumziele rund um die italienische Stadt am Vesuv“ auf Trip to the Planet

Praktische Informationen zur Villa Oplonti

Erreichbarkeit:

Die Villa von Oplontis ist sehr einfach öffentlich erreichbar. Die Circumvesuviana braucht von Neapel aus etwa 35 Minuten (der Direktzug Direttissimo etwa 20 Minuten). Von Sorrento dauert die Fahrt ebenfalls etwa 35 Minuten.
Wer wie ich von Sorrento aus kommt und im Internet an einen älteren Fahrplan geraten ist, wird sich wundern, dass nicht direkt nach Pompeji die Station Torre Annunziata – Oplonti kommt. Denn eine sehr neue Station – die Villa Regina – ist dazwischen geschoben worden. Von Sorrent aus kommend liegt Oplonti also zwei Stationen nach Pompeji.

Öffnungszeiten und Eintritt

1. April – 31. Oktober: töglich von 8.30 bis 19.30 Uhr (letzter Eintritt 18 Uhr)
(geschlossen am 1. Mai)

1. November – 31. März: täglich 8.30 bis 17 Uhr (letzter Eintritt 15.30 Uhr)
(geschlossen 25. Dezember und 1. Januar)

Der Eintritt kostet 7€ (4€ reduziert) und erlaubt auch den Besuch des Museums in Boscoreale (Station Villa Regina). Das Ticket ist einen Tag gültig.

Eintritt frei am ersten Sonntag im Monat.

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14 Gedanken zu “Vergiss Pompeji! – Ein Besuch in der Villa von Oplontis

  1. Also ich weiß jetzt definitiv, was bei meinem nächsten Neapelbesuch auf dem Plan steht! Das schaut ja unglaublich toll aus, und ich bin auch immee ganz fassungslos, wenn so alte Sachen noch so gut erhalten sind.

    In Pompeji war ich ja vor ein paar Tagen, und ich muss sagen: ja, war nett, aber so riesig und so viele Menschen! Und irgendwann dachte ich mir: Ach komm, ein Haus reiht sich ans andere, was wirklich Neues ist jetzt dann nicht mehr dabei. Da ist mir ein Gebäude, auf das ich mich konzentrieren kann, lieber 😉 Danke fürs Inspirieren, den Ort mal zu besuchen!

    Lg Barbara

    • Ja, Pompeji ist schon spannend… aber wie du sagst: Irgendwann hat man die Highlights dann abgegrast und sieht die Stadt vor lauter Häusern nicht mehr.

    • Nein, nicht komplett, aber ich würde tatsächlich raten, eher dorthin und nach Ercolano zu fahren, als nach Pompei.
      Aber natürlich ist der Titel etwas provozierend gedacht 😉

  2. Pingback: Ausflüge ab Neapel: 5 Traumziele rund um die italienische Stadt am Vesuv

  3. Hallo Ilona,
    ich war vor Jahren mal in Pompeji und damals schon ziemlich begeistert. Seitdem wollte ich immer mal wieder ein zweites Mal hin. Nach deinem Artikel ist die Lust eindeutig größer geworden – vor allem auch, sich die anderen antiken Städte rund um den Vesuv anzuschauen.
    Liebe Grüße
    Thomas

    • Ja, es gibt wunderschöne Ecken da unten! Pompeji hat mir ja durchaus auch gut gefallen, anschauen würd ichs schon, wenn mans noch NIE gesehen hat, aber grundsätzlich muss ich sagen, dass nichts – weder Pompeji noch Ercolano – mit der Villa Oplonti mithalten konnten! Und es gibt ja noch mehr…

  4. Das sieht ja wirklich beeindruckend aus. Das wird gleich mal vermerkt! Hoffentlich bekomme ich dann bald auch die Gelegenheit mir die Villa anzuschauen…. Italien ruft schon eine ganze Weile, aber ich weiß noch gar nicht, ob ich so bald Zeit habe… Aber der Text und die Bilder machen wirklich Lust.

    • Aaaach, ich kenn das. Was mich nicht immer alles ruft. Leider ruft mich die Vernunft dann meistens wieder zur Ordnung und ich geh erst doch wieder das Geld verdienen, das ich im nächsten Urlaub ausgebe 😉
      Die ganze Ecke da unten kann ich aber absolut nur empfehlen. Wunderwunderwunderschön. Sollen bald noch mehr Beiträge kommen… hab noch ein paar auf Lager 🙂 Freu mich, wenn ich Dir Lust auf Oplonti machen konnte.

  5. Pingback: Neapel für Anfänger - Tipps für den ersten Besuch – reisepsΨcho

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